The Complete Bond Experience (Part oo7)

< You want Moore?

The living daylights / Der Hauch des Todes (1987)

Der Film war für mich eine freudige Überraschung: In den 80ern fand ich ihn doof, weil der neue Bond gar nicht mehr so lustig war wie Moore – aber wenn man zugesteht, dass er genau das sein wollte kommt hier ein richtig guter Agentenfilm heraus: Nach einem flotten Auftakt auf Gibraltar soll Bond einen Ostblock-Dissidenten über Bratislava nach Wien eskortieren. Dabei bekommt er es mit der blonden Cellistin / Scharfschützin Kara und dem Kumpel von Indi als russischem General zu tun. Ein Katz und Maus Spiel beginnt, wobei  nicht von Anfang an klar ist wer die Guten und wer die Bösen sind.

Dalton – meist in scharz und Lederjacke – spielt Bond mit grimmiger Entschlossenheit und Intensität, aber ohne überflüssige Psychologisierung. Dazu kommt die (für Bond-Verhältnisse) recht ernsthafte und komplexe Handlung und der (ebenfalls für Bondverhältnisse) ungewöhnlich seriöse Verlauf seiner monogamen Beziehung zum Bondgirl Kara. Neu ist auch, dass erstmals auch Orte vorkommen, die eher schäbig aussehen und dass der Bezug zum damaligen Zeitgeschehen – Aufbruch des Ostblocks / Afghanistan – größer ist denn je.. Auf der anderen Seite gibt’s saftige Action, Gags und Gadgets wie gehabt (das Drehbuch war mit Moore als Darsteller begonnen worden), so dass insgesamt eine runde, bunte Mischung entsteht.

Geschmälert wird der Spaß nur durch das total wirre Finale in Afghanistan (Wer handelt jetzt mit was? Warum fährt Bond weg während die Enschlacht tobt? Noch dazu in einem Flugzeug mit Bombe?). Davon abgesehen ein starker Auftakt für einen gelungen modernisierten Bond.

WERTUNG: 2

Schönste Anekdote vom Dreh:  Beim obligatorischen Besuch im Labor präsentiert Q einen raketenfeuernden Ghettoblaster. Die Ehre, diesen Effekt per Fernzünder auszulösen bekam ein prominenter Besucher des Drehorts: Prince Charles.

War „Living Daylights“ also noch ein unterhaltsamer Bastard aus dem klamaukigen Charme der Moore-Ära und der neuen Ernsthaftigkeit, war jetzt Schluss mit Lustig:

Licence to Kill / Lizenz zum töten (1989)

sollte zeigen wo Dalton und die Macher hinwollten:

Als sein guter Freund Felix Leiter und dessen Braut in ihrer Hochzeitsnacht Opfer eines Anschlags des fiesen Drogendealers Sanchez werden schmeißt Bond seinen Geheimdienst-Job hin und begibt sich auf einen tödlichen Rachefeldzug…

Mein Problem mit diesem Film lässt sich in sechs Worten zusammenfassen: Who the fuck is Felix Leiter?

Klar, der Typ war schon ca. 8 mal vorgekommen – aber dabei von sieben verschiedenen Schauspielern dargestellt worden und hatte dabei sogar schon die Hautfarbe gewechselt. (Eine Übersicht über die ganzen Felixe findet man hier ) Doch egal wie er auch aussah – nie schien er ein besonders guter Freund von James zu sein oder auch nur ansatzweise sympathisch. Bedenkt man außerdem, dass in praktisch jedem Bond-Film irgendein Kontaktmann oder Mädel aus 007s Bekanntschaft stirbt (von denen viele wesentlich netter wirkten als Leiter!) scheint es noch unwahrscheinlicher, dass Bond wegen ihm so ausflippt.

Hätten die Macher etwas mehr Mut bewiesen und Sanchez eine Person angreifen lassen, die auch dem Zuschauer etwas bedeutet (Q!) – ich hätte Bonds Ärger und Rachedurst geteilt und wäre denn ganzen Weg mit ihm gegangen – so sehe ich ihm  einfach nur zu und bin gefühlsmäßig nicht dabei.

Wegen dieses Kardinalfehlers der Story, habe ich dann auch Zeit mich über andere Ungereimtheiten zu ärgern (Warum nimmt Bond für seine Rache nicht Urlaub? Wie einst in „Im Geheimdienst“… oder wie Q in diesem Film hier? Oder Warum stattet das Drehbuch Bond zehn Minuten nach seinem Rausschmiss  schon wieder mit unbegrenzten Finanzmöglichkeiten und Gadgets aus? Wäre es nicht spannender zu sehen, wie er quasi „nackt“ zurecktkommt? Warum schmeissen sie den Humor raus, wenn sie keinen adäquaten Ersatz (aka charakterliche Tiefe) haben?)

Doch  genug genörgelt: Es gibt auch einiges was an „Licence to kill“ sehr gut funktioniert: Robert Davi als Franz Sanchez ist einer der unheimlichsten Bond-Schurken, gerade weil er kein Fantasy-Bösewicht mit sieben Brustwarzen ist, sondern ein ‚ganz normaler‘ Drogendealer, wie man sich ihn auch sehr gut in echt vorstellen kann. Und Carey Lowell als Pam Bouvier ist das bei weitem emanzipierteste Bond-Girl bisher, dass nicht nur mit größeren Knarren rumfuchtelt als der Held, sondern ihm auch in den Dialogen Paroli bietet.  Und Michael Kamen liefert mit seinem ersten Bond-Score ein sehr überzeugendes musikalisches Feuerwerk ab, das den alten John-Barry-Scores in nichts nachsteht und sogar noch eine Schippe nervöser Elektrizität drauflegt.

Im Schnitt bleibt „Licence to kill“ für mich ein, trotz guter Momente,  nicht besonders überzeugender Rache-Film, der über weite Strecken ins Leere läuft und zudem für die Serie ungewöhnlich (und unnötig) brutal ist.

WERTUNG: 3

Schönste Anekdote: Ursprünglich sollte der Film „Licence Revoked“ (Lizenz entzogen) heissen – man nahm aber davon Abstand, weil das in den USA die Bezeichnung für den Entzug des Führerscheins ist.
Fazit: Auch wenn „Licence to kill“ mich nicht überzeugen konnte, so würde ich die Dalton Filme heute nicht mehr komplett in die Tonne treten. Er ist ein guter Darsteller, dem ich gerne zugeguckt habe und wenn man ihm (so wie Moore seinerzeit) einfach noch ein bis zwei Filme Zeit gegeben hätte, seine Linie zu entwickeln hätte dieser „ernste“ Bond durchaus eine runde und aufregende Sache werden können.

Doch wie wir wissen kam es anders: Mehrere Todes- und Krankheitsfälle im Team, schwache Einnahmen in den USA und ein Rechtsstreit mit United Artists verzögerten die Produktion des dritten Dalton-Bonds und als die Räder wieder rollten hatte sich die Welt verändert: Es war eine Welt ohne Ost-West-Konflikt geworden. Eine Welt ohne kalten Krieg.

> Eine Welt ohne Bond!

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