The Complete James Bond Experience (Part 3)

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003 – The Roger Moore Years

So begann nach „Diamantenfieber“ wieder die Suche nach einem neuen Bond-Darsteller. Unter all den Kandidaten (darunter auch ein gewisser Timothy Dalton) einigte man sich schließlich auf Roger Moore, der als „Lord Brett Sinclair“ in „Die zwei“ schon bewiesen hatte, dass er wie kaum ein anderer den britischen Gentleman zu verkörpern verstand. Er stand (mindestens) vor zwei schwierigen Aufgaben: Wie konnte er aus dem Schatten von Sean Connery treten? Und konnte er sich in einer völlig veränderten Filmlandschaft behaupten? Immerhin hatten inzwischen harte Polizeifilme wie „French Connection“ und „Dirty Harry“ (beide von 1971) ein neues, rauheres Bild des Action-Helden gezeichnet, „Enter the Dragon“ (1973) Bruce Lee und Martial Arts einem Massenpublikum bekannt gemacht und „Shaft“ (1971) mit seinem toughen, schwarzen Helden die „Blaxploitation“ eingeleitet. War in diesem Umfeld noch Platz für den Agenten ihrer Majestät?

Diese Fragen beantwortete

Live and let die / Leben und sterben lassen (1973)

auf eigene Weise.

Bewusst lassen die Produzenten alte Markenzeichen wie „Bond, James Bond“, das Briefing bei M oder den Martini weg. Bond trinkt hier Bourbon Wishkey und bekommt seinen Auftrag zu Hause: Er soll den Tod mehrer Agenten in Amerika und der Karibik untersuchen – was ihn auf die Spur von Vodoo und Drogenschmuggel – und mitten ins filmische Reservoir der Blaxploitation führt.

Das Ergebnis ist recht durchwachsen. In einer früheren Besprechung hab ich es sogar mit einer Wertung von 4 abgewatscht. Vielleicht sollte ich aber jetzt auf drei hochgehen, damit ich nach unten hin Spielraum habe für

The man with the golden gun / Der Mann mit dem goldenen Colt (1974)

Der bisherige – und vielleicht absolute? – Tiefpunkt der Serie.
Dabei hätte es so schön sein können: Roger Moore im Duell gegen niemand geringeren als Dr. Fu Man Chu, Dracula, Saruman…. den unvergleichlichen Christopher Lee als den „Mann mit dem goldenen Colt“. Lee ist auch wieder super: Lässig, entspannt, sympathisch – selbst wenn er die blödsinnigste Origin-Story aller Zeiten absondern muss („Mein bester Freund war ein Elefant…“). Aber statt sich auf die beiden zu konzentrieren gurkt die Story irgendwo rum, suckt mit endlos nervigen Nebenfiguren wie dem wiedergekehrten Sheriff Pepper aus Live and Let Die und einer strohdoofen Blondine. Dazu kommt dass  Roger Moore noch deutlich auf der Suche nach einer eigenen Interpretation der Figur ist: Die Härte, mit der er hier spielt steht ihm gar nicht gut. Die Szene in der er einer Frau den Arm umdrehen muss spielte er sogar nur unter Protest. Von den sparigen Karate-Szenen ganz zu schweigen. Angesichts des Potentials der Geschichte und der Besetzung: Es ist zum heulen!

Was den Film, neben Lee, vor dem Totalabsturz rettet sind ein unglaublicher Autostunt, Scaramangas Fahrzeug, das ohrwurmige Titelthema und das britische Hauptquartier zur See – unter allen markanten Bauten der Serie sicher das…. schrägste. Insgesammt ist der Film aber viel zu lang. 45 Minuten hätten gereicht.

WERTUNG: 5

Trotzdem noch die:

Schönste Anekdote vom Dreh: Lee spielt hier einen Mann mit drei Brustwarzen. Er dachte zuerst, dies wäre eine besonders fantasievolle Drehbuchidee – bekam dann aber viel positive Rückmeldung von Leuten mit mehreren Brustwarzen – die sich freuten das er hier „einen von ihnen“ verkörperte.

(P.S.: Die meisten dieser coolen Anekdoten stammen aus dem exzellent recherhierten Buch „James Bond Top Secrets“ von Siegfried Tesche – dem ich an dieser Stelle mal ausdrücklich danken möchte für diese wahre Fundgrube von unnützem Bond-Wissen!)

Nach dem Schnellschuss aus dem goldenen Colt lies man sich etwas Zeit für das nächste Abenteuer, was unter anderem daran liegen könnte, dass man vor einem neuen Problem stand: Alle halbwegs verfilmbaren Bond-Romane seines verstorbenen Erfinders Ian Flemming waren verwendet worden – übrig blieben ein paar Kurzgeschichten und skurile Nebenwerke. So auch „The Spy who loved me“ – eine Geschichte, die aus der Sicht einer Frau erzählt wird und in der Bond nur am Rande vorkommt. Flemming selbst fand sie so mies, dass er in seinem Testament vermerkte, der Inhalt dürfe nie verfilmt werden. Einzig den Titel durfte man verwenden. So entstand

The Spy who loved me / Der Spion, der mich liebte (1977)

Es beginnt mit einem flotten Prolog inklusive eines fantastischen Ski-Stunts und führt Bond über Ägypten und Sardinien auf die Jagd nach verschwundenen U-Booten.

Witzig: Ein Bond-Film, den ich noch gar nicht kannte – und bei dem mir doch fast alles schon mal gesehen habe. Die Geschichte ist nämlich fast die gleiche wie bei „Man lebt nur zweimal“, nur dass hier statt Raumschiffen (cool!) U-Boote (gähn!) geklaut werden. Neu ist, dass Bond hier eine Partnerin des KGB an die Seite bekommt, die gleichzeitig wohl auch eine gefährliche Gegenspielerin sein soll, aber von Barbara Bach derart harmlos verkörpert wird, dass kein Zweifel besteht, wie sie enden wird: Als Bikini-Mädel in Bonds Armen. Der wird von Moore jetzt deutlich sympathischer gespielt – aber leider auch mit einer unendlichen Folge (zumindest im deutschen) mauer Kalauer. Auch der von Curt Jürgens sonor verkörperte Bösewicht ist nach dem aktiven & agilen Scaramanga ein Rückschritt: Ein weiterer knöpfchendrückender Technokrat, der rumsitzt, bis Bond ihm sein Hauptquartier unterm Hintern wegsprengt.

Trotzdem im Gegensatz zum chaotischen Vorgänger ein Film aus einem Guss, der zumindest für Fans von Unterwasserkram einen Blick wert ist, auch wenn er an mir recht vorbeiging.

Schönste Anekdote vom Dreh: Nach der Premiere beschwerten sich Umweltschützer darüber, dass im Film ein rießiger Öltanker gesprengt wird. Die Modellbau-Abteilung nahm das als großes Lob für ihre Arbeit.

WERTUNG: 3

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