Kino: Menschen, Monster, Marionetten – „Beowulf“

Hm. Wirklich eine seltsame Erfahrung – M. und ich gucken Beowulf von Robert Zemeckis (2007) im IMAX in 3D – und der Eindruck ist sehr gespalten.

Technisch gefällt es mir sehr gut – man kann also doch wirklich Geschichten in dem Riesenformat erzählen! Auch das 3D sieht sehr gut aus (ausser bei Schwenks zur Seite, da ruckelts doch übel) und auch dass es in der Mitte eine kurze Pause gibt ist ned schlecht, weil das 3D mit Brille doch etwas die Augen anstrengt.

Die Visualisierung als Computertrick ist dagegen so lala, ähnlich wie bei „Final Fantasy“ sind die Gesichter zwar porentief realistisch – aber immer noch weit von echter Emotion entfernt, die Bewegungen marionettenhaft. Dafür sind alle Action-Szenen sehr fulminant.

In den besten Momenten versprüht die Story – Held tötet Monster und zeugt neues – eisig kalten Nordwind, in den schlechtesten wirkt sie wie eine Zwischensequenz von ‚God of War‘.

Was mich aber wirklich ins Grübeln bringt ist die Moral/Nicht-Moral der Geschichte: Warum zeugt der Held das Monster? Gut, weil ihn die Dämonin dazu verführt… aber wie entstand diese Idee? Ist das eine Art Metaerzählen – ohne Monster kein Held und umgekehrt? Oder Psychologie – die Dämonin als irgendwas in seiner Seele, was ihn nicht ruhen lässt? Oder eine Art altes zyklisches Weltbild – Held, Monster, Held, Monster in ewiger Umarmung? Und wie verhält es sich mit dem Christentum, das andeutungsweise während des Films die alten Götter verdrängt (leider im Film nur nebenbei angerissen)? Ist es vielleicht erst die christliche Neudefinition des allesverschlingenden, alleszerstörenden, allesliebenden hedonistischen Helden als Sünder, die das Monster gebiert? Oder ist das Christentum der Ausweg aus dem Teufelkreis von Monstertötung und Monsterzeugung – indem es die Helden durch laue Frömmler ersetzt – kein Held, kein Monster?

Fragen über Fragen. Jedenfalls macht „Beowulf“ Lust, sich mal das zugrundeliegende Epos anzugucken um herauszufinden, was an der Mischung Mittelalter und was Hollywood ist. Bis dahin bin ich erst mal zufrieden, dass mir ein computeranimierter Film der nicht aus Japan kommt so viele schöne Fragen gestellt hat! Da seh ich auch mal großzügig über eine grottige Musiknummer und über Jolies aufgesetzten russichen(?) Akzent hinweg, sowie über die typisch amerikanische Biederkeit, die unseren Helden zwar nackt kämpfen lässt aber dessen Schnörpfel stets Austin-Powers-mäßig hinter Schwertern oder Helmen versteckt (was in einer Comedy ja lustig ist, in diesem rohen Setting aber die düstere Stimmung stört) und vergebe für das Larger-than-live Spektakel die

WERTUNG: 2

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