Kino: „There will be… der neue P.T. Anderson“

Normalerweise ist Religion im Hollywood-Film – im wahrsten Sinne des Wortes – eine heilige Kuh, die wenn, dann nur lobend erwähnt werden darf. Nachdenken über Glauben ist im Mainstreamkino in der Regel nicht mal ansatzweise erlaubt!

So musste z.B. im ersten „Shrek“ die hoch-ketzerische Liedzeile
Maybe there’s a god above
aus Leonard Cohens „Hallelujah“ verschwinden…
(„Remember when I moved in you?
The holy dove was moving too…“
ist natürlich auch nicht drin, aber das ist eine andere Geschichte…).

Umso erstaunlicher ist dann ein Film wie

„There will be blood“ von Paul Thomas Anderson.

Hier sehen wir nicht nur die Demaskierung und Selbst-Demontage eines charismatischen Predigers, der mit Teufelsaustreibungen und Geschachere um die Gunst seiner Mini-Sekte buhlt, sondern – in der Gestalt von Ölsucher Daniel (Day-Lewis) – auch noch die Dekonstruktion der zweiten ‚heiligen Kuh‘ des amerikanischen Kinos: Des Unternehmers und Self-Made-Mannes.

Wie viele US-Filme haben uns schon das Mantra eingebläut „Du kannst es schaffen, wenn du nur an dich glaubst (und dich ansonsten konsequent materialistisch verhältst).“ Aber was kann man schaffen? „So reich zu werden, dass ich niemanden mehr sehen muss“, definiert Daniel, der nach eigener Aussage die Menschen hasst, sein Schaffensziel.

Am Ende (SPOILER AHEAD) hat er das erreicht und sitzt allein in seiner Luxuskegelbahn, neben einer Leiche und den kaputten Resten seiner fragmentierten Familie (der dritten heiligen Kuh der US-Kinematographie). Ist er glücklich? Nein: Fertig. (SPOILER END).

20 Jahre der Pionierszeit amerikanischer Ölbohrer umfasst Andersons Saga. Die Wärme und Verspieltheit von „Magnolia“ und „Boogie Nights“ (der ist jetzt auch schon wieder 10 Jahre her…) haben einer schnörkellosen Beobachtung Platz gemacht. Toll gespielt, mit spannender Musik und vielen überraschenden Momenten ist „There will be blood“ in kein Genre einzuordnen. In einem Moment wirkt er wie Leone in Pastell, im nächsten wie Thomas Mann gone West, dann wieder wie „Camillo und Pepone“ auf Ernst.

Jedenfalls ein Film, über den man noch lange diskutieren und nachgrübeln kann, weil er einem ausnahmsweise mal nicht die einfachsten Lösungen anbietet. Nachdenken erlaubt.

Dafür gibts die

WERTUNG: 1

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