Film: Play

Für die meisten Menschen ist die Shopping-Mall von Göteborg nur ein Ort zum Einkaufen – für den 14-jährigen Yannick und seine Gruppe ist es ein Jagdrevier. Gekleidet in schwarze Klamotten, die ihre dunkle Hautfarbe noch unterstreichen, gehen sie gezielt auf ihre Beute los: Weiße Mittelstandskids.

Sie berauben sie mit einem perfiden Psychotrick: Das Opfer wird beschuldigt, das Telefon von ihrem Bruder  geklaut zu haben. Um den ,Fall‘ zu lösen, sollen die ,Angeklagten‘ mitkommen, damit der angeblich Bestohlene das Handy identifizieren kann.

Meist lassen sich die angesprochenen auf die Sache ein:  Schließlich haben sie nichts verbrochen und wollen vor allem die latente Bedrohung durch die uniformierten Gegner beenden. Doch das ist erst der Auftakt zu einem grausamen Machtspiel. . .


Die Geschichte von der geradezu kafkaesken Diebesmethode entnahm der 1974 geborene schwedische Regisseur Ruben Östlund einer Zeitungsmeldung: Über 50 Raubzüge hatten die jugendlichen Täter nach diesem Muster durchgezogen. Der Film schickt uns Zuschauer auf  moralisch unsicheres Gelände: Die jungen Räuber nutzen aktiv das Klischee vom ,schwarzen Mann‘ und ,kriminellen Ausländer‘ um bedrohlicher zu wirken – verstecken sich aber auch gleichzeitig hinter ihrer Hautfarbe: Wer nicht tut, was sie sagen oder sich ihnen in den Weg stellt, macht sich als Rassist verdächtig.

Ebenso ungewöhnlich wie das Thema ist auch die formale Umsetzung: Gedreht wurde mit zwölf- bis vierzehnjährigen Laiendarstellern. Die Kamera schaut dem Geschehen ruhig zu. Schwenks gibt es kaum, einen Schnitt erst am Ende jeder Szene – und die dauern bis zu acht Minuten. Das wäre selbst für Profischauspieler eine Herausforderung! Für die Jugendlichen ist es die Gelegenheit zu improvisieren und viel von ihrer eigenen  Sicht auf die Welt in den Film einzubringen.
Dabei wählt Östlund, dem es mehr um Beobachtung als um Identifikation geht, eine sehr distanzierte  Perspektive: Nur der Ton ist nah und intensiv, die Bilder sind dagegen meist aus großer Ferne aufgenommen. Auf diese Weise bekommen wir auch viel von der Welt zu sehen, in der sich dieses Drama abspielt. Und die ist noch gruseliger als das Verhalten der Kids – eine Welt, in der die einzige Solidarität im gemeinsamen  Wegschauen besteht.

WERTUNG: 2

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