Watchmen Review – Teil II: „The Complete Motion Comic“

Und wieder mal „Watchmen“: „The Complete Motion Comic“ ist eine feine Sache, vor allem für Puristen oder solche, die zu faul zum Lesen sind. Versehen mit sanften Animationen, SoundFX, Musik und einem Voice Over läuft hier der Comic vor einem ab. Als Serie von 12 Teilen à 20-30 Minuten.

THE GOOD

Der (englische) Sprecher Tom Stechschulte leistet dabei hervorragende Arbeit mehr als einem Dutzend Charakteren unterschiedliche Stimmen zu verleihen ohne auf auffällige Tricks (wie etwa Lispeln oder Stottern) zu verfallen. Nach kurzer Eingewöhnungszeit stört das Fehlen anderer Sprecher gar nicht mehr und es entsteht – zusammen mit der dezenten Orchestermusik – ein sehr angenehmer Fluss, der an ein Hörbuch erinnert und der von Autor Alan Moore gewünschten Rezeption „am Kaminfeuer“ verdammt nahe kommt. Auch die pointierten Enden der ersten paar Kapitel kommen mit einem sehr sicheren Timing und sorgen mehr als einmal für Gänsehaut.

THE BAD

Eine Einschränkung gibt es aber für das große Sprecherlob: Die Frauenstimmen. Da ist Stechschulte halt naturgemäß etwas beschränkt in seiner Variationsbreite und gerade wenn sich dann Mutter und Tochter unterhalten wird es schon unfreiwillig komisch und auch schwer zu verstehen wer jetzt wer sein soll.

(Anmerkung: Die deutsche Version kenn ich nicht, das Internet meint aber sie sei gelangweilt gelesen und voll haarsträubender Fehlübersetzungen: „Oh God!“ = „Oh gut!“ etc.)

Was mich auch noch stört ist, dass die Sprechblasen übernommen wurden: Wenn mir schon jemand vorliest muss ich die nicht auch noch sehen. Man lernt daran vorbeizugucken und kann natürlich auch nachlesen wenn man was nicht versteht. Eine Ausblende-Funktion wäre aber noch viel cooler gewesen.

THE INCOMPLETE

Entgegen seines Titels ist auch der Motion Comic nicht „Complete“, sondern es wurden einige Textpassagen gekürzt – was zwar die Dichte etwas vermindert, dem Werk aber letztlich zu Gute kommt, da dadurch das Timing besser wird. Hier ein Beispiel aus dem Gespräch zwischen Veidt und seiner Sekretärin im Kapitel 5:

SEKRETÄRIN
Was ist nur mit den Leuten los? Jeder ist voll auf diesem Todestrip. Zum Beispiel dieser Typ heute in den Nachrichten, der seine Kinder umbrachte. Haben Sie das gehört?

VEIDT
Nein, habe ich nicht

SEKRETÄRIN
Offenbar hatte er Angst, dass es Krieg gibt. Ist das nicht blöde? Keiner wäre so verrückt einen Krieg anzufangen, warum also bekommt deswegen jeder voll die Krise?

VEIDT
Vielleicht fehlt ihnen ihr jugendlicher Optimismus?

SEKRETÄRIN
Na ich weiss nicht.
Vielleicht ist es auch die Deko hier.
Dieses ganze ägyptische Zeug ist total morbid. Wie besessen vom Tod.

VEIT
Die Ägypter sahen im Tod nichts morbides. Für sie war es der Beginn einer spirituellen Entdeckungsreise. Finden sie diese Idee nicht beruhigend?

SEKRETÄRIN
Machen sie Witze? Ich meine, 10 Kilo abnehmen, das ist beruhigend. Einge Gehaltserhöhung, das ist beruhigend. Gloria Vanderbilt, M.T.V., das sind beruhigende Ideen… Spirituelle Entdeckungsreisen dagegen…  Oh Gott! Oh Gott! Achtung er….

(BLAM!)
(Sie wird erschossen)

THE WERTUNG: 1

Insgesammt einer Umsetzung die Stärken (Kapitel 1-6) und Schwächen (der etwas zähe Rest) des Comics sehr gut ins filmische umsetzt.

> 3 Der Realfilm

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