Kino: „My name is Khan“

Rizwan Khan dreht gern Dinge in seiner Hand, hält den Kopf schief und fürchtet sich vor der Farbe gelb. Als Inder und Autist in Amerika hat er es mehrfach schwer, dennoch schafft es der liebenswerte Sonderling das Herz der Frisöse Mandira (Kajol) zu erobern. Doch dann kommt der 11. September und in dessen Folge wird der Muslim Khan auf eine Mission geschickt: Er will zum Presidenten der Vereinigten Staaten gehen und ihm folgendes sagen: „Mr. President – mein Name ist Khan und ich bin kein Terrorist!“ Tough Stuff.

Das erste was an „My Name is Khan“ auffällt ist die herrliche Fotografie: Alle Bilder sehen aus wie frischgewaschen: Staubkörner glänzen im Sonnenlicht, die farben leuchten weit intensiver als in westlichen Produktionen. Genau dafür wurde digitales Kino erfunden!

Das zweite ist die unglaubliche Chuzpe mit der dieser Film sich 1000 Themen auflädt – als ob die Liebesgeschichte eines Autisten im fremden Land nicht abendfüllend wäre – und die Lässigkeit dieser Operation am offenen Herzen des Zeitgeistes.

Klar, „My name is Khan“ trägt in jeder Szene unglaublich dick auf – aber gerade dadurch wird die wilde Mischung aus Politik, Love-Story und Toleranz-Apell, nicht nur schaubar, sondern auch auf eine erstaunliche Weise glaubwürdig: Solch eine überkandibelte Welt lässt sich vielleicht nur in total hybride Filme fassen.

Zudem habe ich als Zuschauer – anders als in vielen amerikanischen Gutmenschen-Filmen – nicht das Gefühl hier eine moralische Lektion zu bekommen (oder eine Wiederholung einer bewährten Drehbuchformel zu sehen), sondern einen Film, dessen Botschaft den Machern ehrlich am Herzen lag. Immerhin ist Superstar Khan im echten Leben selbst mit einer Hinduistin verheiratet und hat dafür schon Todesdrohungen bekommen.

Dennoch muss ich sagen, dass mir die erste Hälfte – die Love-Story – besser gefällt als die zweite – weil mir innerhalb der hehren Weltverbesserungsmission dann doch manches zu Bildzeitungsmäßig einfach gezeichnet scheint. Trotzdem ein sehenswerter, für den westlichen Blick ungewöhnlicher Film.

WERTUNG: 2

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