The Complete James Bond Experience (Part 11)

< History Repeating

Der Endspurt beginnt – noch vier Filme bis zum Jubiläumsbond „Skyfall“!
So langsam werd‘ ich etwas Bond-müde – irgendwie ist es doch immer wieder das gleiche – aber auf den neuen Craig freu ich mich trotzdem schon. Ein wirklich ’neuer‘ Bond funktioniert ja nach wie vor als Ereignis. Doch nun erstmal zurück ans Ende des Mileniums zum dritten Brosnan-Abenteuer…

The world is not enough / Die Welt ist nicht genug (1999)

Von der Handlung will ich gar nicht viel erzählen, bietet sie doch etwas, was man bei Bond in den 90ern bisher schmerzlich vermisste: Überraschungen! (Wäre ja auch peinlich gewesen, in dem Jahr in dem „The Matrix“ und „Fight Club“ das intelligente Action-Kino neu belebten zum 100. mal den Plot von „Man lebt nur zweimal“ aufzuwärmen!)

Natürlich gibt es die bewährten Standart-Situationen – aber diesmal nicht lustlos abgehakt, sondern spaßig variert. Gerade im ersten Drittel kommen  einige Szenen mit Gänsehaut-Faktor, wie die famose Vortitel-Sequenz oder Q’s Abschied. Brosnan spielt wesentlich ernster als bisher, was gut zur Handlung passt. Regisseur Michael Apted – mit Filmen wie „Gorillas im Nebel“ oder „Nell“ durchaus eine ungewöhnliche Wahl – punktet vor allem in den ruhigen Momenten, die das Gefühl aufbauen, dass die Gefahr dem MI6 und Bond so nahe kommt wie nie zuvor.

Etwas austauschbar wirken dagegen die Action-Szenen: Die Bootsjagd zum Auftakt setzt uneinholbar hohe Standarts, bei denen der Rest nicht mehr mithalten kann. Generell setzt sich der Trend der Brosnan-Bonds fort bei Action mehr auf Pyrotechnik und MG-Geballere als auf staunenswerte Fahrzeug- oder Personenstunts zu setzen. Trotzdem ein weit überdurchschnittlicher Bond!

WERTUNG: 2

Tragischste Anekdote: Dies ist der letzte Film mit Desmond Llewelyn („Q“) – der Mann der Bond in siebzehn Filmen beschworen hatte vorsichtig zu fahren starb mit 85 bei einem Frontalzusammenstoss in seinem Auto kurz nach dem Ende der Dreharbeiten.

Nach „Die Welt ist nicht genug“ verlies ich damals das Kino mit dem Gefühl ‚Jetzt sind sie auf dem richtigen Weg!‘.Ein etwas rauerer Brosnan, Themen wie Öl und Plutonium, sowie erneut exzellente Co-Darsteller schienen Bond die richtige Richtung ins neue Millenium zu weisen.

Und dann kam

Die another day / Stirb an einem anderen Tag (2002)

Auch dieser Bondfilm beginnt ungewöhnlich: Bond scheitert bei einem Auftrag, wird gefangenommen und über ein Jahr lang (!) inhaftiert und gequält während Madonna singt. Wieder daheim in England zeigt ihm M die kalte Schulter und kickt ihn aus dem Geheimdienst. Bärtig und wütend macht er sich auf einen Rachefeldzug.

Wow, mal ein ganz anderer Plot. „Die another day…“ ist von der Stimmung her sicher der düsterste der Brosnan-Bonds. Der Neuseeländische Regisseur Lee Tamahori („Once were warriors“) schafft eine Athmosphäre durchgehender Anspannung – in kristallklaren Bildern, die mehr an einen Anime oder ein Computerspiel (Final Fantasy / Metal Gear) erinnern, als an einen typischen Bond. Auch die Musik passt dazu: Von Madonnas ungewöhnlichem Titelsong bis hin zum Arnolds drittem Score, der Orchester, Beats und erstmals bombastische Chöre verbindet.

Die Kehrseite der Medallie ist eine totale Digitalisierung: Von der Kugel die im „GunBarrel“-Intro rumfliegt bis zum käsigen Showdown bei dem Bond Pixelwellen runtersurft sieht alles nach Computergrafik aus – und leider nach drittklassiger! Dazu kommt das die Geschichte mehr als a bissl konfus ist (Wozu braucht Graves noch mal den Satteliten? Um Minen und sein eigenes Hauptquartier hochzujagen? Hä?)

Wer also einen klassischen Spionage-Spaß wie beim Vorgänger erwartet wird bitter enttäuscht sein (so wie ich 2002) – wer sich dagegen über Science-Fiction-Trash mit billigen Effekten und guter Atmosphäre freut (so wie ich heute) der ist hier bestens aufgehoben. „Moonraker“ lässt grüßen!

WERTUNG: 2

Und damit endet auch schon die Ära Brosnan. Im Vergleich zu seinen vier Vorgängern, die sich alle klar profilierten (Connery: Cool. Lazenby: Skuril. Moore: Lustig. Dalton: Ernst) sind die 90er Bonds ein ziemlicher Kramladen. Brosnan bleibt sympathisch und bietet für jeden etwas – eine besondere eigene Note findet er nicht.

Typisch für seine vier Filme erscheinen mir (neben der Zunahme von Pyro- und Computereffekten) die umständlichen Versuche, Vergangenheit und Moderne auszubalancieren – gerade was Bonds Verhältnis zu Frauen angeht. Dazu kommt ein unangenehmer Talkshow-Aspekt: Immer wieder wird wortreich versucht Bonds Verhalten küchenpyschologisch zu deuten: Als „sexistisch“, „arrogant“ etc.

Das geht meiner Ansicht nach ins Leere: Bond ist kein Charakter, der analysiert werden könnte, sondern ein Archetyp, ein Held, ein Mythos. Und als solcher hat er eine Chance die Normalsterblichen verwehrt ist: Sobald ihn der Zeitgeist zu sehr piesackt verwandelt er sich und wird in neuer Gestalt wiedergeboren.

So wie jetzt.

> Spycraig!

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