Kino: Melancholia

Der Trier, der Trier, den lob ich mir.

Mag der ulkige Däne auf Pressekonferenzen noch so überfordert sein – im Regiestuhl ist er nach wie vor eine Macht. Bei kaum einem anderen Filmemacher hat man so stark das Gefühl, dass hier wirklich einer seine Seele direkt auf die Leinwand überträgt.

Und was da alles rumort! In „Melancholia“ geht es um nicht weniger als um einen neuen Planeten, der bisher hinter der Sonne versteckt (!) war und nun mit der Erde zu kollabieren droht. Doch erst mal verfolgen wir das  Hochzeitsfest von Justine (Kirsten Dunst), die sich alle Mühe gibt, die glückliche Braut zu mimen, während um sie herum die (soziale) Welt aus den Fugen gerät. Im zweiten Teil müssen sich die „Überlebenden“ der Hochzeit einer neuen Bedrohung stellen, als Melancholia immer näher kommt.

Der erste Teil wirkt (zumindest auf den ersten Blick) gar nicht so neu: „Das Fest“ lässt deutlich grüßen. Doch wie so oft gibt es bei Trier Falltüren die aus der (selbst schon altmodisch wirkenden) „Kritik an altmodischen, verkrusteten Gesellschaftsformen“ hinausführt – hinein in mythische Untiefen. Was, wenn Teil 1 und Teil 2 – das Fest und die Apokalypse, gar nicht zeitlich nacheinander kommen, sondern nur zwei Ansichten der selben Sache sind? Ist dieser Planet mit dem Namen eines Gefühls wirklich als solcher wahrzunehmen oder ist er Ausdruck einer Innerlichkeit, die bisher von der Sonne (dem Logos) zurückgehalten wurde? Sind da nicht deutliche Paralellen zur Gefühls/Logik-Thematik von „Antichrist“? Sind wir schon wieder mitten in einer neuen Trier Trilogie? Mögliche Titel: „Frauen und Männer“ oder „Sterne sind auch nur Menschen“?

Wie immer bei Trier ist es auch bei diesem Film nicht einfach – vielleicht sogar unmöglich – ihn eindeutig zu erklären. Stattdessen öffnet sich viel, viel Raum für eigene Gedanken und Interpretationen. Ziemlich eindeutig feststellen lässt sich aber, dass mir die Mischung aus Dogma-Handkamera und Ultra-Edel-Komponierten Bildern diesmal sehr gut gefallen hat und auch dass diesmal auf grobe Ekeleffekte verzichtet wird. Auch der Umgang mit den Perso nen scheint diesmal viel „netter“ als sonst – es menschelt auf angenehme Weise wie seit „Idioten“ nicht mehr. Aber lasst das mal nicht den Trier hören, sonst muss er aus Provokation wieder was extra-arrogantes Nachschieben.

Jedenfalls: Große Kunst!
Zu den Sternen!

WERTUNG: A

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