Wagner: Die Walkyre – Akt 3

< Akt 2 >

So, nun ist auch der letzte Walküren-Akt durch – und hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl. Gut gefallen hat mir der Walkyrenauflauf am Anfang. 9 Schildmaiden die versetzt „Johtohoho“ „Weia“ oder Informationen über den Zustand ihrer Pferde („Ruhig, Brauner!“) ausrufen – das klingt angenehm nach sinnfreier dadaistischer Lautpoesie und gibt zusammen mit dem dynamischen Rhythmen des „Walkürenritts“ eine spannende Mischung.

Nicht gefallen hat mir: Wotan.(Nicht der Sänger, der ist sehr gut, aber die Figur).
Der Typ nervt!
Wie ein „Gott“ benimmt er sich nie. Nicht mal wie ein guter Familienvater. Stärke – Güte – Weisheit? Alles Fehlanzeige. Ständig trifft er dumme Entscheidungen, jammert rum und schiebt die Schuld auf andere. Diesmal auf Töchterchen Brünnhilde. Weil die nicht macht was er sagt verstösst er sie aus der Familie und verdonntert sie dazu auf dem nächstbesten Felsen zu schlafen, bis der erstbeste vorübergehende Mann sie wachküssen und behalten darf. Aber vorher macht er sie noch lange vor allen Schwestern zur Sau.

Mal ehrlich, der gute sollte mal ein Buch über Kindererziehung lesen. Oder eine Selbsthilfegruppe gegen sein Manisch-Depressives Wesen („Ich bin Gott! Aber ich bin so unfrei!“) besuchen.
Mir ist schon klar, das um 1860 noch ganz andere Erziehungs-Grundsätze galten und vielleicht war es für diese Zeit sogar revolutionär, dass Väter so ihre Gefühle zeigen, wie Wotan es hier tut. Aber von heute aus gesehen wirkt es doch etwas arg steinzeitlich.

Musikalisch ist dagegen wieder alles top und der Walküren-Abend endet auf einer überraschend sanften Note.

Insgesamt für mich eine etwas durchwachsenere Erfahrung als das flotte „Rheingold“.

WERTUNG: 3

Jetzt sind schon ca. 7 Stunden Ring rum und es fällt auf, dass noch erstaunlich wenig passiert ist. (Beim „Herr der Ringe“ wäre jetzt z.B. Gandalf schon tot und die Gemeinschaft am zerbrechen, bei „Game of Thrones“ wären die Entwicklungen nach 7 Stunden gar nicht mehr zählbar). Aber in der Oper scheint ein anderes Zeitverhältnis zu herrschen. Nicht die körperliche Aktion, sondern das ausführliche Gesinge von Gefühlen (während die Welt drumherum wie auf Pause ist) nehmen hier viel Raum ein.

Das nervt manchmal (wie bei Wotans Dauergejammer und Gezürne) macht aber meist ein gutes Feeling: Es entsteht ein musikalisches Kontinuum ohne Anfang und Ende. Man kann jederzeit reinzappen und fühlt sich immer im Klang aufgehoben.

<Siegfried>

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