Kino: „Plastic Planet“

Plastic Kills! Das ist ganz kurz gefasst die Botschaft von Werner Bootes Dokumentarfilm „Plastic Planet“ . Der Österreicher ist der Enkel eines Plastik-Pioniers und deshalb schon von Kindheit fasziniert von Geruch und Gefühl des kühlen Stoffes. So beginnt er den Film fast als Fan, dessen  Skepsis gegenüber dem Material im Zuge seiner Recherchen aber immer mehr wächst: Warum hüllen sich die Hersteller gar so arg in Schweigen über die Produktion? Was ist da genau drin? Ist das gefährlich? Mit seinen Fragen beisst er bei der Industrie auf Granit, doch er gibt nicht auf…

Werner Bootes Methode erinnert angenehm an den „frühen“ Michael Moore: Er handelt direkt aus persönlich erlebtem, lässt nicht locker wenn die Mächtigen mauern und inszeniert das alles sehr menschlich. Nur selten hat man das Gefühl hier Propaganda zu sehen, da Boote auch den Plastik-Befürwortern viel Raum lässt.

Überraschend war für mich die hochwertige Produktion: „Plastic Planet“ ist kein um die Ecke gedrehter Wohnzimmer-Laber-Dokufilm, sondern wirklich eine Weltreise: Von Shanghai nach London, von Amerika in die Saharah, von Indien auf die Gipfel der Alpen. Luftaufnahmen und Cartoons fügen sich ebenso stimmig ein wie der elektronische Score von „The Orb“.

Negativ lässt sich nur sagen, dass der Film im Vergleich zur Botschaft ein bissl lang geworden ist – die Szenen mit Gunter von Hagen und einer Frau mit Brustimplantaten etwa sind zwar skuril, tragen aber nichts zum Thema bei. Auch manche Protestaktionen (mit dem Megaphon auf einem Plastikkongress) wirken eher der reinen Provokation geschuldet. Und die Leute, die ihre Häuser Plastikfrei räumen wirken meist, als hätten sie ihren Text („Wir wollen das nicht“) auswendig gelernt.

Dennoch ein feiner Film, der einen dazu bringt mal kurz innezuhalten und darüber nachzudenken, wieviel Dreck man eigentlich in seinem Leben in sich reinstopft – und an die nächsten Generationen weitergibt.

WERTUNG: 2

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2 Kommentare zu „Kino: „Plastic Planet“

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