The Complete James Bond Experience (Part 6)

< In einem Jahr mit zwei Bonden

Ein bischen melancholisch darf man schon werden, wenn Roger Moore in

Im Angesicht des Todes / A view to a kill (1985)

seinen letzten Auftritt als Bond hinlegt. Der 57-jährige sieht inzwischen fast aus wie Mel Gibson, zumindest oberhalb der berühmten Augenbrauen, mit denen er Bond zum ironischen Leben erweckte. Für seine letzte Mission sucht er den Ursprung eines geheimnisvollen Super-Chips, den die Russen entwendet haben.

Auf der Haben-Seite gibt’s hier wieder tolle Stunts (mit dem Feuerwehrauto durch San Francisco, mit dem zersägten Auto durch Paris, mit den Skiern 90 Grad den Berg runter) skurile Bauten (ein Stall in einem Schloss, ein Restaurant im Eifelturm), einen fetzigen Titelsong, der Bond wirklich in die 80er katapultiert und – nachdem ja schon zwei seiner Assistentinnen erfolgreich bei Bond mitgemischt hatten – endlich einen witzigen Gastauftritt von John Steed / Patrick Macnee – dessen Figur aber bald das Schicksal so vieler Bond-Verbindungsmänner ereilt.

Ansonsten wirkt der Film aber düsterer als die Vorgänger: Da wird an Pferden rumoperiert, der Schurke mäht reihenweise unschuldige mit der MP nieder und das Duo Walken / Jones ist von sich aus schon unheimlich. Dazu kommen Szenen die irgendwie schlechtweg sinnlos sind, wie das Pferderennen, bei dem Zorin seine eigenen Handlanger mit verstellbaren Hürden (!) ausschaltet…

Ein bischen Schade, dass der lustigste aller Bond-Darsteller hier in seiner Ehrenrunde nicht noch mal richtig Comedy machen durfte – irgendwie hätte ich ihm (und auch Lois Maxwell, die hier zum letzten mal die Monneypenny gibt) einen großartigeren Abschied gewünscht. Dennoch ist natürlich auch der 14. offizielle Bond-Film eine durchaus sehenswerte Action-Show, die diesmal auch wieder einen richtig kniffligen „Fall“ für Bond bietet, der sich erst im Laufe des Films klärt.

Moore mochte den Film übrigens am wenigsten von seinen sieben. Er war ihm zu brutal.

WERTUNG: 3

Schönste Anekdote: David Bowie lehnte die Rolle des Schurken Zorin mit der Begründung ab: „Ich will nicht fünf Monate lang rumstehen, während um mich herum Stuntmen von Klippen fallen.“

Also zücke ich das Taschentuch und entlasse meinen Kindheitsbond in den Unruhestand als Unicef-Botschafter! Danke Roger, dass Du Bond nie ernst genommen hast! Da kam viel Spaß bei rum!

004 – Bond goes Shakespeare: Timothy Dalton

Schon spätestens seit „Octopussy“ lief hinter den Kulissen die Suche nach einem Moore-Nachfolger wieder auf Hochtouren, da das Alter des Amtsinhabers ebenso stetig zunahm wie seine Gagenforderungen. Wer unter den vielen Kandidaten (darunter ein gewisser Pierce Brosnan) hatte das Zeug zum Helden?

Anders als bei Connerys Abgang Ende der 60er konnte die Bond-Serie jetzt allerdings etwas entspannter nach ihrem Gesicht suchen: Sie war nicht mehr der Mittelpunkt der Action-Welt, sondern ein Randschauplatz, eine traditionsreiche Institution, die mit schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre ihre inzwischen wohlbekannte Mischung aus Stunts, Girls, Reiseimpressionen und Ironie ablieferte.

Inzwischen hatten längst jüngere (teils deutlich von Bond inspirierte) Helden den Platz in der Mitte eingenommen: Harrison Ford war zweimal „Indiana Jones“ und dreimal „Han Solo“ gewesen, Sylvester Stallone 4x „Rocky“ und 2x „Rambo“, Mel Gibson 2x „Mad Max“ und Arnold Schwarzenegger 2x „Conan“ und 1x „Terminator“. Bruce Willis stand mit „Die Hard“ in den Startlöchern. Alles Typen mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Bodybuilder und Handwerker von nebenan. Bond war keines von beiden. Doch was war er?

Am Ende der Ära Moore gaben die – sonst oft für ihre Vorhersehbarkeit gescholtenen – Produzenten bei EON darauf eine verblüffende Antwort: Sie präsentierten der Welt den Shakespeare-Darsteller Timothy Dalton, der ankündigte Bond endlich ernst zu nehmen und die Tiefe seines Charakters ausloten zu wollen.

Moment!

Bond? Charakter? Ernst?

Kann klappen. Muss aber nicht.

Man darf also durchaus gespannt sein auf

Die Dalton Filme >

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