Im Happy-Hasen-Land: „A fine frenzy“ beim BR

Mal eine ganz ernste Frage: Was ist die Aufgabe von uns Medienmachern?

Den Leuten zu erzählen, dass die Welt schön ist?
Den Leuten zu erzählen, dass die Welt geordnet ist?
Denn wer will schon in einer häßlichen und chaotischen Welt leben?

Sicher nicht die Leute von Bayern3. Deshalb laden sie 170 glückliche Gewinner (meist Männer Mitte 40 mit schütterem Haar und ihre adretten Gattinnen) aus ganz Bayern ins Studio Franken – das von einer dauergewellten Moderatorin fälschlicherweise als Studio Nürnberg vorgestellt wird – und lassen sie „A Fine Frenzy“ hören.

„A fine frenzy“ ist in erster Linie eine Alice – könnte auch eine Dorothy sein – die perfekt das „Klingt 3x gut“ von B3 verkörpert:Nett, Brav, GLücklich. Zwei Lieder lang animiert das noch zum mitschunkeln, dann wächst der Wunsch nach einem Backstein angesichts der unverhüllten Diddlmausigkeit der Darbietung: „I’m so happy to be here.“ Quietsch. Lächel. Glücklichsei. „The next song is for all who had theyr hearts broken – i just found out this could be everyone“. Schmacht. Sentimentalisier. Trotzdemglücklichsei.

Und das beste: „I like germany in the spring – it’s all green & there is bunnys everywhere!“ Argh! Lasst mich hier raus!! Ich will auf ein Punkkonzert wo Leute kotzen!!

Moment, hey! Was ist denn schlecht an hoppelnden Hasen, dem grünen Deutschland und den netten glücklichen Menschen? Nichts. Aber es ist Lüge.

Das Hoppel-Hasen-Land endet doch genau an der Grenze des herrschaftlichen, von unseren Rundfunkgebühren finanzierten, BR-Parks. Sorry Dorothy, aber außerhalb davon gibts im Nürnberger Westen keine Bunnys. Ausser vielleicht in den Bordellen.

Wie brüchig die Illusion der Happy-Hasen-Welt ist (und welch vorsichtige Aufmerksamkeit sie erfordert) merkt man, wenn man versucht an der BR-Pforte links statt rechts an der Schranke vorbeizugehen. Dann brüllt nämlich der Pförtner: „KÖNNEN WIR UNS DRAUF EINIGEN, DASS SIE DAS NÄCHSTE MAL HIER RAUSGEHEN?“ Klar, Hasi. Regeln und gehorchen gehören nämlich dazu. Sonst macht noch irgendein Dutschke das Happy Hasen Land kaputt.

Und davor bewahre uns Dorothy.

… und wie schreib ich das jetzt für die Zeitung?

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7 Kommentare zu „Im Happy-Hasen-Land: „A fine frenzy“ beim BR

  1. Nein, natürlich viel sanfter. Das Alter der B3-Hörer und ihre Frisuren sind raus, aber der Pförtner ist noch drinn. Bin mit beiden Versionen ned so zufrieden. Die hier ist zu aufgeregt, die andere zu lahm. Müsste eigentlich noch eine Hybrid-Version mit den besten Jokes aus beiden machen, aber irgendwann langts.

  2. Also sie heißt Alison. Wenn man schon kotzen muss, sollte man wenigstens wissen wovon einem schlecht ist und in der Lage sein halbwegs ordentlich zu recherchieren.

    Nett, brav, glücklich? Was wäre schlecht dran? Sie kommt so rüber. Und das glaubwürdig. Und hockt sich im Anschluss ewig lang hin um Autogramme zu geben und ein paar Worte Smalltalk mit den Besuchern zu wechseln. Und die stehen an – für eine Ewigkeit. Und kaum einer geht vorher.

    Den Besuchern hat es gefallen. Sehr gut sogar. Und Deutschland ist im Frühling tatsächlich schön. Sehr schön sogar. Bunnies sieht man leider wenige. Im Nürnberger Westen wohne ich schon lange nicht mehr. Aber da wo ich jetzt wohne gibt es Bunnies. Und wenn man draussen sitzen kann, bei einem guten Glas dessen was einem schmeckt, am besten mit jemandem der einen nicht langweilt ist Deutschland schon ziemlich schön. Und ich merke das noch immer jeden Tag wenn ich mit dem Hund über die Felder laufe. Auch bei Regen und Sturm.

    Bin vielleicht nicht deutsch genug um Deine Berufsbetroffenheit verinnerlicht zu haben. Ich gehe sicherlich alles andere als blind durch’s Leben aber bin glücklicherweise noch immer in der Lage mich an vielem zu erfreuen.

    Und „A Fine Frenzy“? Mir hat es gefallen. Sehr gut sogar. Bin Mitte 40. Ohne Gattin. Aber mit Freundin. Und die ist adrett – zugegeben.

    Und nie Liebeskummer gehabt? Tatsächlich? Was ist nun falsch darüber zu singen? Tun andere auch. Die meisten schlechter und weit weniger glaubwürdig.

    Und der Pförtner? Dem haben wir bei rausgehen noch einen schönen Abend gewünscht. Er uns auch. Dir wird dieser Mensch sicher keinen Gruß wert gewesen sein. Zu unwesentlich.

  3. Ja, du hast recht. War eigentlich super. Ich war nur scheiße drauf. Wohl Liebeskummer.

    Ach ja – falls ich es korrekt verstanden habe sagte die Dame selbst „Ihr könnt mich Alice nennen, alle meine Freunde tun das. Nur an ‚Al‘ kann ich mich nicht gewöhnen.“ Daher Alice. Und natürlich wg. des Kleidchens.

    gruz
    Travis

  4. moin moin.
    Nett, Deinen Kommentar zu lesen, Pet. An Alice musste ich auch sofort denken. Die Bunnies waren dann doch der unausweichliche Hinweis.
    Allerdings sagte sie zu deutsch: „Ihr könnt mich Ally [bzw. Alli] nennen. […]“ Das „You can call me Al“ war wohl augenzwinkernd auf Paul Simon gemünzt. 😉
    Ich (Mitte 20), keine B3-newsletter-Abonnenin, fand den Abend gelungen, auch wegen des „braven“ Publikums und weils keine Rangeleien um die vorderen Stehplätze gab. So recht verzückt hat mich die Dame zwar jetzt nicht, aber der Sound war cool und die Bandbesetzung interessant zusammengewürfelt. (Keyboard – Piano – Drums)

  5. Haha, dann liegts wohl wirklich an mir. Den Sound fand ich auch großartig und hab ihn zumindest in der Zeitungsversion auch gelobt. Schade, dass sie ‚Call me Al‘ nicht gespielt haben. Das wäre ein nettes Cover gewesen.

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