Kino: Glorreiches Scheitern – „Ekkelins Knecht“

Hm, an „Ekkelins Knecht“ hab ich leider schon vom Dreh her schlechte Erinnerungen. An einem kalten Wintertag wurde ich auf die Burg bestellt um für die Zeitung eine Geschichte über die Dreharbeiten zu schreiben. Ich musste ewig warten, weil die Produktionscrew keine Journalisten eingeplant hatte und als ich dann endlich mein Interview fertig hatte fiel der magische Satz: „Aber das hab ich doch ihrer Kollegin schon alles erzählt.“ Der Termin war versehentlich zweimal vergeben worden. Sprich: Ein Nachmittag fürs Ausfallhonorar verschenkt.

Trotzdem interessiert mich jetzt natürlich das Ergebnis. Was können Laien in einem Jahr Wochenendarbeit auf die Leinwand bringen?

Erzählt wird die Geschichte des Raubritters Ekkelein von Gailingen, der sich mit den Nürnbergern anlegt und dafür am Ende gerädert wird (sehr schöne Szene übrigens). Die Inszenierung überrascht dabei an vielen Punkten positiv: Der Einsatz der historischen Kulissen, die atmosphärischen Landschaftsaufnahmen (Schnee, Regen – das Wetter scheint der beste Schauspieler in diesem Film zu sein), die unerwarteten production values: Kamerafahrten, Reit-Aufnahmen, Pferde, Zelte, Kutschen und Komparsen! Auch die Schlachtszenen sind packender als in manch einer Profi-Produktion (man denke nur an Gurken wie ‚Wolfhound‘ oder den ‚Gähnenden Kompass‘).

Dass der Schnitt oft holprig und die Darsteller hölzern sind kann man bei so einem verspäteten Studentenfilm gut verschmerzen. Ohne Kohle einen in vielen Details so stimmigen und schönen Ritterfilm auf die Leinwand zu bringen ist eine Leistung der höchster Respekt gehört.

Wirklich nerven tut mich eigentlich nur das schwache Skript: Der ‚Knecht‘ zerfällt in viel zu viele kurze Szenen in denen viel zu viele Personen auftreten. (Mit hohem ‚Wer war das noch gleich?‘ Faktor.) Hier hätte man verdichten, kürzen, fokussieren müssen! Dem Film ein Zentrum geben! (Ich stell mir grad vor, wie wir bei hör-q-nst dieses Drechbuch zerlegt und umgebaut hätten. Garantiert wären 1/3 der Sprechrollen rausgefallen.)

Schade! So stellt sich die ambitionierte Produktion selbst ein Bein – und das ausgerechnet in der Disziplin, die am wenigsten von Geld und Logistik abhängig ist: Den Worten auf dem Papier. Nochmal: Schade!

WERTUNG: 3

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