Film: The Complete Dirty Harry Experience

Oh du besinnliche Osterzeit.

Dieses Jahr wird es besonders besinnlich… mit Clint Eastwood in seiner Paraderolle als Harry Callahan! Fünf Filme an fünf Abenden! Also los geht’s!

Dirty Harry (1971)

Der irre Scharfschütze Scorpio erpresst die Stadt San Francisco: Wenn ihm nicht genügend Geld gebracht wird, wird er jeden Tag wahllos einen Menschen erschießen. Die Polizei setzt Harry Callahan auf den Fall an – einen Inspektor der ohnehin seine ganz eigenen, zynischen Methoden hat und tief gefrustet ist von all den Verbrechen um ihn herum.

Es entspinnt sich ein spannendes Katz und Maus Spiel zwischen Harry und Scorpio – inszeniert als bestes 70er Action-Kino: Schnörkellos, geradlinig, blutig-derb mit cooler Musik von Lalo Schifrin, coolen Sprüchen und viel Mut zur Dunkelheit auf der Leinwand. Wer wissen will wo GTA und „Sledge Hammer“ ihre Ideen haben oder einfach nur gute, harte Cop-Thriller a la „French Connection“ mag, sollte hier reingucken.

Seinerzeit sah man den Film vor allem als Beitrag (oder Auslöser) einer Diskussion um Selbstjustiz. Dabei ist es kein typischer tumber Rache-Film (wo am Anfang die Familie von jemand getötet wird, damit er sich anderthalb Stunden ohne Gewissensbisse rächen kann). Vielmehr wirkt es wie eine Auseinandersetzung mit dem Druck, der auf den Polzisiten lastet, die sich mit besonders kranken Verbrechen befassen müssen, bis sie selber krank oder kriminell werden – nicht ohne Grund ist er den Gefallenen des SFPD gewidmet.

Auch heute noch wert anzuschauen.

WERTUNG: 1

Magnum Force (1973)

Neuer Ärger in San Francisco: Ein als Cop verkleideter Killer beginnt systematisch Gangster umzulegen. Oder ist es wirklich ein Cop? Vielleicht ein alter, der mit der neuen Zeit nicht klar kommt? Oder ein junger, der mit den Resten der alten nicht klar kommt? Jedenfalls: Harry Callahan kommt zurück zur Mordkomission um den Fall aufzuklären…

Offensichtlich reagierten die Filmemacher auf den Vorwurf, der erste Teil verherrliche die Selbstjustiz, indem sie Harry nun als wahren Ordnungshüter gegen Mörder in Uniform antreten lassen. So ist sein Charakter diesmal auch weitaus freundlicher gezeichnet: Er hat Beziehungen zu Frauen und ist ausnahmsweise sogar mal nett zu seinem Partner.

Die Spannung taugt und die Action-Szenen profitieren vom gestiegenen Budget – es gibt Verfolgungsjagden, wilde Schießereien und sogar eine Flugzeug-Entführung. Damit bewegt sich der Film allerdings weg von der schnörkellosen Geradheit des erstenTeils hin zu einer mehr Bond-artigen Nummernrevue. Etwas konventioneller als der erste, aber immer noch sehr sehenswert.

WERTUNG: 2

The Enforcer (1976)

Wieder Ärger in San Francisco: Eine „revolutionäre Volksarmee“ hat eine Ladung Waffen, darunter Einweg-Panzerfäuste, gestohlen und droht damit irgendwas in die Luft zu jagen. Ein Auftrag für Harry, doch diesmal nicht allein: Um das PD zu modernisieren will der neue Leiter alte „Neandertaler und Westernhelden“ wie Harry langsam einmotten und statt dessen junge, ernsthafte Frauen einstellen. Eine solche bekommt Harry zur Seite..

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Es scheint als hätten die ersten beiden Filme alles gesagt, was man ernsthaft über die Psychologie und Moral eines Harry Callahan und seines Umfelds sagen kann. Insofern ist es sehr konsequent, dass der dritte Teil nun deutlich in Richtung Komödie geht.  Harry ist nicht mehr tragisch sondern ein crumpy old man, der sich mit der neuen Partnerin lustige Scharmützel liefert und mit einer Panzerfaust wirklich die most powerful handgun in the world in die Hand bekommt. Das macht Spaß und ist nach der düsteren Ernstheit des zweiten Teils recht erholsam – aber auch ein weiterer Schritt weg von der Besonderheit des Originals hin zur gefühlt 3000. Variante des lustigen Cop-Buddy-Movies.

WERTUNG: 3

Sudden Impact (1983)

San Francisco, wir wissen es, hat ein Problem: Harry Callahan. Überall wo er auftaucht gibt es Schießereien, Tote oder wenigstens Sachschaden. „You’re a living, walking combat-zone“ sagt ein Vorgesetzter. Also wird er unter dem Vorwand einen Mord zu untersuchen weit weg geschickt – in die kleine Küstenstadt aus der das Opfer kam. Und hier trifft er jemanden, der wie ein Spiegelbild seiner selbst ist, bevor er zum Klischee wurde: Eine Frau in welcher der Hunger nach Gerechtigkeit brennt – so sehr, dass sie bereit ist über Leichen zu gehen.

Wow! Nicht schlecht, wie hier zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Auf der einen Seite gibt es die witzige überdrehte Action, zu der sich die Serie bisher entwickelt hatte – auf der anderen Seite kommt mit der mordenden Malerin (deren Motive wir erst nach und nach kennenlernen) eine Ernsthaftigkeit zurück, wie sie aus dem ersten und zweiten Teil bekannt war. Eine schöne, sehenswerte Gradwanderung mit einigen Gänsehaut-Momenten. Oder um es mit Harry zu sagen: „Swell!“

WERTUNG: 1
The Dead Pool (1988)

Nach 20 Minuten bin ich eingeschlafen. Ultra trashig.

Mehr, wenn ich ihn gesehen habe. Bis dahin ein vorläufiges..

FAZIT

Im Gegensatz zur James-Bond-Reihe, in der jedes Abenteuer stark formelhaft ist und beinahe gleich abläuft sind die ersten vier DH-Filme sehr unterschiedlich, aber jeder auf seine Art sehenswert. Oft fühlte ich mich an Rohrschach (Watchmen) erinnert oder auch an den Taxi Driver, in der Art, wie Harry stur seine ganz eigene Art von Gerechtigkeit verfolgt. Im Gegensatz zum Dauergewinner Bond – dem Typ, der so ist wie Männer sein wollen – ist Harry der Typ, wie den Männer sich fühlen: ein Mann voll Frustration und Wut und (obwohl er zahlreiche Gegner über den Jordan schickt) letztlich doch ein Verlierer: So schnell wie Kleinkriminalität und menschliche Grausamkeit nachwachsen kann auch die Magnum nicht schiessen. Das schöne und beruhigende an dem Charakter ist aber nicht nur, dass er seine Wut einfach so ausleben darf – sondern damit die Welt zumindest für einen Moment und für ein paar Leute ein bischen besser macht.

Insofern ist es verständlich, dass die Fans immer noch auf eine weitere Fortsetzung – am besten endlos – pochen. Und genauso verständlich ist es warum Eastwood, dessen Auseinandersetzung mit Gewalt während seiner Regiekarriere längst weit differenzierter geworden ist, sich freut, wenn Harry Callahan in Frieden ruhen kann. Amen.

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