DVD: Trzy kolory – Czerwony

Jetzt wird es spannend: Irgendwie schreit dieser Abend nach etwas besonderem und fühlt sich dabei polnisch an. Also kommt ein Film, den ich mir lange aufgespart habe. Der letzte eines wirklichen Großmeisters und der dritte Teil einer Reihe – deren erster irgendwo ganz, ganz da oben ist und deren zweiten ich in der Mitte abgebrochen hab. (Comedy scheint nicht wirklich das Fach des Herrn zu sein.)

Ein bischen fürchte ich, dass das Finale auch nicht an den Anfang heranreichen wird, aber heute muss es sein. In anderthalb Stunden wissen wir mehr!

Mesdames & Messieurs, Ladies & Gentlemen:

Krzysztof Kieslowski: Drei Farben Rot (1994)

(…fortsetzung folgt…)

Puh, und hier sind wir nun zwei Stunden später. Was gab’s zu sehen?

Eine Frau (die ein bischen aussieht wie Ruth) fährt einen Hund an. Sie sucht den Besitzer und findet einen alten, pensionierten Richter, der in seinem Haus ein seltenes Hobby pflegt: Das Leben der anderen. Mit einer speziellen Maschine hört er die Telefongespräche seiner Nachbarn ab. Außerdem gibt es noch eine zweite Geschichte, über einen jungen Richter, der bei der Frau nebenan wohnt und seine Geliebte…

Formal treffen trockene Diskurse über Gerechtigkeit (nicht über Brüderlichkeit, wie zu vermuten wäre) auf ungewöhnlich flippige Kamerafahrten und überdeutlich stilisierte Details (dauernd ist irgendwas knallrot). Auch der Bogen zu den ersten zwei Teilen, der ganz am Schluss geschlagen wird, fällt erstaunlich plakativ aus (besonders im Vergleich zum Mini-Sneak-Preview der Gerichtsszene in ‚Blau‘).

Die scheinbar schlichte Geschichte treibt sich bis zum Ende in immer neue Höhen, wie der untermalende Bolero von Preisner: Könnte der olle Richter eine Metapher für Gott sein (immerhin fühlt sich das hier wie ein letztes Stück Dekalog an: Was wenn der oberste Richter sich selbst hinrichtet um seine Schöpfung zu richten?) oder ist er das Spiegelbild / Alter Ego / Traumgebilde des jungen Richters oder umgekehrt? Und schließt das eine das andere aus? Oder narrt uns ein cleverer alter Pole nur mit einer verrückten Konstruktion???

Was bei mir am Ende bleibt ist sanfte Verwirrung – und die ungestillte Sehnsucht nach der Klarheit von „Blau“. Eigentlich würde der Film im oberen Mittelfeld rangieren, doch hier bleibt das Gefühl, das jede Wertung nur auf den zurückfällt, der sie vergibt: Gut möglich, dass ich noch nicht so weit bin, sowas zu dechiffrieren oder einzuordnen.

Deshalb hier erst- und vielleicht einmalig – die

WERTUNG – 0
Denn Du sollst nicht richten !

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4 Kommentare zu „DVD: Trzy kolory – Czerwony

  1. Hast du ihn gesehen?
    Ich glaub es gibt im Kino 100 000 Filme auf die man herabblicken kann und sagen: Das ist so und so. Und zu manchen kuckt man eher rauf. Das ist doch auch eine Art Wertung.

  2. Ich hab‘ vor vielen Jahren mal einen langen Krzysztof Kieslowski-Themenabend veranstaltet – mit allen Filmen, die die Uni-Filmbib damals hergegeben hat. War sehr intensiv …

    „Drei Farben Rot“ habe ich nicht mehr vor dem geistigen Auge … nur noch ein paar Bilder aus „Ein kurzer Film über das Töten“, der mich beeindruckt hat.

  3. Schau „Blau“
    Etwas traurig, aber unglaublich gut. Beamer nicht vergessen (Kamera: Slawomir „Filtergott“ Idziak). Und dicke Boxen für die Europasinfonie! Kieslowski rulez.

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