Filmanfänge II (1968-1973)

Fortsetzung der “Kleinen Geschichte der Filmanfänge”.

Jeder Film bekommt genau 5 Minuten (gemessen ab Beginn des ersten DVD-Kapitels) um sich zu beweisen. Was rockt bekommt bis zu 3 +, was suckt bis zu 3 – .

Damit es spannender wird, sind die Filmnamen unter dem Link versteckt – zum mitraten!

Los geht’s!

Zwischenstopp 1968 – Was bisher geschah

Nachdem jahrzehntelang Filme mit Orchesterfanfaren, langen Titeln und dann einer großen Eröffnungstotale (einer Landschaft oder einer Straße) begannen hat die “Neue Welle” der Franzosen nun gehörig frischen Wind reingebracht. Während auf der einen Seite das ‘echte Leben’ mit Ecken und Kanten – inklusive Sex und Gewalt – ins Bild drängt haben die Italiener mit ihren seriellen Western die Liebe zum puren Stil und zum Detail entdeckt.

Es ist das Kino einer neuen Generation. Kino der Söhne. Kino der Erben.
Es gibt kein Neuland mehr: In jeder Westerngegend war John Ford schon gewesen, Fritz Lang in jeder europäischen Studiokulisse, Kurosawa in jedem japanischen Samuraidorf.
Was tun?

Die Filmemacher der nächsten Generation – die nun weltweit in den Startlöchern stehen und sich ‘jung’ und ‘neu’ nennen – machen erstmals offensiv ‘selbstbewusstes’ Kino: Filme, die offen zeigen dass sie nicht natürlich sind, die den Apparat sichtbar machen (Projektoren, Kinosäle, Kameras, Tonangeln) – ein Kino, das weis, dass es eine Technik hat – und eine Geschichte.

Das kann die Form einer Hommage haben – bei der alte Schauspieler ausgegraben und in modernen Kontext gestellt werden – oder die einer Abrechnung, eines Bruchs mit den Konventionen. Dennoch: Das ‘neue’ Kino funktioniert nur im Dialog mit dem ‘alten’: Ohne “Opas Kino”, kein “Junger Film”
Ob und wann die neuen Formen zu neuen Stereotypen gerinnen werden – wie wir es bei den Italienischen Western und ihren immergleichen Vorspännen deutlich sahen – bleibt abzuwarten.
Das Kino hat angefangen, über sich selbst nachzudenken.
Und es wird so schnell nicht damit aufhören.

