Kino: „Lippels Trauma“

Ist es ein schlechtes Zeichen, wenn in einem Kinderfilm siebzehn Erwachsene und nur drei Kinder sitzen? Keine Ahnung – aber wenn die Kinder sich fast die ganze Länge über ängstlich in ihren Sitz drücken kann das wohl nicht gut sein.

So gesehen in „Lippels Traum“ der Verfilmung eines Kinderbuches von Paul Maar. Darin wird der junge Lippel (Karl Alexander Seidel) für eine Woche der biestigen Haushälterin Frau Jakob (Anke Engelke) ausgesetzt, weil sein Vater (Moritz Bleibtreu) auf Geschäftsreise in den USA ist. Nicht genug damit, dass er nun zu Hause keine Ruhe mehr hat, auch in der Schule wird er ständig geärgert. In seiner Not flüchtet sich Lippel in eine Traumwelt, genauer in das Buch aus 1001 Nacht, dass er – nachdem es ihm die böse Haushälterin wegnimmt – im Schlaf weiterträumt und mit den Personen aus seiner realen Umgebung anfüllt.

Man wird dabei als Erwachsener das Gefühl nicht los, dass Regisseur Lars Büchel lieber einen Horrorfilm gedreht hätte: Ständig wird ein Gefühl der Bedrohung erzeugt, zu lachen gibt es nur genau zwei mal etwas (einmal als Lippel aus dem Bett fällt und einmal als jemand eine Torte ins Gesicht (!) bekommt). Was völlig fehlt sind Szenen der Freundschaft oder der Leichtigkeit.

Ausserdem nervt – zumindest im „realen Teil“ des Films, die absolute Aufteilung in gute und böse Personen. Anke Engelke ist überraschend gut als eiskalte Hexe – nur dass ihre Figur so eher in einen Stephen King Roman, als in einen Kinderfilm passt. Und auch ihr Abgang verschafft keine Katharsis, da er unverständlicherweise aus ihrer Sicht und sehr rauschhaft erzählt wird.

Kurz und knapp: Als Erwachsener kann ich sagen, dass mir der Film gar nicht gefallen hat. Als Kind hätte ich jetzt Lippels Trauma.

WERTUNG: 5

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