Kino: „Die roten Drachen und das Dach der Welt“

Und schon wieder Tibet!
Aber anders als bei den Hochzeitsfilmen finde ich die Filme zu Dalai Lama / Tibet / China wirklich interessant.

Der neueste in der Reihe ist „Die Roten Drachen und das Dach der Welt“ von den beiden Freiburgern Ronny Pfreundschuh und Marco Keller – die ihren Film am Sonntag im Cine vorstellten.

Mit versteckter Kamera reisten sie durch Tibet, um die Wahrheit über das Land jenseits von Klischees und Vorurteilen kennenzulernen. Denn ein Bild von Tibet hat zwar jeder im Kopf. (Meist ein vages, von orange gekleideten Mönchen und uniformierten Chinesen, die in karger Landschaft zur beispielhaften Konfrontation zwischen Spiritualität und Materialismus antreten), aber wie es wirklich ist kann man nur vor Ort erfahren.

Das Fazit der beiden: „Es ist ein bischen wie bei den Indianern – die echte tibetische Kultur existiert nur noch in Reservaten entlang der Bahnlinie, die täglich neue Siedler aus China bringt.“ Solche Reservate sind etwa die Klöster, die einerseits von China finanziert werden – dafür aber auch videoüberwacht oder mit Polizeistationen versehen sind.

«Uns war es wichtig, auch China kennenzulernen und mit Chinesen zu sprechen», meint Pfreundschuh. «Wir wollten keine Schwarz-Weiß-Malerei machen, denn wir haben in China viel echte Herzlichkeit erlebt!» Und so nimmt man es den Chinesen im Film auch durchaus ab, dass sie nicht in diesen unwirtlichen Landstrich mit der dünnen Luft gekommen sind, um die Tibeter zu ärgern, sondern um hier für das Wohl des Vaterlandes zu arbeiten und die Situation vor Ort zu verbessern.

Wir sehen aber auch die andere Seite: Eine Frau, die 15 Jahre im Gefängnis war, weil sie öffentlich für den Dalai Lama Stellung bezog, eine chinesische Journalistin, die einem kleinen Jungen vorspricht, was er in die Kamera sagen soll: «Unser Land braucht eine starke Verteidigung! Los, sag das der netten Tante!».Am schockierendsten sind die Bilder tibetischer Flüchtlinge, die zu Fuß über die Schneeweiten des Mount Everst laufen, um das Land zu verlassen – und dann von chinesischen Scharfschützen niedergeschossen werden.

«Wir sagen nicht: So ist Tibet», betont Marco Keller am Ende des Films. «Aber: das ist Tibet wie wir es gesehen haben.» Am Ende ihrer Reise sind die beiden Männer überzeugt: «Es muss sich etwas ändern. Und vielleicht bietet sich durch die Olympischen Spiele die Chance dazu – wenn die internationale Aufmerksamkeit bleibt und wächst.»

Ein sehr spannender Einblick in das Land also, der vor allem in der anschließenden Diskussion noch differenzierter wurde.

WERTUNG: 2

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