The Complete James Bond Experience (Part 12)

< Unsichtbare Autos, Laser-Satelliten und anderer Kram

Das neue Jahrtausend brachte auch eine neue Generation von Actionhelden, die sich teilweise kräftig bei Papa Bond bedienten: Jason Statham stieg 2002 erstmals in den Transporter, Vin Diesel war im selben Jahr in xXx als  Prol-Version von Bond unterwegs und Angelina Jolie zeigte als Lara Croft, dass Mädels genauso rumabenteuern können.

Die größte Konkurrenz für die Bond-Serie war aber sicher ein anderer Agent, dessen Name nicht zufällig ebenfalls mit „Ja Bo“ anfing: Jason Bourne. Matt Damons unfreiwilliger Killer mit Gedächtnisverlust lies Brosnans Bond wie Schwiegermutters Liebling aussehen.

Bei den Bond-Produzenten EON zog man schließlich erstaunlich radikale Konsequenzen: Sie schmissen Brosnan raus (auch nachdem der sich öffentlich über die schlechten Drehbücher beschwert hatte), drehten die Uhr auf Null und engagierten einen Kandidaten mit dem niemand gerechnet hatte und der so gar nicht ins Klischee des adretten Gentleman-Agenten passte:

006 – Daniel Craig: Bond Rebourne

Der Engländer war Kinofans bisher vor allem in Nebenrollen aufgefallen: Als Mörder-Mönch im Historienfilm „Elizabeth“ oder als „Bond-Girl“ von Lara Croft. Seine Besetzung entzweite die Fans: Zu blond, zu blauäugig, zu sehr ‚Nicht-Bond‘. Im Gegenzug gab sich Craig in Interviews betont kantig: „Ich spiele die Rolle nur für’s Geld“ etc.

Auch wenn ein Teil dieser Kontroverse von EON sicher bewusst geschürt  wurde um den Film ins Gespräch zu bringen war klar, dass hier erstmals ein radikaler Bruch mit der Bond-Tradition angepeilt war. Ähnlich wie in „Batman Begins“ ein Jahr zuvor sollte der Legende der Mief ausgetrieben und ein neues, realistisches Bild verpasst werden.

Mir gefiel das! Lieber ein etwas schräges Experiment, als die ewige Wiederholung des gleichen – und Oldskool-Bond-Filme gab es inzwischen wirklich genug. Zeit also für den Neustart in

Casino Royale (2006)

In seiner ersten Mission für den MI6 setzt Bond sich auf die Spur von Finanzgenie „Le Chiffre“ (Mads Mikkelsen), der Terroristen mit Geld versorgt – und muss zu diesem Zweck ein Pokerspiel mit Millioneneinsatz im Casino Royale bestreiten…

Nichts weniger als den ‚besten Bond Film aller Zeiten‘ wollten „Goldeneye“-Regisseur Martin Campbell und sein Team diesmal machen – und zumindest in der ersten Stunde kommen sie diesem Ziel verdammt nahe!

Eine furiose Titelsequenz in Schwarz/Weiß, ein ungewöhnlicher Vorspann, dann die brilliante Parcours-Verfolgungsjagd über die Baustelle: Bond Begins mit viel Schmackes, aber ohne den technischen Schnickschnack und die überkandibelte Daueraction, welche die Brosnan-Filme so geplagt hatte.

Stattdessen gibt es die wohl besten Dialoge der Serie: Bonds Antwort auf die Frage nach dem Martini oder sein Gespräch mit Vesper im Zug sind jetzt schon Klassiker. David Arnolds Score rummst mächtig, hebt sich aber das Bond-Thema clever für den entscheidenden Moment auf. Schließlich ist Bond in diesem Film ja noch nicht fertig – er entwickelt sich erst aus der Handlung.

Craig spielt das subtil und vielfältig: Sein Bond ist verletzlich, zärtlich, respektvoll – dann wieder grob, kalt und gefährlich. Aber stets glaubwürdig. Und (noch?) weit davon entfernt ein perfekter, allwissender Held zu sein.

Meine Kritikpunkte an diesem Film sind dann auch sehr persönlicher Natur. Er enthält nämlich leider drei Dinge, die ich nicht gerne ansehe: Poker, Folter und Eva Green. Letztere wirkt auf mich  mit ihren stechendem Augen und dick aufgetragenem Make-Up gruseliger als der eigentliche Schurke – warum Bond sich ausgerechnet in sie verliebt bleibt mir schleierhaft. Deswegen ist die zweite Hälfte des Films für mich ein bischen ein Sitzfleischtest. Aber dafür entschädigt eine sehr feine Schlusszene, bei der man förmlich das Grinsen der Autoren spürt, als sie Craigs letzte Worte zu Papier brachten.

Eigentlich könnte die Bond-Serie an dieser Stelle auch zu Ende sein – oder wieder mit Connery im Casino von „Dr. No“ von vorne starten. Der Kreis hat sich geschlossen, die Sache ist endlich rund.

WERTUNG: 1

Schönste Anekdote: Ich glaube Craig ist der erste Bond-Darsteller, der sich auf den Postern nicht die Pistole neben den Kopf hält! Sehr klug von ihm! Welcher vernünftige Mensch sollte sich selbst so etwas gefährliches wie eine Handfeuerwaffe direkt an die Schläfe halten?

> Für eine Unze Quantium

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2 Kommentare zu „The Complete James Bond Experience (Part 12)

  1. Bin ja eigentlich auch keine Craig-Fan, aber nach der Kritik bin ich ja echt am überlegen, mir diesen Bond auch mal anzutun.

    Und mal so spontan 2 Bitten:
    1. Wie wärs mit weiteren Experiences zu anderen Reihen (muss ja nicht sowas großes wie Bond sein)
    und 2. Dann aber bitte mit einem extra Menüpunkt

    Freu mich schon auf den nächsten Bericht!

  2. Hey G,
    danke für die Anregungen.
    Zu 1) ja ich werde den Sonntag-Abend-Bond auch vermissen. War ein schönes Ritual. Allerdings weis ich noch ned, welche Reihe diesen Platz einnehmen könnte.
    Zu 2) hm. ich merk schon, dass der Block (nach 5 Jahren online) etwas unübersichtlich wird – hab aber momentan weder zeit noch muse die struktur zu verbessern. bis dahin bitte mit dem inhaltsverzeichnis (seite „index filme“) begnügen. dort finden sich auch zwei andere „Complete Experiences – zu Dirty Harry und den Watchmen

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