Ein Film von 1968

Der Paramount-Berg. Rauschen. Ein Titel blau auf schwarz. Plötzlich ein kreischender Vogel! Ein Rabe vor dunkelblauem Himmel. Wellenbrandung an kantingen Felsen. Donner. Ein Gruselschloss. (Elektronisch) tapsend stapft ein grauhaariger Mann innen die Treppe runter. Über seinem Kopf hängt dick der Filmtitel. Der Donner grollt, während weitere dicke, weiße Titel eingeblendet werden. Der Mann öffnet ein Eisengatter mit einer Kette. Zum Einsatz unheimlich quietschender Geigen kommt ein junger Mann durch eine Holztür – er rennt auf den Alten zu: “Baron! Baron! Sie dürfen nicht gehen…” – doch dieser wirft ihn mit einer Berührung seiner Hand zu Boden und macht sich weiter an der Türkette zu schaffen. Hinter ihm fällt das Eisengitter krachend nach unten, während der Junge sich mühsam aurappelt – völlig begraben von weißen Titeln, die nun fast das ganze Bild bedecken. Noch einmal ruft er durch das Gitter den Baron, der nun eine zweite, eine Gehimtür geöffnet hat und darin verschwindet. Donner über dem Schloss. Ein anderer junger Mann mit Uniform. Er versucht mit einem Brecheisen eine dicke Stahltür zu öffnen, auf der steht: “Ilsa Baroness von Lepe – R.I.P.”. Erst als er sich selbst dagegen wirft, geht sie auf. In der geräumigen Gruft der Baron. Er nähert sich einem Sarg. Unter Donner sehen wir das Bild einer jungen Frau. Ihr Körper geisterhaft verschwommen. Nur ist Gesicht ist scharf. Der Baron öffnet den Sarg: Darin ein blutrotes Seidentuch. Der Baron reisst es zu Seite: Ein Männergesicht. Er schreit. Donner über dem Schloss. Der Rabe. Der Baron eilt zu einer weiteren Seilwinde, immer noch beobachtet von der geisterhaften Frau, die er nicht zu sehen scheint. Er dreht die Winde und öffnet eine Schleuse. Wasser schiesst hervor. Da springt die Frau auf ihn zu, sie beginnen zu raufen. Mehr Wasser. Mehr Brandung. Sie würgt ihn. Das Wasser bricht durch die Wand, der Raum beginnt zu fluten. Jetzt eilt der erste junge Mann die Treppe herunter, die beiden kämpfenden stehen schon bis zum Hals in Flutwellen. Er wirft sich beherzt in das Wasser. Nun kommt auch der zweite, uniformierte Junge die Treppe herab. Ebenfalls ins Wasser. Der erste Junge versucht die Frau vom Alten wegzuziehen. Der Uniformierte zieht sie schließlich aus den immer wilder tobenden Fluten. Das Orchester kreischt. Die anderen drei scheinen unter dem Wasser verschwunden. Die Krähe kreischt und fliegt davon. Dazu die Einblendung: “THE END”.
Schnitt auf einen Film-Vorführsaal. Hinten das Licht des Projektors. Vorne eine handvoll Menschen im Dunkel. Darunter ein alter Mann. Zuerst sehen wir sein Gesicht nur vom Projektorlicht erhellt, dann geht das Raumlicht an. Es ist der Darsteller des Barons. Nur diesmal jetzt mit Brille, Oberlippenbart und Anzug. Traurig blickt er zu Boden. Am Telefon spricht ein Manager über die Kosten des Films, ein anderer Typ fragt ob jemand Lust auf schwimmen hat. Der Alte nimmt seine Brille ab. Eine junge, asiatisch wirkende, Frau mit gelben Stirnband, Arbeitstasche und Kugelschreiber , die bisher neben ihm saß steht auf und begrüßt einen jungen Typen mit gelbem Pulli, der zwei Reihen hinter ihr sitzt: “Du bist spät dran.” “Jemand hat mich bis 4 Uhr wach gehalten”, sagt er. “Jemand den ich kenne?”,fragt sie und spielt mit ihrem Stift an seinem Knie. “Wie hat dir der Film gefallen?” fragt er zurück. Sie sagt “Ich mochte es”, klingt dabei aber nicht überzeugend. “Wirklich?”,sagt er. “Ich nicht. Aber danke.”Inzwischen ist der Produzent mit seinem Telefonat fertig, klaut seinem Assistenten eine Zigarette und fragt den Alten – einen Byron (!) Orlock (!) – ob er die Werbeanzeige für den Film in der Zeitung gesehen hätte. “Nein”, meint Orlock müde und schleicht zum Wasserautomaten, während der Produzent weiter prahlt: “In 100 Kinos wird dieser Film morgen anlaufen!”. Er schnappt dem gelbpulli-Regisseur ein Skript weg (genauso wie vorhin dem anderen die Zigarette) – “Ist das das neue Stück! Das ist ein Kunstwerk! Das ist die Art von Besitz für die ich gerne meinen Namen hergebe!”. Byron steht derweil in der Ecke, Gesicht zur Wand: “Ich mache keine Filme mehr”, sagt er ruhig und befördert seinen Pappbecher in den Abfalleimer. Was? Was? Was? “Ich höre auf.” Der Produzent will wissen, ob das ein Scherz sei: “Ich hab in dieses Skript schon Geld gesteckt”, er wedelt mit dem Buch. “Aber nur weil ich weiss, dass Byron Orlock mitspielt!” “Ich habe nichts unterzeichnet”, sagt Byron. “Das haben wir nie! Wir haben immer nur Hände geschüttelt! Was ist los, mochtest du diesen Film nicht?” Byron wehr ab: “Überhaupt nicht, Samy (der Gelbpullytyp) hat sehr gut Regie geführt.” “Deswegen hat er ja auch das neue Skript schreiben dürfen! Hast du es gelesen? Es gibt dir wirklich neue Möglichkeiten!”. Schweigende Blicke. …ENDE

WERTUNG: + +
Na, zuviel versprochen? Ein Anfang der ein Ende ist, das ein Anfang sein kann. Toll, wie hier zwei Formen exemplarisch aufeinanderprallen, plus die großartige, stille Trauer, die Boris Karloff hier vermittelt. Ein kluger, selbstreflexiver Beginn für einen Film des ‘neuen’ Hollywood.

