Wagner: Götterdämmerung and Beyond

<= Siegfried, Akt III

So, in zwei langen Sessions gucke ich mich noch durch die „Götterdämmerung“. Die Handlung ist schnell erzählt: Siggi lässt Brünni allein auf dem Felsen zurück (doofe Idee) und zieht zu neuen Abenteuern. Als Andenken gibt er ihr ausgerechnet den verfluchten Ring (doofe Idee).

Er schippert den Rhein hinab ins Reich der Gibichingen, wo ihn der schlaue Hagen (cool im Colombo-Trenchcoat: Fritz Hübner) in eine Intrige verwickelt, die Siggi das Leben und Brünni den Verstand kostet. Am Ende brennt alles und die Leute schauen doof. Naja.

Das dieser Teil leichter abzusiten ist als die letzten beiden liegt vor allem daran, dass nun das Ende schon in Sicht ist und es eine gewisse Freude bereitet all die Unsympathen in den sicheren Untergang zu geleiten. (Eine gewisse sadistische Grundhaltung ist für diese Oper sehr empfehlenswert.)

Ansonsten alles wie gehabt. Tolle Momente – etwa wenn drei Schurken gleichzeitig Siggi verfluchen – schöne Details (Hagen als Wacht am Rhein) – großartige Musik – aber auch viel Leerlauf und Langeweile. Dazu noch ein recht unbefriedigendes offenes Ende. Was ist jetzt mit Wotan, der bisherigen zentralen Person? Ich fürchte es gibt keine zentrale Person, sondern einfach nur den Flow der Leitmotive und der Situationen, mal berührend, oft auch nur nervig.

Fazit: Auch nach fast 18 Stunden hat der „Ring“ bei mir nicht „klick“ gemacht. Viel zu viel Gejammere und Personen, die ich nicht mag und eine Handlung die mir nichts sagt.

Doch ich will nicht selber jammern. Ein paar tolle Dinge nehme ich mir aus dieser Reise ins unbekannte Opernland mit:

  • Ich mag die Musik. Viele der Leitmotive sind echte Ohrwürmer (eins klingt wie ‚From Russia with love‘.)
  • Ich mag die Sprache. Nach etwas Eingewöhnung fand ich den Mix aus Pseudo-Mittelalter-Deutsch und Dada richtig gut. Mein Wortschatz wurde mindestens um drei Wörter erweitert: „luge“ (schau), „neidig“ (gefährlich) und natürlich „Hoh-Joh-Toh“ (Hunger, Pipi, kalt)
  • Ich habe jetzt mehr Respekt vor der Leistung von Opernsängern, die nicht nur ein ganzes Orchester übertönen, sondern dazu auch noch schauspielern und manchmal nahezu akrobatisch rumturnen. Eine höchst sportliche Leistung.
  • Außerdem fällt mir auf, dass ich die tiefen Stimmen immer angenehm hören konnte und es nicht vermisst habe, dass sie sprechen. Nur bei den hohen Tönen der Tenöre und Soprane wollen meine Ohren einfach nicht mit.

So dass wars! Jetzt schnell wieder zurück in die musikalische Komfortzone!

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2 Gedanken zu “Wagner: Götterdämmerung and Beyond

  1. Am besten danach noch „The Lord of the Ring der Nibelungen“ anschauen. Ist eine sehr humorige Zusammenfassung von Hans Liberg. Leider hab ich im Netz nur ne holländische Version gefunden. Kannst die DVD aber gerne mal haben.

    1. Ja das klingt sehr interessant! Mir ist im Wagner-Ring schon vieles aufgefallen, was große Ähnlichkeiten mit Tolkien hat. Allen voran natürlich der supermächtige verfluchte Ring. Auch Götter-Menschen-Nibelungen sind ein bischen wie Elfen-Menschen-Orks. Was bei Wagner total fehlt sind halt die Hobbits (oder irgendwas anderes nettes 🙂 )

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