The Complete James Bond Experience (Part 9)

< No Bonding!

005 – Bond, next Generation: Pierce Brosnan

Eines der ungewöhnlichen Merkmale der Bond-Serie – und vielleicht auch ein Grund für ihre Langlebigkeit – ist, dass sie quasi in einem Familienbetrieb hergestellt wird. „EON-Productions“ wurde 1961 von Harry Saltzmann und Albert Broccoli gegründet und macht seitdem nichts anderes als Bondfilme – bis 1989 pausenlos. Viele Mitarbeiter waren von Anfang an dabei, so dass sich eine richtige Familie entwickeln konnte.

Das erinnert an die Arbeitsweise von Meisterregisseuren wie Clint Eastwood, Martin Scorcese oder David Cronenberg, die ja auch schon seit Jahrzehnten mit den gleichen Leuten arbeiten. Mit dem wichtigen Unterschied, dass sich die Bond-Familie eben nicht um eine Regie-Persönlichkeit dreht, sondern um den fiktiven Charakter Bond.

So gelang in der Pause nach „Licence“ ein scheinbar recht fliesender Generationenwechsel, bei dem Produzent Broccoli das Ruder an seine Tochter Barbara und Schwiegersohn Michael G. Wilson abgab und viele kreative Positionen mit jüngeren Leuten besetzt wurden, ohne das familiäre Gefühl der Serie zu zerstören.

Für den Zuschauer war natürlich der Wechsel des Hauptdarstellers die auffälligste Neuerung: Dalton hatte nach der langen Pause kein Interesse an einem Neuanfang und die Produzenten suchten wieder ein frsiches Gesicht.

Eine interessante Frage: Wen hättest Du zu Bond gemacht, wenn Du 1995 die Wahl gehabt hättest?
(P.S.: Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Bond-Darsteller nienienie US-Amerikaner sein dürfen!)
Mein Favorit wäre ganz klar: Jim Carrey! Die ersten paar Minuten von „Ace Ventura 2“ zeigten mir: Er hatte die Action drauf und wäre womöglich noch lustiger als Moore gewesen! Und er ist Kanadier!
Eine andere spannende Wahl wäre Shah Rukh Khan gewesen…

Aber Brosnan passt natürlich auch sehr gut! Der sympathisch wirkende Ire mit den markanten Zügen stand schon lange auf der Wunschliste von EON und hatte nun auch endlich Zeit für die Rolle. Die Zeichen standen also gut für die Wiedergeburt von James Bond in

Goldeneye (1995)

Als eine Schurkenorganisation den Killersatelitten „Goldeneye“ kapert greift James Bond ein…

Moment mal! Schurken kapern irgendwas? War das nicht der Standard-Bond-Plot der 60er und 70er? Auch in anderer Hinsicht gibt sich „Goldeneye“ als hätte es die Dalton-Bonds und die späten Moores mit ihren verzwickteren Storys und ihren „erwachseneren“ Beziehungen nie gegeben: Bond ist wieder ein lockerer Hallodri mit der Lizenz zu schlechten Kalauern.

Was ja nicht schlecht wäre, doch der dadurch wohl angepeilte naive Retro-Charme mag sich nie einstellen, da auf der anderen Seite eine neue Pseudo-Ernsthaftigkeit Einzug hält, die sich in dauerndem Geschwafel Luft macht. Ein Tiefpunkt ist hierbei die Szene am Strand, bei der Bond Fragen zu seiner Persönlichkeit beantworten muss:
„Warum musst du immer töten, James?“
„Warum bist Du immer hinter den Frauen her?“
„Warum machst Du immer Autos kaputt?“
„Wir müssen reden, James!“
Nein. Müssen wir nicht.

Außerdem macht er gar nicht immer Autos kaputt! Sein BMW-Kabrio kommt hier ohne Kratzer davon – weil sich die Bayern vertraglich ausbedungen hatten, dass ihr Auto weder zerstört werden noch „Aggression von ihm ausgehen“ sollte. Also fährt er hundert Meter damit und steigt dann in ein Flugzeug um. Noch so ein Tiefpunkt!

Das dritte Lowlight ist Famke Janssen Fremdschähm-Auftritt als dauerstöhnende Killerin Xena Onatopp – – so trashig war Bond seit den Zeiten von „Bambi & Klopfer“ in „Diamantenfieber“ nicht mehr – und die waren nur eine Nebenrolle.

Sehr mau ist auch der Score von Eric Serra, dessen düster-brütender Klang so gar nicht zum (nur selten auftauchenden) Bond-Thema passt. Absolut gelungen ist dagegen der Titelsong von Tina Turner und U2, der sich perfekt in die Tradition der funkigen Bond-Themen einreiht.

Auch die Panzerfahrt durch St. Petersburg überzeugt. Ebenso die gute Besetzung: Bean, John und natürlich Judy Dench als M. Und Brosnan? Der steht die ganze Zeit nett lächeld daneben und wirkt wie einer der erst mal schaut, wie sich das ganze entwickelt.

Insgesamt ein Film, der sich ständig schmerzhaft anmerken lässt, wie schwer ihm der typische Bond-Spagat zwischen Tradition und Modernisierung diesmal fällt.

WERTUNG: 4

Schönste Anekdote vom Dreh: Das mit dem BMW hab ich ja oben schon verbraten. Aber ich mag auch Timothy Daltons Antwort darauf ob er es angesichts des Erfolges von „Goldeneye“ bereue die Rolle abgegeben zu haben: „Als ich die Poster mit Pierce sah wurde mir klar: Ich muss nicht mehr mit einer Pistole neben meinem Kopf rumstehen! Ich fühlte mich wieder wie ich selbst. Ich fühlte mich frei!“

=> Die nächste Seite stirbt nie

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