Film: Before Midnight

Sind tatsächlich schon wieder neun Jahre vergangen?
Nach Before Sunrise (1995) und Before Sunset (2004) nimmt uns das geniale Trio Linklater, Delpi und Hawke erneut mit zu den Abenteuern von Celine und Jesse, die sich einst zufällig im Zug kennenlernten und sich Jahre später in Paris wiedertrafen.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit den beiden und mit diesem ungewöhnlichen filmischen Experiment, bei dem die Personen im Film genauso altern wie die Darsteller in echt (und wie ich, natürlich 🙂 ). Ein bischen sah ich Jesse und Celine wohl auch immer wie eine Art Freunde, die man alle Jubeljahre mal wieder trifft.

Deswegen bin ich auch etwas besorgt, ob es ihnen gut geht. Immerhin kündigten die Filmemacher 2004  schon an, dass der dritte Teil „Before we get mad“ heißen und von der Trennung der beiden berichten sollte.

Und tatsächlich ist in „Before Midnight“ die Romantik längst dem Alltag gewichen. Jesse und Celine sind seit der Zeit zusammen, haben zwei Jobs, zwei Kinder und kaum mehr Zeit ihre berühmten Gesprächs-Marathone zu führen – bis sie ein Freund zum Urlaub in Griechenland einlädt. Dort verbringen sie eine wortreiche Nacht ohne den Nachwuchs, in der ihre Beziehung hinterfragt wird: Ist die Liebe noch da? Oder schon weg?

Auch der dritte Teil hat alle Vorzüge der Serie. Intelligente Dialoge, genau beobachtete Personen, große Glaubwürdigkeit. Dazu mit Griechenland erneut ein wunderbar romantischer Schauplatz. Davor entfaltet sich ein Drama. Jesse und Celine gehen sich verbal an die Gurgel, machen sich Vorwürfe und beschimpfen sich. Von gewaltfreier Kommunikation scheinen sie noch nichts gehört zu haben. Das wirkt manchmal unter dem gewohnten Niveau – drückt aber auch die große Verletztheit der Figuren aus, die hier zunehmend verzweifelt um ihre Liebe kämpfen…

Das ist natürlich weit weniger nett als die ersten beiden Teile – zeugt aber vom großen Mut der Filmemacher. Es wäre sicher leicht gewesen, eine nette harmonische Kleinigkeit zu erzählen oder den beiden ein geschummeltes Glück zu schenken, statt derart ans Eingemachte zu gehen. Respekt für diese Entscheidung – und toi toi toi, dass wir uns alle 2022 gesund wiedersehen.

WERTUNG: 1

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