Kino: „Tomboy“

Rosa oder hellblau? Für die zehnjährige Laure (Zoé Héran) ist das keine Frage: Schon immer war sie der Junge in der Familie. Während ihre Schwester Jeanne (Malonn Lévana) im rosa Röckchen Ballett tanzt trägt Laure am liebsten kurze Haare, T-Shirt und Hosen, spielt gern Fußball und prügelt sich auch schon mal. Den Kindern in der neuen Nachbarschaft stellt sie sich dann auch gleich als „Michael“ vor. Doch dies scheint der letzte Sommer zu sein, in dem sie unbeschwert als Junge leben kann: Die Frage ist nicht, ob es jemand bemerkt, sondern wer, wann und wie. Immer wieder fällt Michaels Blick prüfend in den Spiegel. Oder er denkt an Lisa (Jeanne Disson), die ihn anscheinend mehr als nur sympathisch findet. Dazu kommt noch, dass seine Mutter ein drittes Kind erwartet – einen ‚echten‘ Jungen. Laure/Michael steht am Scheideweg…

Tomboy“, der zweite Spielfilm der Französin Céline Sciamma ist ein zartbitterer Film über das Erwachsenwerden, der nie psychologisieren, provozieren oder den pädagogischen Zeigefinger heben will. Statt dessen wird ganz aus der Sicht der Kinder erzählt, mit viel Mut zum Unausgesprochenem, sonnigen Improvisationen und großartigen Darstellern, die in jeder Minute glaubwürdig sind und die einem bald ans Herz wachsen. Gerade durch diese unaufgeregte Natürlichkeit lädt der Film die Zuschauer ein, über Geschlechterbilder und die Entwicklung von Kindern nachzudenken. Sehr sehenswert.

WERTUNG: 2

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s