Ein Film von 1969
Fox-Logo. Aus der Unschärfe schält sich der Filmtitel, der praktisch sofort wieder verschwindet und den Blick frei gibt auf eine wilde Berglandschaft. Zu hippiemäßigem Gesang fliegt ein schwarzer, libellenartiger Hubschrauber darüber. Dazu Titel in Weiß. Der Hubschrauber trägt amerikanische Farben und auf einer Trage bei der Kufe einen blutigen Körper. Ein zweiter dieser Hubschrauber fliegt in der Nähe. Die Sänger singen darüber, dass Selbstmord schmerzlos ist und viele Veränderungen mit sich bringt. Die Hubschrauber landen in einem Tal, wo sie von Männern in Armeklamotten empfangen werden, die sich unter dem Wind der Rotoren ducken. Wir hören aber weiterhin nur die sanfte Musik. Die Verwundeten werden fortgetragen, die Hubschrauber heben wieder ab. Jetzt sehen wir von oben wie die Hubschrauber über die Militärzelte mit dem roten Kreuz unten fliegen. Sie landen erneut auf einer Landefläche, die gerade von Jeeps geräumt wurde. Wieder werden verwundete abgeladen. Die Titel sind zuende, der Song auch. Nun hören wir die Rotoren, sind erstmals nah bei vier Leuten. Ein Arzt mit Weißkittel. Einer mit Stenoblock Ein kleiner mit Brille und ein großer mit dem Habitus des Chefs. Der Chef fängt an zu diktieren. Der kleine wiederholt was er sagt – und überholt ihn schließlich, weil er schneller spricht aber genau das sagt, was der Chef dann auch sagt. Der Blockmann schreibt: “…brauchen zwei neue Chirurgen”. Als er fertig ist haut der kleine ab. “Was war das?” fragt der Blockmann? “Ich habe alles Radar gesagt”, meint der Chef und deutet dem bebrillten nach. “Was?”

Schnitt. Links ein großes Zelt, unscharf. Rechts ein Schild: “Officers Latrine”. Fanfaren! Unter dem Schild kommt ein Mann um die Ecke. Armegrün mit riesigen Taschen, Brille, zwei kleinen Köfferchen und einer latent albernen Mütze. Die Fanfaren gehen in einen fröhlich-heroischen Marsch über, während eine Einblendung auf der unscharfen Zeltwand sagt: “Und dann gab es… KOREA”, gefolgt vom schmackigen Zitat eines Generals der sich in die Rente verabschiedet. Unser Mann kommt näher. Links noch ein Zitat: “Ich werde nach Korea gehen! – Dwight D. Eisenhower.” Unser Mann überquert den Platz und stellt seine vielen Taschen auf einen Jeep. Ein schwarzer nähert sich von hinten. Als er den Taschenmann anspricht verstummt der Marsch: “Was zur Hölle tun sie da?” “Ich äh…” “Sie sind hier nicht der Chef! Ihr Fahrer ist gleich da! Er trinkt nur noch Café”. “O.k.” Der Taschenträger blickt dem schwarzen nach. “Rassist”, murmelt er. ..ENDE.

WERTUNG: + +
Der Kontrast zwischen den Bildern mit kriegsverwundeten und des gar lieblichen Songs (mit dem gar unlieblichen Text) ist sehr stark und wird in der nächsten Szene übernommen und umgedreht: Militärische Musik zu Einblendungen mit lustigem Unterton und einem Helden der viel zu locker scheint fürs Militär. Gibt einem definitiv das Gefühl, dass hier ein besonders schräger Film seinen Anfang nimmt.

