Humorkritik: Sonneborn vs. Schneider

„Wenn man in Deutschland Politik machen will braucht man nur eines: Einen Anzug für 49 Euro aus dem C&A“ – meint Titanic-Redakteur Martin Sonneborn und geht los einen zu kaufen. Seinen Weg von diesem Einkaufsbummel bis zum Bundeskanzler ‚dokumentiert‘ der Film „Die PARTEI“ der kürzlich in Nürnberg vor fast ausverkauftem Haus Premiere feierte. Er zeigt den Aufstieg der „modernsten Partei Deutschlands“ die fast völlig ohne Programm auskommt (sie wollen die Mauer wieder, aber das war’s) und der jedes Mittel und jeder billige populistische Trick recht ist ihr erklärtes Ziel zu erreichen: Möglichst viel Macht!

Wie in der ganz famosen Live-Lesung von Sonneborn im Herbst in der Desi hält sich auch hier das Gruseln und die Freude die Wage: Freude, weil jemand tatsächlich so eine dreiste Realsatire durchziehen kann, Gruseln, weils Leute gibt, die das ernsthaft wählen würden (und natürlich weil es die „echten“ Parteien entlarvt, was ja der Sinn der Sache ist).

Dennoch hält sich der Humor etwas in Grenzen,  schleicht sich trotz der kurzen Laufzeit von 77 Minuten so manche Länge ein – was daran liegen kann, dass ich die Highlights schon kenne, aber auch daran, dass der Bundeswahlleiter gerade den Witz vor der Pointe beendet hat – indem er „Die Partei“ gar nicht erst zur Bundestagswahl zulies.

Deswegen will ich mich hier nur auf ein persönliches Highlight beschränken, eine etwa zweiminütige Szene, in der ein winziges Kräftemessen zweier hochkarätiger Künstler stattfindet – als nämlich Sonneborn beim besagten C&A Besuch unerwartet auf Helge Schneider trifft.

Unterschiedlicher können zwei Komiker ja kaum sein: Hier der Realsatiriker Sonneborn, der als kluger Planer und Beobachter wie ein böser Enkel von Loriot wirkt, dort das ewige Kind, der Jazzer Schneider. Wer von beiden wird hier wohl das letzte Wort haben?

Helge fängt jedenfalls an: Ein improvisiertes Solo darüber, dass früher alles besser war in der Politik und so. Er erzählt, mäandert, sucht beifläufig nach Pointen, findet keine oder lässt sie absichtlich weg. Sonneborn schaut nur. Hört zu. Schneider jazzt noch immer seiner eigenen Sprachmelodie hinterher, findet immer noch keine Pointe und endet schließlich in irgendeiner Frage: „Ist es nicht so?“. Darauf Sonneborn: „Wie war der Anfang des Satzes?“. Bamm. Sechs Wörter. Pointe. Treffer. Sonneborn will seinen Sieg geniessen, verabschiedet Schneider schnell und wendet sich ab. Doch da passiert es! Noch im OFF hört man Schneider – ganz versonnen, als hätte er gerade den Gral der Weisheit entdeckt – sagen: „Ach – der Satz war zu lang?!“.

Ein klares Unentschieden.

Und die

WERTUNG: 3

für den übrigen Parteifilm.

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