Comic: „From Hell“

FROM HELL, Alan Moore & Eddie Campbell, 1991 – 1998

London, 1888 – ein Killer tötet in London Prostituierte.  Während die Polizei im Dunkeln tappt sieht die Presse in ihm die Sensation des Jahres und verpasst ihm einen gruseligen Namen „Jack the Ripper“. Doch was in Wirklichkeit hinter den Morden steckt ist noch viel geiheimnisvoller und schauriger…

Puh, was für ein Brocken – ich brauchte drei Anläufe um über das erste Kapitel hinauszukommen. Moore und Campbell erzählen in „From Hell“ (anders als der auf dem Buch basierende Film) nämlich keine simple Mördersuche, sondern versuchen nichts geringeres als die „Autopsie eines Zeitalters“. Sie beschreiben die „Geburt des 20. Jahrhunderts“ als eine Verstrickung von Adel, Macht, Presse, Geheimbünden, Wissenschaft, Wahnsinn, hohen Gebäuden und niedersten Trieben. 600 schwarz-weiße, herb gezeichnete Seiten voller Personen, Ideen und Zeitsprünge, alles genau recherchiert und (man ist ja nicht bei Guttenberg!) in einem umfangreichen Anhang genau sortiert und erklärt, was Fiktion der Autoren ist und was „Fakt“. Dazu kommt ein zweiter Anhang, der die Rezeptionsgeschichte der Rippermorde erklärt.

Dies ist wirklich nicht einfach eine Erzählung, sondern tatsächlich ein Stück wissenschaftliche Arbeit.

Hat man es als Leser aber erst mal geschafft in diese Welt einzutauchen (das geht am besten mit dem Trick beim ersten Lesen nicht alles verstehen zu wollen und einfach zu gucken, was als nächstes passiert) ist „From Hell“ ein Wahnsinns-Erlebnis. Man erfährt unglaublich viel über Londons Architektur  (der Name Hawksmoor hat sich mir unauslöschlich eingebrannt), die Freimaurerei und das Leben Ende des 19. Jahrhunderts. Dazu gibt’s unglaublich überraschende Momente (die ich jetzt nicht spoilern werde) und  eine spannende Geschichte – und das obwohl der Täter schon früh (genaugenommen schon ab dem ersten Bild) bekannt ist.

(Deswegen ist es in diesem Fall auch ganz clever den Film zuerst zu sehen, damit der bis zum Schluss spannend ist. Außerdem hat man dann schon etwas hilfreiches Vorwissen)

Und beim zweiten Mal lesen sind die vielen Namen auch gar nicht mehr so schlimm.

Ein Buch, das die Einlesearbeit mehr als Wert ist – auch wenn für meinen Geschmack einiges (Kapitel 10) etwas zu eklig ist – aber hey -es ist ja ein Buch über Jack the Ripper!

WERTUNG: A

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