Kino: The Passion of the RAF – „Der Baader Meinhof Komplex“

Kann das sein?

Kann man aus einem unglaublich spannenden Buch, über eine der entscheidensten Phasen der BRD, mit einer Best-Of-Darstellerriege des Deutschen Films wirklich so etwas schnarchiges machen wie die neuste Eichinger Geschichtserklärung „Der Baader Meinhof Komplex“?

Stefan Austs Buch ist ein Füllhorn spannender Information, aus dem man sich nur seine Favoriten rauspicken müsste, um ein dutzend komplexe Filme zu machen: Es könnte die Geschichte von Ulrike Meinhof sein, der Theoretikerin aus dem Establishment, die in der Zelle endet, die Geschichte der Pfarrerstochter Ensslin und ihrer Familie – oder gar die Geschichte des jungen Journalisten Aust, an der Schnittstelle zwischen Beobachtung und Beteiligung.

Oder der Film könnte sich auf die Seite einer Idee schlagen: Der Revolution, der Humanität oder der Sicherheit des Staates. Egal welche – ein leidenschaftliches Leinwandwerk wäre bei diesem Stoff fast garantiert.

Keine Position ist auch eine Position

Nichts davon in der Edel-Eichinger Produktion: In dem Bestreben es keinem und allem recht zu machen entstand ein vollkommen liebloser Bilderbogen, der atemlos vom Schah-Besuch bis zur Landshut-Entführung hetzt.
Was hier nach aussen hin als „Objektivität“ verkauft wird, ist in Wahrheit tiefe Gleichgültigkeit: Keine Person, keine Idee scheint den Filmemachern irgendwie wichtig zu sein. Ausser natürlich Kohle zu machen. Und wie macht man die? Genau:

Sex & Stars & Feuer Frei!

Das Motto „Nur die Knarre löst die Starre“ nimmt der Film durchaus wörtlich. Weil die Dialoge papiern sind, die Figurenmassen unüberschaubar, die Regie zunehmend hilflos, flüchtet sich der Film immer wieder in altbackene Actionszenen oder zeigt uns die blanken Brüste seiner Darstellerinnen. Das ist ja ganz nett. Und reicht – in der Qualtität – auch für jeden B-Action Film. Aber so ein wichtiges Kapitel Deutscher Geschichte – in dem nicht weniger als die Selbstdefinition des Staates auf den Prüfstand kam – verlangt nach mehr Sorgfalt.

Deutsche Krieger

Bleibt mir als zunehmend gelangweiltem Zuschauer eigentlich nur, dem handverlesenen Ensemble dabei zuzusehen, wie es sich am miesen Skript aufarbeitet. Dabei ist Bruno Ganz wohl die spektakulärste Fehlbesetzung: Als er das erste mal auftaucht machen die vier Jungs mit Popcorn in der Reihe vor mir den Deutschen Gruß. Kein Witz.

Fazit:
Eichinger – geh endlich in Rente!
„Komplex“ ist hier nur noch der Titel: Austs Buch auf reine Schauwerte zu reduzieren, ohne den Menschen und den Ideen darin nachzugehen, schuf  die – mit Verlaub –  schlechteste und unsensibelste Literaturverfilmung seit Gibsons „Passion of the Christ“.

WERTUNG: 5

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s