Wagner: Mit Stephen Fry in Bayreuth

< Walküre, Akt 1
Zwischenstand nach 4 von 18 Stunden „Ring“:
Ich bin weder be- noch entgeistert. Musikalisch gefällt es mir besser als Mozart, weil es irgendwie druckvoller und geradliniger ist – aber lang nicht so gut wie Beethoven. Weil der schrieb auch mehr Instrumentales.

Vielleicht wäre es auch einfach gut, nicht länger blind drauflos zu gucken, sondern etwas mehr Hintergrundwissen zu bekommen. Da kommt mir die Dokumentation „Wagner & Me“ von Stephen Fry gerade recht.

Der sympathische Brite mit der freundlichen Stimme ist seit Kindheit glühender Fan der Musik Wagners.
Während er – leicht verständlich und kompakt – die Entwicklung des Künstlers beschreibt reist er auf dessen Spuren herum: In die Schweiz, nach Russland, Neuschwanstein, Nürnberg und natürlich nach Bayreuth, wo er uns hinter die Kulissen des Festspielhauses führt. Sein Enthusiasmus und seine kindliche Freude wenn er die Tür zum Konzertraum öffnet, den „Tristan-Akkord“ auf Wagners eigenem Flügel anschlägt oder eine handschriftliche Orginal-Partitur durchblättert übertragen sich sofort auf den Zuschauer.

Spannend wird die Sache aber durch den moralischen Zwiespalt Frys: Einerseits ist er glühender Fan – andererseits hat er als Jude auch ein großes Problem mit Wagner. Immerhin war Wagner Antisemit und der Lieblingskomponist Hitlers. Darum wurde Fry schon früh gesagt, dies sei „Böse“ Musik, die er nicht laut hören dürfte.

Das sehe ich meinerseits nicht so. Als Kino-sozialisierter Mensch assoziere ich Wagner in erster Linie mit Vietnam und nicht mit Nazi-Deutschland. Was kann ein Komponist, der 1883 stirbt dafür, was die Nazis 50 Jahre später mit seiner Musik machen? Fry findet darauf aber durchaus überraschende Antworten und zeigt etwa den direkten Einfluss den Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ auf die Inszenierung der Reichsparteitage in dieser Stadt hatten.

Witzig dagegen die Bemerkungen Frys zur künstlerischen Intention Wagners: Er wollte bei der Oper wieder die Kunst in den Mittelpunkt stellen – nicht das Drumherum, die Eitelkeit der Besucher und das Sehen-und-Gesehen-werden. Zudem wollte er die Kunst dem Volk zurückgeben: Musik für alle, nicht nur für die Elite. „Da muss ich natürlich ein bischen schmunzeln“, meint Fry mit Blick auf das alljährliche Promi-Schaulaufen bei den Bayreuther Festspielen.

Insgesamt eine stimmungsvolle und leichte Doku, die auch für Menschen interessant ist, die mit Wagners Musik nichts anfangen können, aber einen groben Überblick über Leben und Wirkung des Komponisten haben wollen.

WERTUNG: 1

=> AKT 2

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