Hier soll eine kleine Sammlung von Momenten entstehen, wo Filme in der Deutschen Synchro dem Zuschauer etwas ganz anderes erzählen. Es geht dabei nicht um Fun-Synchros (“Die Zwei”, “Ritter der Kokusnuss” etc.) oder um löbliche Versuche, eine bessere, freie deutsche Formulierung zu finden.
Es geht um grobe Fehler und faustdicke Lügen!
Wer auch was findet kann es an filterknecht[äd]cassandrasrun.de schicken.
Und hier die Liste - sortiert nach Erscheinungsjahr!
Die Glorreichen Sieben (1960)
(Gespräch über die versteckten Frauen des Dorfes bei 1:00:18)
OV:
Chico (Horst Buchholz) : “Their Families told them we’d rape them!”
Chris (Yul Brunner) : “Well, we might”
Wörtlich:
“Ihre Familien haben ihnen erzählt wir würden sie vergewaltigen.”
“Nun, das könnten wir”.
Synchro:
“Diese Farmer! Sie haben ihnen erzählt wir würden sie rauben!”
“Soll ja vorkommen.”
Lügenwert:
Fatale Moralin-Lüge: Hier verharmlost die deutsche Synchro einen wichtigen Wendepunkt: Das trockene “Well we might” von Brunner – dem “Guten” in dem Film – zum Thema Vergewaltigung war die Grabinschrift des klassischen US-Westerns. Nach dieser Replik war der Westernheld nie mehr der Saubermann wie früher. Ausser natürlich bei uns.
Zazie dans le Metro (1960)
O.k. French kann ich leider nicht gut, aber ich verstehe, dass sich bei 1:01:20 zwei Charaktere verloben. Den folgenden Satz übersetzt der dt. Untertitel (der sonst recht genau scheint) mit:
“Wir werden heiraten. Es wird sich nichts verändern. Nur wenn wir eine Nummer schieben ist es jetzt legal!”
Die Synchro ist viel bräver:
“Im Grunde ändert sich nicht viel. Nur dass wir jetzt auch zusammen essen. Und uns nen neuen Kleiderschrank kaufen der für beide reicht.”
WERTUNG: Gibt’s keine, weil ich das Original ja ned versteh. Vielleicht kanns sichs mal n Franzos’ anhören.
Once upon a time in the West (1968)
Ziemlich am Anfang: Fünf Schurken metzeln eine Familie nieder. Übrig bleibt ein kleiner Junge, der sie ängstlich ansieht. Einer der Schergen sagt zum Schurkenboss:
Scherge: “What are we gonna do with this one, Frank?”
Frank: “Now, that you’ve called me by name…” PENG!
Wörtlich:
“Was machen wir mit dem da, Frank?”
“Nun, da du meinen Namen genannt hast…” PENG!
Deutsche Fassung:
“Haben wir den richtigen erwischt, Frank?”
“Du sollst meinen Namen nicht nennen.”
Wertung: Aua! Während im englischen Zweizeiler sich alles um die zentrale Person (den Jungen!) und sein Schicksal dreht, ist die Synchro viel unkonzentrierter. Wer ist der “richtige”? Wieso sollen diese Schurken zweifeln? Wie wir später erfahren, arbeiten sie in jemandes Auftrag, diese Farm in der Wildnis zu räumen – und weit und breit gibt es keine andere. Der Junge ist raus aus der Frage – und auch aus der Antwort: “Du sollst meinen Namen nicht nennen” ist eine Sache zwischen Frank und dem Schergen – unsere Emotion soll aber beim Buben bleiben “Now, that you’ve called me by name…” leitet die Konsequenz – das “Peng!” ein. Sehr, sehr schade. Bei einer Stelle mit so wenig Text, so schlecht zu übersetzen.
