DVD – Ogres have layers: „Der Unbequeme“

Wow – da hab ich doch im letzten Eintrag noch das 70-seitige-Last-Samurai-Booklet gelobt, (das ja inhaltlich nur das Presseheft abdruckt) und nun das hier: Ganze 128 Seiten von Kritiker-Guru Georg Seeßlen liegen der brandneuen Arthaus-Premium-Ausgabe der „Blechtrommel“ bei, die ich zum Geburtstag bekommen habe!! Ned schlecht! Auch sonst ist die Doppel-DVD sehr gut: Neben einem Audiokommentar von Schlöndorff, einer Doku über die Entstehung und geschnittenen Szenen gibt es noch einen zweiten Film nämlich

Der Unbequeme – Der Dichter Günter Grass“ von Nadja Frenz & Sigrun Matthisen, 2007

Diese Doku seh ich mir als erstes an. Sie begleitet den 78-jährigen Dichter auf Touren nach Paris und Danzig, ja bis in den Jemen. Leider ist der Film dabei ebenso unsortiert, wie verliebt ins banale: Grass beim Soundcheck, beim Stadtbummel, beim Autogrammgeben, beim Ahoi-Brause trinken.

Dabei scheint der Film anzunehmen, dass seine Zuschauer die Biographie des Dichters schon kennen. Wer das nicht tut, muss sich die Geschichte allein aus Andeutungen und Gesprächsfetzen zusammenbasteln – und selbst dann erfährt man nicht viel mehr als die bekannte Sortierung „Blechtrommel – SPD-Werbefigur – Nobelpreisträger“. Bis auf die späte SS-Debatte erleben oder sehen wir seine biographischen Stationen nicht, wir hören nur davon. Das ist für nen Film zu wenig.

Auch bei den Interviewgästen – darunter ein Ex-Kanzler und eine Grass-Tochter – sind viele, die zwar gern ihren Kopf ins Bild halten aber dafür wenig sagen. Grass selbst liefert dagegen einige präzise Miniaturen zu Danzig, zum Alter, zur SPD. Aber die Arbeit richtige Fragen zu stellen überlassen die Filmemacherinnen anderen: Schülern, die wissen wollen, für wen er eigentlich schreibt oder seiner „Familie“ von Übersetzern, die herausbekommen wollen, welches Wort in ihrer Sprache das richtige ist wenn in seinem Text „Geliebte“ steht.

Grass kommt dabei immer klug, höflich und ruhig rüber – ein elder statesman, eine Art literarischer Genscher – so dass man sich schon fragt, was an dem Herrn mit der Pfeife und dem Hundegesicht jetzt bitte das „Unbequeme“ sein soll? Am ehesten noch scheint es ihm unbequem zu sein, ständig zur Symbolfigur für irgendwas gemacht zu werden, so dass er nicht in Ruhe töpfern oder unanständige Verse schreiben kann.

So bleibt der Film nicht mehr als ein Grass-Appetithappen, der einen auch nach 90 Minuten noch hungrig nach handfesten Erkenntnissen lässt.

WERTUNG: 4

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