Konstantin Wecker in der Kofferfabrik

Konstantin Wecker ist doch immer für eine Überraschung gut: Gestern gab er ein geheimes Konzert in der Kofferfabrik – und engagierte sich dort für die GEMA.

Auf den ersten Blick klingt es wie ein Aprilscherz: Konstantin Wecker spielt in der Kofferfabrik! Und dann auch noch zu Gunsten der GEMA. Ist die GEMA nicht böse? Wecker meint nein: „Es ist unsere Interessensvertretung: Von und für uns Musiker. Ohne die GEMA würde ich vom Staat 200 Euro Rente bekommen und hätte keine Alterssicherung. Es braucht eine Institution wie die GEMA um die Urheberrechte von uns Musikern zu verteidigen.“

Eine Haltung mit der er – mal wieder! – gegen den Strom schwimmt und für die er schon heftig Schläge einstecken musste: „In all den Jahren in denen ich mich gegen etwas engagiert habe bin ich noch nie so beschimpft worden, wie jetzt, wo ich mich einmal für etwas einsetze!“

Freilich ist auch Wecker klar, dass die GEMA reformbedürftig ist: „Die Tarife müssen gerechter und vernünftiger werden. Der Verteilungsschlüssel muss unbekannteren Künstlern mehr zukommen lassen als uns Arrivierten. Aber all das bedeutet doch nicht, dass die GEMA abgeschafft werden soll! Ich bin ja auch mit der Bundesregierung nicht einverstanden – und trete trotzdem nicht aus Deutschland aus.“

Beim Konzert blieb das (glücklicherweise) außen vor. Hier drehte sich alles um die Musik und um Weckers Reise zurück zu den Anfängen: „Ich hab im Nürnberger ‚Zündholz‘ vor sechs Leuten gespielt und jahrelang ging mein Publikum nicht über zwanzig Personen hinaus“, erinnert er sich. „Deshalb fühle ich mich auf kleinen Bühnen nach wie vor sehr wohl. Nur einen Flügel vermisse ich.“ Aber auch aus ihren Keyboards holen Wecker und sein „musikalischer Lebensgefährte“ Jo Barnikel alles heraus was die Anschlagsdynamik hergibt: Von der zarten Ballade, über die gehämmerten Protestsongs bis zum finalen Improvisationsduell, das die beiden Pianisten von Hänschen Klein über Tschaikowski bis zu Wecker zurück führt. Dazwischen liest Wecker aus seinen Kindheits- und Jugenderinnerungen: „Mein Vater war Opernsänger und weckte meine Liebe zur Musik: Ich sang alle Frauenrollen der italienischen Opernduette!“

Ein sehr familiärer, stimmungsvoller Abend, der zumindest mich dazu brachte, nochmal über die GEMA und meine eigenen Vorurteile nachzudenken…

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Ein Kommentar zu „Konstantin Wecker in der Kofferfabrik

  1. Och Pet, willst du jetzt wirklich eine GEMA-Diskussion hier lostreten? Wobei ich glaube, dass die meisten irgendwie schon grundsätzlich ähnlich denken wie Herr Wecker: Die Idee einer Verwertungsgesellschaft wie der GEMA ist ja in Ordnung – aber gerechter muss es eben werden. Ein Standpunkt den im Prinzip viele GEMA-Kritiker vertreten. Weil, wenn man faire Preise hat und die eingenommene Kohle auch etwas fairer verteilt würde, würde auch kein Veranstalter, Musiker, Clubbetreiber jammern.
    Also schwimmt der Herr Wecker vielleicht garnicht so gegen den Strom – was jedoch in Zeiten von plakativen Äußerungen dann leider doch etwas untergeht.

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