Ausserdem ist anzumerken, dass sehr viel später, bei 2 Stunden 20 Minuten ein zentraler Moment für die Charaktermotivation (den ich nicht weiter spoilern werde) sehr seltsam übersetzt wird. Da wird nämlich aus “Keep you lovin brother happy” ein “Na komm, spiel mir das Lied vom Tod!”.
Sehr, äh, kreativ. Aber ich muss zugeben: “Halte deinen liebevollen Bruder bei Laune” hätte keinen besonders schmackigen deutschen Titel abgegeben.
An Amerikan Werewolf in London (1981)
(Ein genervter Doktor am Telefon bei 00:21:10)
OF: “If I survived Rommel, I’m sure I can surivive another excrutiating evening with Roger Matheson! Be a good girl, bye now.”
Wörtlich:
“Da ich Rommel überlebt hab bin ich sicher, dass ich auch einen weiteren quälenden Abend mit Roger Matheson überleben kann! Sei ein braves Mädchen, tschüss jetzt.”
DF: “Wenn ich hier laufend das Essen in der Kantine überlebe, werd ich auch einen Abend mit Roger Meier überleben, oder? Ausserdem hab ich was gegen Sodbrennen bei mir.”
WERTUNG:
Teutonen-Schonen-Bizarr: Den Feldherrn Erwin Rommel durch ein Abendessen zu ersetzen ist schon ein äußerst gewagter Vergleich. Zum Ausgleich wurde Herr Matheson arisiert. Das mit dem Sodbrennen ist mir auch ein einziges Rätsel. Insgesamt sehr merkwürdig. Wohl vom Wolf gebissen.
South Park – der Film (1999)
(Die Jungs surfen auf eine “Ab-18″-Seite, bei 0:38:05)
Kids: “Welcome to German-Sick-Fetish-Video”
Video: “Essen mein Sheisser!”
Kids: “Dude…what the fuck is wrong with German People?”
Jungs: “Willkommen bei English-Sick-Fetish-Video”
Video: “Swallow my Poopoo!”
Jungs: “Also, was zum Teufel ist los mit diesen Engländern?”
LÜGENWERT:
Sanftes Teutonenschonen. Immerhin liebevoll gemacht.
The Matrix (1999)
Neo hat die rote Pille gewählt und will wissen was vorgeht (00:29:22)
Cypher:
OF: “It means buckle your seat belts, Dorothy – cos Kansas is goin’ bye bye!”
= “Das bedeutet, dass du lieber deinen Sicherheitsgurt anlegen solltest, Dorothy – weil Kansas winke, winke macht!”
DF: “Das bedeutet, dass du dich lieber anschnallen solltest – hier wirds nämlich gleich sehr ungemütlich werden.”
WERTUNG:
Ups: Klar, die Poesie des Originals ist nicht ganz zu übersetzen. Aber hier verlieren wir nicht nur eine Anspielung auf “Wizard of Oz”, sondern auch einen recht subtilen Moment der Rivalität zwischen Cypher und Neo (der wiederholt mit Mädchennamen bezeichnet wird ‘feel like alice’). Das (im ersten Teil) sehr dichte Netz aus Anspielungen und Feinheiten der Matrix kriegt durch die Synchro hier einen leichten Riss.
Etwas später gibts dann Unstimmigkeiten bei der Bezeichnung eines Müslis (Tasty Wheat / Sex Crispies) aber richtig interessant wirds beim Orakel (1:12:07)
OF: Neo: I’m not the One.
Oracle: Sorry, kid.
Wörtlich:
Neo: Ich bin nicht der Auserwählte
Orakel: Tut mir leid / Schade, kleiner.
DF:
Neo Ich bin nicht der Auserwählte.
Orakel: Leider nicht, kleiner.
Na sowas: Während im Englischen das Orakel auch bedauern könnte, dass Neo noch nicht bereit ist macht es im Deutschen alles klar: Neo isses nicht. Komisch. Wer isses dann? Ich bin für Morpheus. Oder Cypher. War eh langweilig, dass Neo es war…