The Complete James Bond Experience (Part 10)

<= Fire Retro Rockets!

1997 erschien zweifellos der beste Bond-Film der 90er! Eine brilliante Farce mit zündenden Gags, die den langjährigen Konflikt zwischen Retro-Macho-Charme und kühler Moderne perfekt auf den Punkt brachte. Blöd für die Bond-Serie, dass er nicht von ihnen kam, sondern von Mike Myers! „Austin Powers“ – Wer braucht bei solch einer Kopie noch das Original?

Aber selbst wenn EON in diesem Fall den besten Bond-Film seiner Geschichte produziert hätte, hätte er wohl kaum eine Chance gehabt: Denn zeitgleich mit dem Kinostart von 007 lies James Cameron seine „Titanic“ vom Stapel und versenkte damit alles andere um sich herum.

Umso spannender heute mal nachzusehen, ob der 18. Bond Film vielleicht doch einige versunke Schätze enthält – oder ob er getrost unter Wasser bleiben kann.

Vorhang auf für:

Tomorrow never dies / Der Morgen stirbt nie (1997)

Es fängt stark an: Die Vortitel-Sequenz auf einem russischen Schwarzmarkt und der wieder sehr traditionelle Vorspann schaffen es Standarts der Serie in moderner Optik zu präsentieren und Lust auf mehr zu machen.

Das trifft auch auf den Beginn der Story zu, der durchaus klassisch ist, aber mit einem neuen Twist aufwartet: Ein größenwahnsinniger Schurke kapert Cruise Missiles um England und China (statt wie gewohnt USA und Russland) in den Krieg zu treiben. Der Clou ist, dass unser Weltbeherrschungsspinner diesmal ein Medienmogul ist, der seine Macht aus der Manipulation von Informationen bezieht. Eine Idee die heute fast aktueller erscheint als vor 15 Jahren.

Bond verfolgt ihn nach Hamburg, was immer gut ist für heimlig-patriotische Gefühle. (Sogar in der englischen Version bestellt er seinen BMW auf Deutsch) Die Bayern haben inzwischen offensichtlich ihre Einstellung zu Autos und Agression geändert und lassen den Wagen jetzt ordentlich austeilen, was zu einer originellen Action-Szene im Parkhaus führt.

Auch sonst gibt es deutliche Verbesserungen gegenüber „Goldeneye“: Das pseudoernste Psycho-Gequatsche ist raus, Bond darf wieder offiziell Kind sein und kriegt zwar keine Bikinimädchen mehr, aber viel Technikkram zum spielen. Dabei wirkt es aus heutiger Sicht fast rührend wie hier Handys, GPS oder ein Navi als Zukunftstechnologie präsentiert werden.

Das macht in der ersten Hälfte durchaus Spaß, gerade weil sich die Spannung langsam aufbaut und noch unklar ist, was Bösewicht Carver (Jonathan Pryce , nervig piepsig synchronisiert) eigentlich mit dem Krieg bezweckt.

Doch als es dann in der zweiten Hälfte nach Vietnam geht nimmt der Sinn in dem Mase ab, in dem das Tempo zunimmt: Es scheint, als ginge es nur noch darum  möglichst viele Action-Standarts der Serie möglichst schnell abzuhaken: Flugzeug, Fallschirm, Tauchen, Prügeln, Motorrad, Helikopter, mehr Prügeln bis zur unvermeidlichen Sprengung des Schurken-Hauptquartiers am enttäuschend lieblos hingeklatschten Schluss.

Dazu kommt natürlich der Grundfehler der Story: Ein Pressemensch als Bösewicht? Sowas! Wo doch jeder weiss, dass wir Zeitungsleute die friedliebensten und nettesten Menschen der Welt sind! Ganz sicher!

So bleibt ein Bond-Film der in allem solides Mittelmaß bietet: Leidlich spannend und lustig, nie sonderlich nervig, aber auch nie übermäßig originell. Kein Wunder, dass ihm die Titanic davondampfte!

WERTUNG: 3

Schönste Anekdote vom Dreh: Im ursprünglichen Drehbuch sollte Carver den Krieg anzetteln, weil er über die Rückgabe Honkongs an Chinas verärgert war – doch Berater Henry Kissinger (!) riet davon ab: Falls wirklich etwas bei der Übergabe passieren sollte, wäre der Film gar nicht mehr lustig. Die Folge: Tägliche Drehbuchänderungen und genervte Schauspieler.

Zum Schluss noch eine persönliche Empfehlung: Wer einen RICHTIG guten Agentenfilm mit Jonathan Price als Schurke sehen will (zusammen mit den beiden anderen Ex-Bond-Bösewichtern Michael Lonsdale und Sean Bean) sollte sich John Frankenheimers stargespickten „Ronin“ von 1998 angucken. Da bekommt man alles was Bond kann – und mehr!

=> Millenium Bond

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