Rückkehr nach „Twin Peaks“

Ach, was für ein netter kleiner Ort: Douglas-Tannen, Sägewerk, Great Northern Hotel, RR-Diner, verdammt guter Kaffee und eine Leiche – wrapped in plastic.

Twin Peaks wirkt weniger eine Serie und mehr wie ein richtiger Ort. Man kann sich gut vorstellen, dass es irgendwo da draußen existiert und seine Geheimnisse hütet. Vor einigen Jahren hatte ich in einer Wochenend-Aktion die erste Staffel angesehen, in der FBI-Agent Dale Cooper Twin Peaks betritt um den Mord an Laura Palmer aufzuklären – und nebenbei noch ganz andere Dinge zu erledigen.

Das Ende der ersten Staffel war – soviel kann gesagt werden, ohne viel zu spoilern – noch nicht das Ende des Falls Laura Palmer. Das gute Mädel hatte anscheinend 48 Stunden-Tage, bei denen zwei Jobs (Essen auf Rädern, Parfüm-Abteilung) noch das mindeste waren. Es gab noch viel aufzuklären…

Staffel zwei setzt hier nahtlos an. Wieder stimmt die Mischung aus vielschichtigen Charakteren, Geheimnis, Grusel und Humor – wobei das ganze sich etwas weiter ins Übersinnliche verschiebt.

Zumindest gilt das für die ersten beiden Drittel von Staffel zwei. Hier wird aufgelöst, wer Laura Palmer tötete (was ich im Gegensatz zu anderen gar nicht schlimm finde – langsam wurde es Zeit), aber gleich neue Geschichten und abgedrehte Entwicklungen nachgeschoben. (So taucht sogar David Lynch persönlich als schwerhöriger Chef Coopers auf – ein unerwartetes Comedy-Highlight).

Leider fällt das ganze im letzten Drittel dann sehr ab – die Verwicklungen wirken immer konstruierter, die Machenschaften des neuen Schurken Windon Earle sehr unrealistisch und die Geschichten insgesamt sehr gedehnt. Dazu kommt, dass die Macher statt auf eine Auflösung hinzuarbeiten, offensichtlich mit neuen Wendungen Staffel 3 vorbereiten wollten – die es ja dann nie gegeben hat.

So hinterlässt vor allem die letzte Folge ein besonders schales  Gefühl. Sie wirkt (auch hier wieder um nicht zu spoilern wieder eher formal als inhaltlich beschrieben) wie ein typischer Lynch-Film: Düster, artsy-fartsy und unaufgelöst. Nix gegen Lynch – in einem seiner Kinofilme will man ja genau das – aber am Ende so vieler Stunden mit diesen Charakteren hätte man sich doch ein richtiges „Ende“ gewünscht. (Am besten man hört schon früher auf, etwa wenn Ben Horne den Sezessionskrieg neu entscheidet und zurückkehrt).

So bleibt eine spannende Begegnung mit einer bahnbrechenden Fernsehserie, die viele, viele ganz große Momente hat – die sich am Ende aber selber über den Kopf wuchs.

WERTUNG: 

A (Laura Palmer / Suspendierung – Storyline)

4 (Windom Earle / Zwei Hütten Storyline)

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Ein Kommentar zu „Rückkehr nach „Twin Peaks“

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