Ein Film von 1969
Titel in weißlichem Blau auf schwarz. Dann Orange über der weißen Silhouette eines liegenden Paares. Auf der Tonspur: Rauschen und ein ruhiges Orgelthema. Geigen übernehmen. Überblendung zum Rückfenster eines Autos: Lichter verschwinden in der Nacht. Ein junger Mann mit blauem Halstuch, der verdeckt auf der Rückbank lag, setzt sich auf. Er nimmt Geld aus seiner Brieftasche, steckt es achtlos ins Jackett. Aus der anderen Tasche zieht er ein Brötchen – wirft es weg. Jede Menge Papiere und Stifte holt er noch aus seinen Taschen. Das was er sucht scheint er nicht zu finden. Er fragt den Fahrer nach einer Zigarette. Der gibt ihm eine, nicht ohne den Kommentar: “Sie haben jetzt 2 Stunden geschlafen! Ich hab sie mitgenommen, damit sie mich unterhalten!” (Ich merke, dass ich keine Untertitel brauche, weil Deutsch geredet wird und schalte sie ab.) Der Fahrer – von dem wir nur die Hand und ein Stück weißes Hemd mit Manschettenknopf sehen – gibt dem Jungen Feuer. Er raucht. Jetzt sehen wir den Hinterkopf des Fahrers, eine dunkle Silhouette. “Wo wollen sie aussteigen?”, fragt er. Der Junge nimmt einen Schluck aus einer Flasche und meint dann: “Fahren sie zum Take Five”. “Das ist nicht meine Richtung – ich muss nach Salzburg.” “Das können sie immer noch.”
“Sie sind ein Gammler, nicht wahr?”, fragt der Fahrer, eher interessiert als vorwurfsvoll. “Sie verlieren nur 10 Minuten”, antwortet der Junge. Das Auto – ein weißer Mercedes, Münchner Kennzeichen – hält. Jetzt hört man Twang-Wawa-Musik von aussen. Der Junge steigt aus: Leder-Sporttasche, Tengelmann-Tüte. Sie verabschieden sich. Als der Fahrer wieder abdampfen will, schnorrt ihn der junge Mann um 10 Mark an. Nix gibts. Das Auto fährt davon. Der Junge geht auf ein Haus zu. Neonlichter. Die Twang-Musik wird lauter. Er schellt. Mehrmals. Ein Sehschlitz öffnet sich in der Tür: “Neinnein!” sagt der Türsteher, “Doch!”, sagt der Junge. “Ohne Krawatte – nichts zu machen.” Sehschlitz zu. Vor dem Schaufenster des “Disco Center – Münch… groß… Schall…” legt er seine Bündel ab, tut sein blaues Tuch in die Sporttasche. Währenddessen kommt eine Frau im gelben Kleid mit weißen Blümchen hinter ihm vorbei, geht zur Clubtür. Er holt eine Krawatte aus der Tasche: Gelb, mit roten Punkten. Noch ein Typ – im weißen Jackett geht an ihm vorbei – in dessen Windschatten geht auch er ins “Take Five”. Doch der Türsteher stoppt ihn innen: “SIE gehen hier RAUS!”. Der Mann im weißen Jackett dreht sich um: “Was ist los Junge?”, fragt er mit starkem ausländischem Akzent. “Was kommst du nicht?” Mit patriarchischer Hand auf der Schulter leitet er unseren ‘Gammler’ in den Club. Der dreht sich noch mal triumphierend zum Türsteher um und zeigt ihm demonstrativ seine Krawatte. Auch seine Tasche hat er noch. Der Jackettman sagt zu ihm: “Ich bin Freddy. Ein wunderbares Mädchen. Sie guckt hervorragend. Ich werde heiraten.” (Hm? Ich schalte die Untertitel wieder an. Da steht: “Ich bin verliebt, ein wunderbares Mädchen, sie kocht hervorragend. Ich werde sie heiraten.” Ach so.) ENDE.

WERTUNG: +
Die muffige Münchner Spießerstimmung ist gut eingefangen und wirkt realistisch. Noch ist aber nicht klar, ob unser Held, der ‘Gammler’, als Identifikationsfigur taugt, wir wissen noch zu wenig über ihn. Abzüge gibt’s auch für den unverständlichen Akzent von ‘Freddy’, der ohne Untertitel nicht zu verstehen ist.

