Wagner – Siegried Akt II

Back to Bayreuth und zum Schluss des ersten Aktes von Siegfried, für den ich letztesmal zu müde war. Es ist auch gut hier frisch einzusteigen, denn nach dem etwas langatmigen Vorgeplänkel geht ab hier die Post ab. (Wir sind jetzt nämlich, nach etwa 11 Stunden Oper an dem Punkt an dem die Nibelungen-Spielfilme (die selbst auch nicht gerade kurz sind) anfangen! Nämlich da wo Siegfried sein Schwert schmiedet um gegen den Drachen zu ziehen. Er stürmt also aus Mimes Schmiede in die Aktpause…

…und wir Zuschauer sehen den Vorhang fallen und dann eine Aussenansicht des Bayreuther Festspielhauses zu bleierner Stille. Das ist ein bischen so, als würde man einen Spielfilm unterbrechen und den Leuten das Kino von aussen zeigen. Nicht sehr stimmungsvoll…

Um so schöner dann die Kulisse für den zweiten Akt. Ein urig gestalteter Wald in dem nun endlich viele bisher gesponnene Handlungsfäden zusammenlaufen: Die alten Feinde Wotan und Alberich (deren Licht/Schatten-Zwillingshaftigkeit hier schön betont wird), der in einen Drachen verwandelte Riese Fafner sowie Mime und Siegfried treffen nun endlich aufeinander um auszukarteln wer den Nibelungenhort und den Ring der Macht besitzen wird – und wer sterben muss.

Dabei wird die Spannung vorbildlich aufgebaut: Wir bekommen vom Drachen erzählt, sehen seinen Hort, hören seine Stimme und als er dann endlich auftaucht sieht er sogar ordentlich beeindruckend aus! Nicht Peter-Jackson-beieindruckend, aber Theater-aus-den-70ern-mehr-als-beindruckend schon. Ein bischen geschmälert wird die imposante Drachenpuppe dadurch, dass sie zum Kampf auf deutlich sichtbaren Rädern herausgeschoben wird. Soll das Ironie sein? Oder gehört das zum Steampunk-Stil dieser Inszenierung?

Vorher gibt es noch einen sehr kuriosen Moment als der Naturbub Siegfried einen Vogel entdeckt (in einem Käfig – da steckt sicher wieder eine List dahinter…) und versucht per Flöte mit ihm zu kommunizieren. Das klingt dann exakt wie ein Jazz-Solo! Hat Wagner das so geschrieben? Wenn ja, dann war er wirklich seiner Zeit weit voraus. Und selbst wenn nicht ist es ein netter Einfall der Regie. Für ein paar Sekunden fühle ich mich musikalisch zum ersten mal richtig zu Hause.

[Dass der Vogel von einem echten Tier ‚gespielt‘ wird, dass die ganze Zeit panisch im Käfig hin und her läuft gefällt mir dagegen weniger gut. Gibt es in Oberfranken keinen Tierschutz?]

Furios ist dann auch der Todestanz zwischen Siegfried und dem (von Heinz Zadnik brilliant slapstickartig gespielten) Mime mit dem Gifttrank. Insgesamt für mich der bisher stärkste Akt der Tetralogie. Puh, gerade noch mal die Kurve gekriegt. Jetzt hab ich wieder Spaß an dem Ding.

<Akt 3>

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