Kino: „Draussen ist Sommer“

Ein neues Zuhause, sexuelles Erwachen und eine Familie voller Geheimnisse und Lügen: Für die 14-jährige Wanda wird der Umzug ihrer Familie in die Schweiz zur größten Prüfung ihres Lebens.

Es könnte das Paradies sein: Ein großes Haus mit Garten in einem vornehmen Viertel, irgendwo in der Schweiz. Besser jedenfalls als Stuttgart, wo die Familie der 15-jährigen Wanda (Maria-Victoria Dragus) herkommt.
Doch schon bald merken wir, das hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Zuerst sind es kleine Anzeichen: „Wir schaffen das“, sagt der Vater (Wolfram Koch) zur Mutter (Nicolette Krebitz) – ein Satz, der schon die Möglichkeit enthält, dass sie es eben nicht schaffen.
Dann entdecken die Kinder eine kahle Stelle am Kopf des jüngsten Bruders, die Mutter findet keine Arbeit und der Vater greift zur Flasche. Geheimnisse, Lügen und Ängste kommen zum Vorschein. Türenknallen und Geschrei auf der einen, Schweigen auf der anderen ersetzen die Kommunikation.
Hinzu kommen die Schwierigkeiten draußen, wo durchaus nicht nur einfach Sommer ist – sondern auch Probleme mit Jungs, Lehrerin und Mitschülerinnen.
Mit dem Fernglas in der Hand sitzt Wanda auf dem Dach und träumt sich in die scheinbar heile Familie gegenüber – doch bevor es gut werden kann wird es noch viel schlimmer…


Mal ehrlich: Sind die deutschen Familien wirklich so schlimm? Ist der Abstand zwischen Eltern und Kindern wirklich so groß, der Dialog so schwierig? Gerade Filmemacher aus den 70ern scheinen dieses Thema in Endlosschleife zu variieren.
„Draußen ist Sommer“ von Friederke Jehn („Weitertanzen“) reiht sich jedenfalls nahtlos ein in das Kontinuum deutscher Filme, die sich am Thema Dialog der Generationen abarbeiten und dabei ganz auf die technische Versiertheit ihrer Macher und die Präsenz ihrer Schauspieler setzen: Maria-Victoria Dragus ist der unbestrittene Mittelpunkt des Films und wirkt mit ihren herben und doch verletzlichen Zügen und ihrer starken Leinwandpräsenz wie die junge Jodie Foster. Auch sonst stimmt von Kamera, Musik bis hin zur Besetzung der Nebenrollen alles auf den Punkt.
Spannend wird der Film, als er versucht  über die allzu bekannte Darstellung der Kommunikationsproblems hinauszugehen und eine neue Sprache für die Familie zu finden – aber da ist er dann auch schon zu Ende.

WERTUNG: 4

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