Kino: Geliebte Krankheit Katholizismus – „Wiedersehen mit Brideshead“

„Brideshead Revisited“

«Brideshead ist der schönste Ort der Welt», meint Möchtegern-Maler Charles Ryder (Matthew Goode) als er zum ersten mal das gleichnamige, mit Kunstwerken vollgestopfte Herrenhaus der Familie Flyt betritt. Als junger und armer Student ist er hier Gast des Sohnes der Familie Sebastian Flyte (Ben Whishaw), der ihn gerne zu seinem Liebhaber machen würde. Doch kaum hat Charles einen Blick auf den süßen Pagenkopf von Sebastians Schwester Julia (Hayley Atwell) geworfen will er nur noch sie – naja: und das tolle Haus natürlich auch.

Doch da ist ein Problem: „Wir sind Katholisch“, sagt Julia, als wäre es eine Krankheit. Und doch irgendwie schön. So wie Lady Flyte (Emma Thompson) die selbst vom Pfarrer eine «Heilige» genannt wird. Eine katholische Matronin, die der Atheismus des Neuankömmlings weit mehr stört als seine Ungeschicktheit in den Ritualen der Elite («Tweed zum Dinner? Unmöglich!»). Als die drei jungen Leute nach Venedig fahren um Lord Blyte (Michael Gambon) zu besuchen, der dort fernab der Heimat in wilder Ehe mit seiner Geliebten Cara (Greta Scacchi) lebt, beginnt das Unheil …

Mit «Wiedersehen mit Brideshead» liefert Regisseur Julian Jarrold vor allem ein Fest für das Auge: Opulent ausgestattet und geschmackvoll fotografiert, lädt der Film zum Schwelgen ein. Die Handlung, nach einem 1945 erschienenen Roman von Evelyn Waugh, erinnert stark an den «talentierten Mr. Ripley», nur leider ohne Mord. Charles wurschtelt sich halt so durch, bis er endlich das Haus in Besitz nimmt – wenn auch ganz anders als gedacht.

Dass Hauptdarsteller Matthew Goode überwiegend blass bleibt, mag der Rolle geschuldet sein, Ben Wishaws Klischee-Schwuli mit Fistelstimme und abgeknickter Hand nervt dagegen nur.

Umso mehr schimmern die Nebenrollen: Vor allem Emma Thompson schafft es, der gläubigen Matriarchin eine erstaunliche Tiefe zu geben und auch Hayley Atwell als Julia weiß die Zuschauer zu rühren – auch wenn man wohl selbst erzkatholisch sein muss, um ihre Probleme wirklich zu verstehen.

WERTUNG 3

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