Film „Bad o meh – Wind und Nebel“

Wie macht man einen Film über die traumatischen Folgen eines Krieges – in einem Land, in dem Kritik am Krieg verboten ist? Der iranische Regisseur Mohammad Ali Talebi versucht es mit einem Film aus Kinderperspektive mit märchenhaften und symbolischen Momenten.

„Mutter ist weg und jetzt gehst du auch“, weint die kleine Shouka (Masume Shakori) unter ihrer Decke, als der Vater sie im kleinen Bergdorf des Großvaters zurücklässt. „Nur in der Stadt kann ich etwas verdienen“, erwidert der Vater – und fügt hinzu: „Du musst jetzt an meine Stelle treten.“
Eine große Herausforderung für das Mädchen, vor allem, weil sie auch noch auf ihren kleinen Bruder Sahand (Payam Eris) aufpassen muss, der nie spricht und in der Schule deswegen gehänselt wird. Den Grund für Sahands extreme Zurückgezogenheit erfahren wir vorerst nicht. Erst als der Junge einer weißen Wildgans begegnet, die sich mit blutig geschossenem Flügel vor einem Jäger versteckt, brechen seine Erinnerungen auf: An die Zeit als er mit den Eltern bei den Öhlbohrfeldern in der Wüste lebte, an den Beginn des Krieges und an das was dort mit seiner geliebten Mutter geschah…


„Bad o meh – Wind und Nebel“ ist ein mutigerer Film als es zuerst den Anschein hat. Denn das Krieg vor allem Leid erzeugt, gilt in Deutschland als tragische Gewissheit. Im Iran dagegen wird der erste Golfkrieg von 1980 noch heute offiziell als „Heilige Verteidigung“ gefeiert. Kritik ist nicht geduldet. Es gibt nur „Märtyrer“ – keine Opfer.
So musste der erfahrene Regisseur  Mohammad Ali Talebi einen märchenhaften Erzählton und symbolische Bilder verwenden um seinen Blick auf die generationsübergreifenden Folgen des Krieges an der iranischen Zensur vorbeizuschmuggeln und im Land drehen zu können: „Es hat mich immer geärgert, dass es kaum Filme über die wahren Opfer des Krieges gibt“, sagt Talebi. „Jene Teile der Gesellschaft, die wenig Einfluss und keine Macht haben: Die Frauen und die Kinder.“ Auf der Berlinale lief der Film mit Erfolg in der „Generation“-Reihe für Erwachsene und Kinder. Im Iran wurde er bisher noch nicht gezeigt.

Wertung: 3

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