Kino: Hey, hey Wickie

«Muskeln! Das braucht ein Wikinger – kein Hirn!», schärft Vater Halvar (Waldemar Kobus) seinem Sohn immer wieder ein. Doch der zarte Wickie (Jonas Hämmerle) ist eben eher ein Denker, einer der sogar die gefährlichen Wölfe mit seinem scharfen Verstand austricksen kann.

Doch zum Glück gibt es in seinem Dorf nicht nur Raufbolde: Mutter Ylva (Sanne Schnapp) und Freundin Ylvi (Mercedes Jadea Diaz) glauben fest daran, dass Wickie etwas ganz besonderes ist. Aber dann geschieht etwas, das selbst dem schlauen Jungen über den Kopf zu wachsen droht: Piraten überfallen das Dorf und rauben alle anderen Kinder. Halvar, Wickie und die tapferen Krieger des Dorfes stechen zur Rettungsaktion in See, bei der sie es – wie von Kennern der Zeichentrickserie erhofft – mit dem «Schrecklichen Sven» (toll: Günter Kaufmann) zu tun bekommen.

Regisseur Bully Herbig beweist wie in seinen Vorgängerfilmen erneut viel Liebe für Details und ein Talent für spannende Inszenierung, etwa indem er den Ohrwurm-Titelsong nicht gleich am Anfang verbrät, sondern ihn für eine dramatische Szene später aufspart.

Auch die Idee, weitgehend auf bekannte Schauspieler zu verzichten und stattdessen per Casting («Gesichter, die zu den Zeichentrickfiguren passen sind wichtiger als Schauspielkunst») nach richtigen «Wikingern» zu suchen, erweist sich als Glücksfall: Das Personal sieht tatsächlich aus wie in der Zeichentrickserie und man merkt allen Beteiligten an, wie viel Spaß es ihnen gemacht hat, als bärtige Gesellen durch den bayerischen Wald zu hüpfen, der hier als Nordland herhalten muss.

Denn mit irgendeiner Illusion einer Welt von vor hunderten von Jahren hält Bully sich gar nicht auf: Alles sieht comic-haft plastikmäßig aus, und viele Flachwitze («Ich darf nicht kämpfen – ich hab ein Attest») und zeitgeistige Anspielungen («Drama, Baby. Drama») reißen den Zuschauer wiederholt unsanft in die Jetztzeit zurück.

Dafür gibt’s diesmal keine Schwulenwitze, aber viel gelungenen Slapstick und eine freundliche Botschaft: Am Ende werden sie alle gebraucht, die Starken und die Schlauen. Ein feiner Film, vor allem für Väter und Söhne.

WERTUNG: 2

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