Wagner: Siegfried – Akt I

<= Walküre

Überraschung: In der Bibliothek gibt es den „Siegfried“ gar nicht in der Levine-Version, die ich bisher gesehen habe. Nur in der „Jahrhundertring“-Version aus Bayreuth. Nun, denn: Ziehe ich von New York nach Oberfranken und zeitlich etwa 10 Jahre zurück. Mal sehen wie die anderen das machen.

Zuerst fällt auf, dass hier alles viel Theater-mäßgier aussieht.Vorhänge und Bühnenelemente sind deutlich sichtbar, Kulissen werden geschoben und auf der Glatze eines Darstellers spiegeln sich Scheinwerfer. Naja.

Auch der Klang ist anders. Die Stimmen klingen distanzierter, mit mehr Hall, aber auch klarer vom Orchester abgehoben als in der Met-Version. Ob das der berühmte Bayreuth-Klang ist – oder doch eher eine Folge der älteren Aufnahme-Technik?

Kostüme und Bühnenbild sind weit weniger Fantasy. Ein tristes Nachkriegsgraubraun mit Stahlboden und Eisenrädern prägt die Szene im Mimes Schmiede. Der Zwerg hat den jungen Siegfried nach dem Tod seiner Mutter aufgezogen. Doch der Knabe dankt es ihm nicht. Ständig nervt er rum (Wagner scheint kein gutes Bild vom Familienleben gehabt zu haben).

Ihr Streit erinnert an die schlechteren Szenen von Sergio Leone: Der junge Prügel-Held und der gewollt lustige Greis. Gähn. Schließlich kommt Wotan, verkleidet als „Wanderer“ zu Besuch.

Ohjeh. Dieser Wotan sieht aus wie eine versoffene Version von Mario Adorf! Und er singt auch nicht so cool! Ich will Morris aus der Met-Version wieder haben! Die drei vertreiben ihre Zeit mit Gerätsel, Gesang und Gezänk, bis die erste Stunde ohne großen Höhepunkt verstrichen ist und die Geschichte immer noch mitten in der Exposition steckt. Dabei ist das Gesangstempo im Vergleich zu allem vorher sehr hoch, was aber das episch-heldenhafte noch mehr schmälert.

Also ich muss sagen: So langsam fängt es an zu nerven. Ich bin mit viel guten Willens und möglichst objektiv in dieses Projekt gestartet, aber irgendwie zündet’s musikalisch nicht hundertprozentig und die unsympathischen Personen gehen mir schon sehr auf den Geist. Ein Heldenepos ohne Helden?  Wenn der Drache jetzt suckt wird’s knapp, Herr Wagner!
<Akt 2>

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