Ein Film von 1969
Das Fox-Logo, in Sepia Braun. Schwarz. Rattern eines Projektors. Auf der linken Seite erscheint eine kleine Minileinwand (Sepia-Braun), darauf erst Fitzeln dann der Titel “Die Hole in the Wall Gang”. Stummfilmbilder von Cowoboys. Rauch am Horizont. Wieder Titel “ist nun schon lange tot”…”Aber einst beherrschte sie den Westen!”. Wieder die Cowboys, der Rauch ist ein ankommender Zug. Während ruhige Musik anhebt setzen die Cowboys Masken auf und reiten auf den Zug zu (immer noch sepia, stummfilm, auf der mini-leinwand links). Rechts erscheinen die Filmtitel. Die Banditen stoppen den Zug. Einer schiesst vom Dach aus in die Fenster. Säcken werden aus den Wagons gereicht. Die Fahrgäste drücken sich ängstlich an die Aussenwand, von Pistolen in Schach gehalten. Die Musik wird besonders nett und romantisch als ein Wachmann aus dem Zug kommt – und erschossen wird. Nun kommen andere Reiter vom Waldrand am Horizont her – sie feuern. Die Banditen feuern zurück, aber die meisten von ihnen fallen tot um. Zwei können sich auf ihre Pferde retten und reiten zum Horizont, während eine Kreisblende sich um sie schließt. Schwarz. Stille. Aufblende zum Bild einer Mauer mit verschlossenem Fenster. Immer noch sepia, aber jetzt über die ganze Fläche des Bildes. Difuse Straßengeräusche. Wir zoomen auf das verschlossene Fenster und im Glas spiegelt sich das Gesicht eines jungen Mannes. Langsam verfolgen wir ihn, wie er mit weißem Hut, offenem Hemd und ernstem Blick um das Gebäude herumgeht. Überall dicke Mauern, vergitterte Fenster. Er geht hinein. Es ist sehr dunkel. Details: Ein Alarmknopf. Eine Alarmglocke – still. Eine Standuhr – schlägt drei. “Geschlossen”-Schilder werden in die Schalter gestellt. Ein Mann trägt einen Sack zu einem Safe: BLAMM. Riegel vor. Ein Polizist kommt herein. Die Bankleute verschliessen die Fenster (es wird jetzt sehr dunkel) und verlassen das Gebäude. Nun sind nur noch der Cop und der Mann im Raum: “Was ist mit der alten Bank passiert? Sie war so schön?”, fragt der Mann. “Die Leute haben sie ständig ausgeraubt”, sagt der Cop. “Eine kleiner Preis für Schönheit”, sagt der andere und geht hinaus. BLAM. Tür zu. Schnitt zu einem anderen Mann, schwarzer Hut, der gerade Karten spielt…ENDE

WERTUNG: +
Wieder ein Film, der sehr bewusst und spielerisch damit umgeht, dass er auf keinen Fall der erste seiner Art ist. Der Stummfilm am Anfang ist nett, wenn auch nicht überragend glaubwürdig (die schnelle Schnittfolge sieht zu modern aus), die Kreisblende ein schöner Übergang. Dass es dann mit einer recht emotionslosen Aufnahme einer Mauer mit Fenster weitergeht ist etwas fad, der Effekt, das jetzt das volle Bild genutzt wird, wird dadurch etwas verschenkt. aber der Held macht einen sympathischen Eindruck und der Dialog über die gefährliche Schönheit ist wirklich gut.

Ein Film von 1969
Das (neu eingefügte digitale) Warner-Schild. Dann noch einmal das Warner Schild. Stilisiert in schwarz, weiß vor einer Art Zeichnung von Reitern. Düstere Musik, in die sich freundlichere Gitarrenakkorde mischen. Übergangslos wird die ‘Zeichnung’ zum bewegten Farbbild, die Reiter, uniformiert wie Soldaten, reiten auf uns zu. Militärische Trommeln. Die Reiter frieren wieder zum schwarz-weißen ‘gezeichneten’ Standbild. Darüber der Main-Title. Trompetenfanfaren. Wieder Farbe, weiter geht der Ritt durch den Staub. Eine Gruppe Kinder kauert am Boden, scheint etwas zu spielen: Sie haben einen großen Kreis aus Stöcken gebaut. Hinter ihnen kommen die Reiter entlang der Eisenbahnschine näher. Die Kinder sehen kurz auf zum Chef der Soldaten – dessen Gesicht wieder zu einer Zeichnung gefriert während der Name des Schauspielers daneben steht. Die Kinder grinsen die Soldaten weiter an, die weiter eingefroren und vorgestellt werden. Jetzt sieht man was die Kinder spielen: Sie haben einen Skorpion zwischen den Stecken und versuchen ihn mit einem dünnen Ast umzudrehen und in die wartende, wuselnde Menge roter Ameisen zu werfen, die auf den fetten Brocken warten. Begiesterte Kindergesichter (die mehrfach für Titel einfrieren) blicken auf die Ameisen, die über den Skorpion herfallen. Dazu kommt eine Stimme: “Du sollst keinen Alkohl oder hochprozentiges trinken…”. Schnitt auf einen dicken Prediger im schwarzen Anzug hinter einem Holzpult. Sein Publikum: Viele begeistert nickende alte Frauen. Wenige alte Männer. “…sonst musst du sterben!” Die Soldaten reiten an der Versammlung vorbei, die unter einem braunen Tuch von der Sonne geschützt wird. “Nun Leute…(auch die Rede friert ein)…das steht in der Bibel! Aber in dieser Stadt: 5 Cent pro Glas! 5 Cent!….blabla… die Rede geht weiter, während die Musik sakraler wird und die Reiter durch eine feine Stra…(einfrieren)…ße reiten. Zwei Soldaten in der selben Uniform, die auf einer Bank hocken, stehen bei ihrem Anblick auf. Grüßen. Fre….eze. Fre…eze. …. Die Männer stei….gen ab. Der Cheffe nimmt seine Satteltaschen: “Alles ruhig, Sir”, bekommt er von einem der beiden von der Bank zu hören. “Dann rein mit uns!” Nachdenklich schaut er auf das Schild der “South Texas Wells Fargo Shipping”. “Folgt mir” Sie gehen…und rempeln zufällig eine alte Frau an. Sie entschuldigen sich höflich. Der Chef bietet ihr den Arm an, während sein Sidekick lustig die Augen verdreht. Die Musik verheisst trotzdem immer noch böses. Blick von oben auf die Szene über das Telegraphen-Kabel hinweg. … Es ist der Blick von Männern auf einem Dach. Männern mit Gewehren. “Thornton! Wachen sie auf! Die Soldaten!”. Schauen sie! Thornton öffnet die Augen und geht zum Rand des Daches…ENDE

