DVD: „Schlechte Frisuren, Vol. 2“

„Blue Velvet“ , David Lynch, 1986.

Oh jeh, der Fluch der 80er setzt sich fort in diesem zweiten Schnäppchen von der DVD-Börse. Diesmal sind es Laura Dern und Isabella Rosellini, die um die scheußlichste Frisur wetteifern: Dern trägt den Haarschnitt eines Pudels und Rosselini jene 80er-Löwenmähne, die Kate Bush in „My Lionhaar“ besungen hat. Den Kampf um den ekligsten Akzent gewinnt jedenfalls Rosellini mit ihrem italienisch-englisch und am nervigsten von allen ist Dennis Hopper, der mal wieder den durchgeknallten gibt.

Aber von vorn: Also ein Typ (Kyle MacLachlan) findet ein Ohr auf ner Wiese und will rauskriegen wie das da hinkam. Die Spur (naja, Spur ist übertrieben, der Plot wird halt willkürlich losgekickt, aber Lynch darf das, sind ja Träume, keine logischen Erzählungen was er macht) führt in zur einer Sängerin, die scheinbar dauernd nur Blue Velvet singt und mit der er eine recht ungesunde Liebesaffaire beginnt. Dazu kommt dann noch ein oberirrer Killer, der den Buben auf eine Horrorfahrt ins nächtliche Lynch-Land mitnimmt.

Farben, Musik und gruselige Stimmung sind wie immer bei Lynch Top, aber irgendwie ist mir hier alles zu eklig, ohne dass es dafür einen anderen Grund gibt, als dass Papa Lynch nach seinem Mainstream Debakel „Dune“ halt mal wieder richtig aufdrehen wollte. Die Konfrontation Spießer vs. Gangster ist dann auch in vielem weitaus plakativer und konventioneller als in späteren Lynch-Werken, wo Verbrecher und Bürger nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.

Ein weiteres großes Problem (neben den Haaren!) – das sich dem Publikum 1986 sicher noch nicht gestellt hat – ist, dass ich Kyle MacLachlan in keinem Moment den netten Schüler von nebenan abnehme. Mann – der Typ ist einen Kopf größer als alle anderen in dem Film und lässt sich von dem Giftzwerg Hopper schikanieren? Wann zückt er seine Marke und zeigt, dass er in Wirklichkeit F.B.I. Agent Cooper ist?

Nee, also schlecht gemacht ist das nicht, but not my damn fine cup of coffee.

WERTUNG: 3

Advertisements

2 Gedanken zu “DVD: „Schlechte Frisuren, Vol. 2“

  1. Liegt sicher vor allem daran in „rückwärts“ zu sehen – also nach Mullholland, Lost Highway und Twin Peaks, die sämtliche Elemente dieses Films wesentlich raffinierter präsentieren. Kann mir schon vorstellen, dass der damals in den 80ern revolutionär war. Heut wirkt er halt wie – ein weiterer Lynch. Und Hopper als Psycho kam danach auch so oft wieder, dass man es einfach nimmer sehen kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s