Kino: „Atmen“

Der 19-jährige Roman (Thomas Schubert) ist ein stiller, in sich gekehrter Junge, der seine Zeit in einem Wiener Jugendknast absitzt. Seine Chancen auf vorzeitige Haftentlassung stehen schlecht. Auf Drängen seines Bewährungshelfers nimmt Roman einen Job an – allerdings einen, der sein Einzelgängertum noch verstärken könnte: Er wird Leichentransporter bei einem Bestattungsunternehmen. Doch hier lernt Roman eine neue Welt kennen. Eine Arbeit, die irgendwo zwischen Müllkutscher und heiliger Handlung liegt und die ihn schließlich sogar auf eine ganz persönliche Reise schickt: Auf die Suche nach seiner Mutter…

Atmen“ überrascht als geschmackvoll inszenierter und angenehm ruhiger Film voll kleiner Gesten und kurzer, pointierter Dialoge. Fernab aufgeblasener Hollywood-Gefühle oder deutschem Betroffenheitskino erweckt der Film das Gefühl, echten Menschen in ihrem Leben zuzusehen. Man merkt, dass in dieser Produktion viel Herzblut steckt!

Und tatsächlich erfüllte sich Schauspieler Karl Markovics („Die Fälscher“) mit seiner ersten Arbeit als Autor und Regisseur den lang gehegten Traum „eine Geschichte zu erfinden und sie zum Leben zu bringen“.

Monatelang recherchierte er bei Bestattern, Jugendstrafanstalten und Bewährungshelfern um das jeweilige Milieu glaubwürdig auf die Leinwand zu bringen. Im Laienschauspieler Thomas Schubert fand er einen idealen Mittelpunkt für diese Geschichte.

Besonders gelungen ist auch die Kameraarbeit von Martin Gschlacht, der das breite Cinemascope-Format mit solch unaufdringlicher Meisterschaft handhabt, dass wir Zuschauer stets zwei Möglichkeiten haben: Distanziert ein schönes Bild zu betrachten oder mitten hineinzugehen in eine Geschichte, die gerade einfach so zu passieren scheint.

WERTUNG: 1

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