WERTUNG: + +
Da hat wohl jemand viel italienische Western geguckt, was? Auch wenn die zahllosen Freeze-Frames etwas manieriert wirken, so kommt die düstere Stimmung doch gut rüber, viele Details (Kinder mit Skorpion, Antialkoholiker, nette Omma, bewaffnete auf dem Dach) machen neugierig wie’s weitergeht.

Ein Film von 1970
Der Paramount-Berg. Titel weiß auf schwarz in dieser militärischen Sprühschrift. Stille. Erst beim Main-Title kommt ab und zu Sound: Hundegebell, Vogelgezwitscher, Krähen. Langsame Aufblende: Eine Felslandschaft vor Sonnenaufgang. Davor ein See. Schließlich der Name des Regisseurs mit Wolfsgeheul. Die Sonne steigt schnell über das Gebirge. Geräusch eines Staubsauger? Nein, eines Propellerflugzeugmotors. Das Bild wird grau, im aufgewirbelten Staub sehen wir Flugzeuge mit Geschütztürmen losfahren. Unverständliche Durchsagen über Funk. Aufstiebende Vögel, rauchende Rotoren, mehr Staub. Wir schwenken über das Rollfeld: Mindestens fünf amerikansiche Kampfflieger (teils mit Zeichnungen nackter Frauen am Rumpf) sind hier startbereit. Dahinter ein völlig zerbombtes Haus. Ohrenbetäubender Motorenlärm. Die Kamera bewegt sich auf das ruinierte Haus zu, auf eine Gestalt, die dort im ersten Stock steht (eine Einstellung seit wir die erste Maschine starten sahen). Der Mann hat die Hände locker in den Hosentaschen und scheint die Flugzeuge zu betrachten. Hinter ihm stehen zwei weitere, die etwas sagen, was man im Lärm nicht versteht…ENDE.

WERTUNG: +
Schwierig: Die ersten drei Minuten klingen wie ‘Tierstimmen unserer Heimat’, dann gibts nur Flugzeugkrach. Aber die lange Kamerafahrt und das Aufgebot an Flugzeugen ist schon beeindruckend. Vorsichtig postiv gestimmt.

