Watchmen – The Ultimate Review – Teil I: Der Comic

Es gehört ja zu den großen Schwächen liebenswerten Eigenheiten dieses Blogs immer wieder vollmundig Artikel anzukündigen, die dann nie erscheinen. Jetzt will ich mal eine Ausnahme machen und die in einem alten Eintrag versprochene finale Bewertung des „Watchmen“-Films und dem ganzen Drumherums peu a peu nachzureichen. Beginnen will ich mit dem Anfang: Der Graphic Novel.

Das ist leicht! Alles gute, was man über diesen Comic im Netz lesen kann stimmt! Selten – auch im Bereich der Literatur ohne Bilder – habe ich etwas so elegant, vielschichtig und brilliantes gelesen wie diese zwölf Bände von Watchmen.

Das Buch hat sehr, sehr viele Ebenen: Die grundlegende ist eine Geschichte über allzu menschliche „Superhelden“, die weniger super sind als vielmehr radioaktiv, impotent oder gemein. Dann gibt’s einen alternativen Weltentwurf einer USA unter Nixon in den 80ern, sehr ausgefeilt, einem Comic im Comic („The Black Freighter“), politische Bezüge, die besonders in den 80ern aktuell waren (nukleare Bedrohung) und ‚Bonusmaterial‘ in Form von Auszügen aus ‚Büchern‘ über die Welt der Watchmen.

Über die – zahlreich vorhandenen – Bezüge zu anderen Comics kann ich wenig sagen, aber allein die Querverweise innerhalb der Story, durch Leitmotive, Themen und Zeitschleifen machen Spaß das Buch mehr als einmal zu durchforsten. Wer Literatur als Konstruktion mag wird hier garantiert glücklich.

Was ich jetzt – nach anderthalb Durchgängen – sagen kann ist, dass es freilich Kapitel gibt, die mir lieber sind als andere (Nr. 4 „Watchmaker“ zum Beispiel oder das spiegelbildlich aufgebaute „Fearful Symetry“) und dass mich der „Black Freighter“ spätestens beim zweiten mal mit seiner vorhersehbaren Pointe eher nervt – aber das ist ja das schöne, dass man hier bestimmen kann, welche Seiten man intensiver, schneller oder gar nicht liest.

Spektakulär ist auch (BIG SPOILER ALERT) das moralische Dilemma (vor allem für linksliberale Leser 😉 ) mit dem die Geschichte endet: Die „guten“ opfern das ‚Leben einiger für das Leben vieler‘ und betrügen die Welt zu ihren ‚besten‘. Die Wahrheit liegt in den Händen rechter Populisten – und in den Händen des Lesers, der sich nun selber seinen Reim auf die Frage machen kann: „Wer wacht über die Wächter?“ (SPOILER END).

Am Ende der zwölf Bände habe ich ein tiefes Verständnis dafür, warum Autor Allan Moore meinte, dass man daraus keinen Film machen kann oder soll. Weil das Werk seine endgültige Form gefunden hat.
Auf der anderen Seite kann ich aber auch den Drang von Filmemachern verstehen, dieses wunderbare Buch in ihre Kunst zu übersetzen.

Wie sie das angingen und wie weit es ihnen imho gelungen ist sollen die nächsten Teile dieses Reviews zeigen.

> Teil II: The Complete Motion Comic

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