„Mundstuhl“ im Serenadenhof

Der erste Witz steht bereits auf der Eintrittskarte: „Mundstuhl- Bestuhlt – Freie Platzwahl“ – ob das so einladend ist? Für mich waren die Hessen bisher immer irgendwie als Komiker aus der zweiten Reihe abgespeichert – mal sehen, ob das sich an diesem Abend ändert.

Der wichtigste Mann des Abends kommt gleich zu Beginn auf die Bühne: Ein Roadie, welcher sorgfältig Zettel mit der Abfolge der Witze auf den Boden klebt.

Die haben Lars Niedereichholz und Ande Werner alias „Mundstuhl“ auch bitter nötig: „Wir haben übern Sommer nix getan – wir hätten echt mehr üben sollen“, verkünden die hessischen Komiker, als sie schon nach wenigen Minuten anfangen, die Reihenfolge ihrer Gags zu verwechseln: „Ich hab Sehnenscheidenentzündung“ „Nein, die hast Du erst in einer Stunde.“

Ist das echt oder nur gut gespielt? Egal! Den Fans machts jedenfalls Freude die beiden großen kleinen Jungs wiederzusehen, die schwer in den 90ern steckengeblieben sind: Günter Strack, Tina Turner und AC/DC sind Fixpunkte des Programms „Sonderschüler“, das sich vornehmlich um die Ärgernisse des Schulalltags dreht…

Moment! Schulalltag? Von 40-jährigen? „Mundstuhl“ machens mit Selbstironie: „Du bist garantiert älter als die anderen Schüler an deiner Schule!“ „Schüler? Ich bin sogar älter als die Lehrer!“

Für den Nicht-Fan ist diese Show im gut besuchten Serenadenhof ein durchaus gemischtes Vergnügen: Da gibt es gefühlt endlose Passagen in denen Lars und Ande unermüdlich das erschreckend weite Feld der latent ekligen Unterleibskomik beackern: „Ich lutsch den Löffel vom Fernsehkoch…“ gehört da noch zum subtilen Teil.

Dazwischen gibt’s aber immer wieder überraschend starke Pointen und wirklich furiose Wortgefechte. Etwa wenn die zwei sich ereifern, wer von ihnen der mutigere oder der ärmere (!) ist.

Den Ruf, irgendwie Komiker aus der zweiten Reihe zu sein werden die Frankfurter also auch an diesem Abend nicht ganz los. Standen sie früher im Schatten von „Badesalz“ (auch Hessen) oder „Erkan und Stefan“ (auch Kanak-Sprak), so sind es heute etwa Mambo Kurt (auch AC/DC auf der Orgel) oder „Eure Mütter“ (auch so’n Poster), die das alles einen Tick besser machen.

Aber gerade das schräge, selbstgebastelte und offenherzig dilletantische ist es, was „Mundstuhl“ letztlich die Sympathien der Zuschauer einbringt. Streber gibt’s schon genug! Also genießt die Sommerferien, Jungs!

3 Kommentare zu „„Mundstuhl“ im Serenadenhof

  1. > standen sie früher im Schatten von … „Erkan und Stefan“
    Hmmm, ich dachte immer, Dragan und Alder seien das Original gewesen …

    Laut Kumpel Internet offenbar nicht. Naja, ich hab sie zuerst gekannt und fand sie auch immer viel besser als die Münchner resp. Ingolstädter.

  2. Keine Ahnung, wer da wirklich der erste war. Oder der bessere… das ist zu lange her. Jedenfalls fand ich E&S „präsenter“ – immerhin hatten die zwei Kinofilme (das Debut von Bully als Regisseur).

  3. und sie hatten (haben) zumindest die bessere Adresse fürs Management: Das saß bei Erkan & Stefan nämlich in der Türkenstr. in München (zumindest stand das mal auf der HP)

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