Ein Film von 1970
Aufblende: Ein Bett. Unter den Kissen rührt sich was, irgendwo tickt ein Wecker und macht dann schrecklich laut BRRRRRRRINNNG. Ein dünner Junge schält sich aus den Decken, stellt den Wecker ab und will weiterschlafen. Wieder das Ticken des Weckers, dann eine Stimme von der anderen Seite des Bettes: “Jud!”- “Was?”
“Du stehst besser auf” (schwerer englischer Akzent)
“Der Wecker hat geläutet!” – “Meinst du das wüsste ich nicht?”
“Jud!” – “Was?”
“Du kommst zu spät” – “Sei still”
(Der Junge links quengelt weiter, Jud fängt an ihn zu schlagen)
“Ich sags Mama!” – “Sei einfach still!”
(Müde reckt Jud sich auf.)
“Stellst du mir den Wecker auf sieben?” – “Hands off cocks – on socks!”
(Jud zieht dem andern die Deck weg und steht auf.)
KLAC! Helles Licht an! Der kleinere Junge fährt nun auch hoch:
“You rotten sod!” – “In ein paar Wochen wirst du auch mit mir aufstehen müssen!”
“Niemals – ich werde niemals in der Grube arbeiten!” “Wo denn dann?”
“Keine Ahnung, aber niemals in der Grube!” “Dazu musst du eh erst mal schreiben lernen, Winzling”.
“Mach wenigstens das Licht aus!” – “Machs selber!” (Jud geht. Der kleinere Bub steht auf , macht das Licht aus, kuschelt sich wieder hin.) Titel. Mittelalterlich wirkende Flötenmusik. Vor dem Fenster ist es jetzt hell. Der Bub steht auf, zieht sein Nachtzeug aus. Auch er ist sehr dünn. Er zieht ein kurzärmliges Hemd an (ohne T-Shirt oder Unterhemd). Er verlässt das Haus und geht zu einem Schuppen, inzwischen hat er noch Pulli, Jacke und Hose angezogen. Doch sein Fahrrad ist nicht drinn, wie wir an einem deftigen Fluch erkennen. Er rennt durch die Stadt. Kleine, rote Backsteinhäuser. Keine fahrenden Autos. Ein Hund rennt ihm bellend hinterher. Er rennt auf eine Wiese, wir bekommen einen Blick über die uniformen Dächer der Siedlung und auf das dampfende Bergwerk im Hintergrund – die Grube. Weiter rennt der Bub…ENDE

WERTUNG: + +
Viel passiert ja noch nicht, aber der erste Dialog ist ebenso glaubwürdig, wie auf den Punkt. Die Stimmung einer heruntergekommenen Industriesiedlung und des Lebens in ärmlichen Verhältnissen (das winzige Bett wäre für einen der Jungen gerade groß genug) kommt sehr gut rüber und die irgendwie fröhlich-traumhafte Flötenmusik sorgt dafür, dass sie nicht zu bedrückend wirkt. Ein sehr interessanter Beginn.

Ein Film von 1970

Titel “Valoria Films” über grob gewebtem Stoff. Bunte Titel auf Schwarz zu rhythmischer Percussion/Bläser-Musik. (Der deutsche Titel wurde nachträglich zwischen den französischen geblendet. Dadurch fällt auf wie unruhig der Bildstand ist: Der Franzosentitel wackelt wie sau.) Cut. Die Unterseite einer verschabten Holztür, irgend ein Straßenrand. Frauenbeine gehen vorbei. Sie trägt einen Geigenkoffer, eine beige Jacke und ebensolche Schuhe. Bei einem Obstladen stoppen die Beine. Sie ordert Mandarinen. “Voila, Mademoiselle!” “Non! Pas Mademoiselle – Madame!” Mit den Mandarinen gehen die Beine der Madame zu einem Haushaltswarengeschäft, stoppen wieder, gehen zurück. Cut. Die Beine hinter Eisengeländern, langsam gibt die Kamera mehr Blick auf die Madame frei. Eine rotblonde. Bei Zeitungsstand schneidet die Kamera auf ihr Gesicht. Süß. Sie kauft ein Bild des Tänzers Nureyev (2 Franc). Auch hier muss sie den Verkäufer berichtigen: Nicht Mademoiselle – Madame! (Die Musik akzentuiert das alles lustig). Jetzt eilt Madame ein Treppenhaus hoch, überholt einen alten Postboten in Leder, der ihr gierig nachsieht. Sein POV: Er guckt ihr unter den Rock. Sie kommt an eine Wohnung. Aus der offenen Tür eilt ein Typ mit Lederjacke und rotem Pulli, begrüßt sie mit einem Kuss, eilt dann weiter “Entschuldige – ich hab das rot vergessen!” Die Kamera folgt nun ihm, am grüßenden Postboten vorbei zu einem Gewächshaus. Er hat weiße Blumen, in die er Farbe giest damit sie rot werden. Eine Nachbarin findet das amüsant, ein böser Nachbar schimpft über die Farbe im Abfluss. Als die Kamera vom bösen Nachbarn zurückkommt sind die Blumen schon alle knallrot – bis auf eine. Ein dritter Nachbar kommt und ruft “Salu, Antoine! Immer noch am Aquarellieren? Du Nichtstuer…” er rennt weiter. Die Nachbarin wird jetzt verschwörerisch: “Wissen Sie, was ich getan habe, Antoine? Ich habe mir einen Pyama gekauft! Und die Hose weggeschmissen!”  Ein barsche Stimme ruft sie weg. Noch mehr Nachbarn, noch mehr Geschrei. Schnitt auf ein kleines, schäbiges Café in dem wieder einer schimpft. Die Nachbarin kommt herein – sie ist wohl die Frau des schimpfenden Wirts. Der Gast geht, während der Wirt weiter schreit. Jetzt geht alles immer schneller, die Kamera springt auf dem Hof hin und her. Alles ist voller Kinder und schimpfender Nachbarn. “Antoine! Telefon!”, ruft der Schimpfewirt. Antoine springt durchs Fenster in die Kneipe. Die Kamera folgt ihm mit einer eleganten Fahrt. ENDE

