Kino: Iranische Frauen, amerikanische Gangster

Als Entertainment-Junkie tu ich mich immer etwas schwer mit Filmen, die mehr sein wollen als Unterhaltung. Die Fakten vermitteln wollen, persönliche Gefühle ihrer Autoren oder die gar botschaftverdächtig sind. Aber an den letzten zwei Abenden gabs doch zwei Beispiele für Filme, die Geschichtsstunden geschickt mit Amüsemang verbanden.

Einmal: „American Gangster“ von Ridley Scott, 2007

Die Filme von Ridley Scott sind ja immer eine Wundertüte für den Herrn. Manchmal ist was ganz tolles drinn („Bladeranner „, „Alien“) manchmal schrecklicher Krimskrams („Gladiator“, „G.I.Jane“).

Diesmal liegt er wieder ziemlich richtig: Erzählt wird der Aufstieg eines schwarzen Drogendealers (auch als Gangster seriös wie immer: Denzel Washington) der Heroin direkt aus Vietnam importiert – über die Soldaten der US Army. Das Geschäft funktioniert, weil niemand – weder die Patrioten, noch die alteingesessene Mafia – glauben wollen, dass sowas möglich ist: Ein schwarzer, der mehr ist als Handlanger und der noch die heiligen Soldaten mitreinzieht.

Der zweite Handlungsstrang ist weniger interessant: Mit schlechter Frisur und in einer Rolle, die wohl für einen Jungspund geschrieben wurde jagt Russel Crowe als ehrlicher Polizist Gangster und korrupte Kollegen.

Das Zeitportrait das entsteht wirkt facettenreich und realistisch – vielleicht aber auch nur deshalb, weil man die Mischung aus Story und History, Journalismus und Hollywood schon aus anderen, cooleren Filmen nach Stoffen von „Gangster“-Producer Nicolas Pileggi („Casino“, „Goodfellas“) kennt.

WERTUNG: 2

Gar nicht kennen tu ich dagegen den Iran.
Ehrlich gesagt verwechsle ich ihn auch oft mit dem Irak.
Es ist ja auch doof, zwei Länder nebeneinander so ähnlich zu nennen. Dass muss ja Ärger geben!

Persepolis“ von Vincent Paronnaud und Marjane Satrapi, 2007

füllt diese Lücke. Aus der Sicht eines Mädchens wird die Geschichte des Landes erzählt. Von der Revolution, die zwar den Schah vertreibt, aber nur um ihn durch eine religiöse Diktatur zu ersetzen bei der das Mädchen, das eigentlich Punk, Kommunist oder Prophetin sein will, ständig von finsteren Bartmännern und Kopftuchträgerinnen gepiesackt wird.

Irgendwann schicken sie ihre (reichen, mit dem alten König verwandten) Eltern nach Wien, wo sie – sehr witzig – gleich von Nonnen mit Kopftuch empfangen wird!

Als Realfilm wäre das vermutlich unerträglich plakativ und peinlich – immerhin ist die Regisseurin auch Autorin und hat das alles so ungefähr erlebt – aber durch den tollen reduzierten Zeichentrick, der viel mit Schattenrissen arbeitet, ist es vor allem ein ästhetisches Abenteuer, das immer wieder aufs neue überrascht.

Wertung: 1

Warum gibt’s eigentlich nicht für jedes Land ein gezeichnetes Intro-Filmchen?

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Ein Gedanke zu “Kino: Iranische Frauen, amerikanische Gangster

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