DVD: „I’m not there“

„Wenn Du Bob Dylan nicht kennst solltest Du vorher auf Wickipedia gucken, sonst blickst Du gar nicht durch“, meint der Medienfachberater meines Vertrauens, als er mir die DVD der Dylan-Bio „I’m not there“ in die Hand drückt. „Ich habs am Ende auch nimmer verstanden“.

Dabei ist er Generation-Dylan und ich kenn ihn eigentlich nur aus Samstag Nacht, wo er immer die Welthits gepiepst hat und aus dem Video wo er so Zettel wegwirft. Andererseits: Hab ich nicht schon 1003 Musiker-Biopics gesehen, so dass ich schon vorher raten kann was da passiert: Schneller Aufstieg, Drogen, Aufrappeln, Zweiter Frühling in liebender Familie blablablup…

Aber halt! „I’m not There“ zeigt schon in den ersten paar Minuten, dass er nicht der typische Musikerstreifen ist. Eher eine wilde Collage: Bob Dylan wird von sechs Leuten gespielt (von denen keiner Bob Dylan genannt wird) zwischen denen der Film kunstvoll hin- und herspringt, jede mit ihrem eigenen visuellen Stil. Und in soweit hat mein Medienfachberater recht: Zumindest die Episode mit Richard Gere als altem Cowboy entzieht sich elegant dem Verständnis. Aber das ist ja wohl der Clou des Films dessen Aussage zu sein scheint, dass man diesem Chameleon Dylan (der weit weniger piepsig singt als bei Samstag Nacht!) nie ganz auf die Schliche kommt.

Todd Haynes hatte mit „Velvet Goldmine“ schon einen richtig guten, richtig anderen Musikfilm über die David-Bowie Ära vorgelegt (und mit [Safe] einen meiner absoluten Lieblingsfilme gedreht) und beweist sich auch hier wieder als blitzgescheiter Regisseur, der eben nicht in die Fallen tappt, das allzu bekannte („Blowin in the wind..“) abzuarbeiten.

Ein ganz großer Film, der den Künstler nicht tot erklärt sondern Lust auf mehr macht.

Und aufs nochmal gucken.

WERTUNG: A

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