DVD: Watchmen – Review Teil III – Die Realverfilmung

Lange war es angekündigt: Hier nun der (wirklich) letzte Teil meiner Auseinandersetzung mit dem Watchmen-Comic (mehr Infos im ersten Teil hier): Dem Realfilm von Zack Snyder.

Ein dicker Brocken

Satte 215 Minuten dauert das Epos im „Ultimate Cut“ (der auch die ‚Black Freighter‘ Story) enthält. Dazu kommen 38 Minuten „Under the hood“, welche die Vorgeschichte erzählen. Also über vier Stunden „Watchmen“. Damit ist er etwas kürzer als der „Complete Motion Comic“ den ich im zweiten Teil vorgestellt habe – und der gar nicht so schlecht abgeschnitten hat.

„Under the hood“

Ist als Einleitung ganz nett, wenn auch etwas anstrengend: Im Stile von zwei (!) Fernsehsendungen aus zwei Dekaden wird die Vorgeschichte der Watchmen als Dokumentarfilm erzählt. Das bedeutet viele „Talkin‘ Heads“, ist aber löblich in dem Versuch, die Sache mal ganz anders anzugehen – mit den spezifischen Mitteln des Mediums Film zu spielen, so wie der Comic mit der Literatur spielt. Dennoch bleibt es freilich nicht mehr als ein Appetithappen für den eigentlichen

Augenschmauß

Watchmen-Zeichner Dave Gibbons liebt diese Verfilmung – und vom ersten Bild an merkt man, warum:  Sie ist so eng an den Bildern der Vorlage wie sie nur sein kann. Sogar die Zufalls-Muster auf Rohrschachs-Maske wurden peinlichst genau per Computer regeneriert. Auch die Schauspieler sind fein ausgesucht und sehen bis in die Nebenrollen aus wie im Buch. Würde es beim Film nur darum gehen, eine statische Geschichte auf bewegte Bilder durchzupausen könnte man diese „Watchmen“-Verfilmung durchaus als verdammt gut gelungen bezeichnen. Und tatsächlich: Zumindest ohne Ton läuft hier ein ganz ordentlicher Film. Doch da beginnen nauch schon die Probleme.

Ohrenqual

Das Sounddesign des Films ist IMHO eine Katastrophe: Jedes zweite Geräusch ist total überzogen und drängt sich unnötig in den Vordergrund (was besonders bei vielen Kampfgeräuschen total eklig ist) und die Musikauswahl ist an Einfallslosigkeit kaum zu überbieten: „Sounds of Silence“ auf dem Friedhof, in Vietnam gibt’s den Walkürenritt – was sonst? – und zur Sexszene Cohens „Hallelujah“. Ganz unironisch. Dafür nur noch peinlich. Dennoch geben die Musikszenen dem Film etwas, was ihm über weite Teile fehlt…

Rhythmus

Die Realverfilmung der Watchmen ist – besonders im Ultimate Cut – schlicht endlos. Es fehlt ihr sowohl am großen Spannungsbogen über die gesamte Lauflänge (was man an den sehr lieblos reingeklebten ‚Black Freighter‘-Szenen merkt, die in sich ganz stimmig und schön gesprochen sind), wie auch am Rhythmus in den Szenen. Gerade auf dem Mars hat man oft den Eindruck, dass die Schauspieler halt vor der Bluebox ihren Text runtersagen, während hinter ihnen die Trickmaschine arbeitet. Besonders im Uhrmacher-Kapitel vermisst man schmerzlich den eleganten Flow, den der Motion-Comic sehr makellos auf die Leinwand brachte. Schlimmer noch ist aber das etwas anderes fehlt…

Philosophie? Gewalt!

Der Watchmen-Comic ist eine Geschichte, die über Gewalt auf vielen, vielen Ebenen nachdenkt. Der Watchmen-Film ist ein Produkt, das Gewalt cool findet. Das bedeutet für die Story: Raus mit der Philosophie – rein mit Action. Sehr schön lässt sich das an der bereits beschriebenen Szene zeigen in der Veit und seine Sekretärin durch die Lobby gehen. In der Vorlage (und im Motion Comic) unterhalten sie sich dabei über den Totenkult der Ägypter. Dass diese den Tod für eine spirituelle Reise hielten. Die Sekretärin meint, dass sei für sie Humbug – und wird erschossen- Wohlgemerkt mit einem gezielten Schuss bevor Veit den Attentäter niederstreckt.

Im Zack Snyders Film sieht das so aus: Über Ägypten wird kein Wort geredet. Dafür feuert der Attentäter eine ganze Salve: Die Frau treffen mehrere Schüsse, die ihr das Bein und zwei Finger blutig zerschmettern. Ein anderer Herr wird blutig in den Kopf geschossen, erst dann greift Veit ein. Muss man noch mehr sagen?

Böses Ende, gute Ende

Unter diesem Gesichtspunkt kann ich total nachvollziehen, warum „Watchmen“-Autor Alan Moore von dieser Verfilmung gar nichts wissen will. Obwohl ich ihr (bei aller Abneigung) ein paar Pluspunkte zugestehen muss: Der Vorspann ist toll und den Schluss finde ich sogar gelungener als im Comic, da ich kein Fan des originalen Squid-ex-machina-Endes bin. Da wirkt die Lösung im Film viel glaubwürdiger und stringenter. Auch dass Rohrschach kurz vor Schluss noch mal einen Charaktermoment spendiert bekommt finde ich sehr schön. Insgesammt bleibt es aber bei folgendem

Fazit

Zack Snyders Realverfilmung trifft visuell auf den Punkt, verfehlt aber den Rhythmus und vor allem die ethische Einstellung der Vorlage völlig in dem sie das nachdenken über Gewalt durch Freude daran ersetzt. Ein paar schöne Einfälle und gelungen durchgepauste Momente können zudem nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ding einfach viel  zu lang ist.

WERTUNG: 4

Und das wars jetzt auch damit.

Für jetzt.

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