The Wagner Experience: „Das Rheingold“

Wagner!
Je nach dem wen man fragt ist er supertoll oder superdoof.
Was nu?
Zeit dem auf die Spur zu kommen!
Durch einen praktischen Hör- und Sehtest.
Zeit, eine Oper zu sehen.
Zur Sicherheit nur auf DVD.

Ich bin kein Klassik-Fan, aber ich mag satten Orchesterklang, Fantasy und größenwahnsinnige Projekte allgemein. Insofern halte ich mich gar nicht mit Meistersingern, Holländern oder ähnlichem Käse auf und greife gleich nach dem Ring.

In der Bibliothek gibt es ihn in zwei Versionen: Einer aus New York unter James Levine und den sogenannten „Jahrhundert-Ring“ von 1976 aus Bayreuth. Der erstaunte damals alle, weil er das Geschehen aus der grauen Vorzeit in ein Industriezeitalter versetzte, das auf den DVD-Hüllen stark nach „Metropolis“ aussieht.

Ich entscheide mich für den Levine, da hier Ritter und Monster auf der DVD zu sehen sind – auch wenn das Internet ihn als „zu klassisch“ bezeichnet. Aber das kommt mir gerade recht.  Denn was nützt mir die gewagte Neu-Interpretation wenn ich die ungewagte Alt-Interpretation nicht kenne?

Die Handlung des Ring-Auftaktes „Rheingold“ ist schnell erzählt: Es geht um Sex und Gold. Und die Wahl zwischen beidem. Gott Wotan (hier sehr menschlich) hat den Riesen seine Tochter versprochen, wenn sie ihm die Burg Walhalla bauen. Doch als sie fertig ist versucht er sich mit Hilfe von Loge (Loki) aus dem Vertrag zu schwindeln und den Riesen statt der Maid Gold anzubieten. Das Rheingold, das aber inzwischen vom Gollum-artigen Alberich zu einem Zauberring geschmiedet wurde. Wotan und Loki machen sich daran Gollum den Ring zu entreisen…

Musikalisch gefällt mir das Rheingold überraschend gut. Es gibt viele erstaunlich sanfte Passagen – etwa wenn die Erdmutter Erda aus dem Boden steigt und allgemein fällt das Geheule lange nicht so nervig aus wie befürchtet. Besser als Mozart!

Gewöhnungsbedürftig ist allerdings der Text. Das Epos beginnt tatsächlich mit den Worten: „Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege! Wagala weia! Wallala, weiala weia!“ Unsere Hochkultur ist manchmal ganz schön Teletubby!

Auch im weiteren Verlauf bleibt die Zahl der Alliterationen grenzwertig.l Umso besser gefallen mir die orchestralen Passagen. Da fährt die Kamera durch verschwommene Nebel hinab in die Unterwelt Nibelheims während Orchesterklänge sich mit den Hammerschlägen der Erzschmiede vermischen. Sehr cool! Ich mag auch die liebevollen Kostüme dieser Inszenierung, die eine sehr märchenhafte Stimmung aufkommen lassen.

Am Ende vergehen die fast drei Stunden „Rheingold“ wie im Flug und ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung…

WERTUNG: 2
=> Die Walküre

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