Kino – Kleine Wunder: „Schnee“

Zugegeben –  die erste halbe Stunde oder so hab ich mich in „Schnee“ tierisch gelangweilt! In beschaulich- bis phlegmatischem Tempo wird das Leben in einem abgelegenen Bosnischen Dorf erzählt in dem nur noch Frauen leben, die Obst anbauen. Die Männer sind tot wegen Krieg. Nur ein alter Mann und ein Junge mit seltsam wachsenden Haaren sind noch da. Für das Obst, das die Frauen verkaufen wollen interessieren sich nur die Fliegen. Das aufregenste ist, wenn Alma mal wieder zu spät zum Morgengebet kommt.

Die träumt nämlich immer – unter anderem davon, dass das kleine Dorf einmal „halb Bosnien – und irgendwann halb Deutschland ernähren soll.“

Gerade als sie dafür eine Chance entdeckt, kommen serbische Bauunterneher, welche das ganze Dorf kaufen wollen. Und plötzlich müssen sich die Dorfbewohner – und mit ihnen die Zuschauer! -entscheiden: Ist das Dorf ein rückständiges Gefägnis aus dem man nich schnell genug weg kann – oder ist es doch ein Paradies, um das es zu kämpfen lohnt? Plötzlich werden die Langsamkeit und Ereignislosigkeit zu kostbaren Merkmalen eines kleinen Wunders… Lasst das blos in Ruhe!!

Aida Begic nimmt einen mitten hinein in dieses Dorfleben und schafft doch einen Film der weit über die Grenzen des kleinen Ortes hinausgeht. Der von so vielem erzählt – Globalisierung, Unterdrückung, Krieg, Hass, Vergebung – und dafür so wenig Worte braucht. Und spätestens beim brillianten Epilog der in wenigen, schlichten Bildern so viel sagt freut man sich als Zuschauer, dass man geduldig genug war, auf den Schnee zu warten.

WERTUNG: 1

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