WERTUNG: +
Der Beginn mit den Beinen ist sehr interessant, auch das mit den Blumen ist witzig. Ansonsten etwas viel der typisch französischen Hektik. Ob das Chaos einem größeren Plan folgt oder einfach nur Chaos ist, ist noch unklar.

Ein Film von 1971

Das Fox-Logo – aber ohne die Fanfare. Schwarz. Dann mit funky Bläserakzent über stampfendem Rhythmus weiße Titel, die aus der Tiefe oder von den Seiten ins Bild rasen. Der letzte lautet “Marseilles” unter ihm blendet ein Stadtpanorama mit gigantischer Kirche ein. Sehr griselig. Wir zoomen davon, die Kirche ist eingerahmt von häßlichen Hochhäusern, abgefuckten Altbauten. Der Blick senkt sich in den Hafen. Ein Mann mit brauner Lederjacke kommt aus einem Laden, er knabbert an einem Toast-Sandwich. Kritisch beäugt er den Eingang eines Hauses auf dem “Fonfon” steht und aus dem gerade zwei Herren in feinem Zwirn kommen. Als sie mit einer großen Limousine davonfahren versteckt sich der Toastesser in einem Hausgang. Schnitt zu einem belebten Café an einer stark befahrenen Kreuzung. Die Kamera zoomt herein auf den Toastesser, der nun kein Toastesser mehr ist, sondern im Café sitzt und wieder aufmerksam um sich sieht (Nennen wir ihn ab jetzt mangels weiterer Information mal “Spion”!). Cut auf eine Gasse in der weiße Wäsche hängt. Der Spion, jetzt im blauen Trenchcoat geht durch die Gassen von Marseilles. Alte Mütterchen, Roller, Poster, schreiende Kinder. Alles sieht sehr authenthisch aus. Er raucht. Kommt mit einem Baquette aus der Boulangerie. Er steigt viele hutzelige Steinstufen hoch, drückt unterwegs seine Kippe mit dem Fuß aus. Ein Routinier. Er geht in einen engen Hausgang mit Kreide-Graffiti, öffnet einen stählernen Postkarten, entnimmt eine handvoll Briefe. Eine Pistole zielt auf ihn. Er schaut. Pistole. Er schaut. Der mit der Pistole ist ein hagerer mit Halbglatze. Er erschiesst den Spion. Mitten ins Gesicht. Blut explodiert über die Leinwand. Der Spion fällt um. Der Schütze – brauner Ledermantel, Lederhandschuhe – verlässt den Gang, nicht ohne vorher noch ein Stück vom Baquette des toten Spions zu klauen. Schnitt. Ein Hotdogstand in Amerika. Einblendung: Brooklyn. Der Hotdog-Verkäufer friert. Im Hintergrund sitzt Santa Claus. Grinsende schwarze Kinder antworten Santa was sie sich zu Weihnachten wünschen. “You like Santa Claus? You like Santa Claus, ey?” Aber auch Santa, der unter dem Bart recht jung aussieht, ist eigentlich mit etwas anderem beschäftigt. Durch ein Fenster beobachtet er ein paar schwarze an der Jukebox in der Kneipe nebenan. “Hey let’s sing a little Song!” ruft Santa und leutet seine Glocke “Jingle Bells”. Das scheint das Signal für den Hot-Dog-Man zu sein, der seine Mütze abwirft und den Laden stürmt. Er ist der einzige weiße dort drinnen. Funky Musik aus der Jukebox. Mit entschlossenem Gesicht eilt er auf einen der Gäste zu: “Steh auf – los!” Er filzt ihn kurz, sperrt ihn dann in eine Art Telefonkabine. Ein zweiter schwarzer mit großem Afro versucht zu flüchten. Hot Dog Man hinterher. Vor dem Haus drängen Santa und Hot Dog ihn in die Enge “Vorsicht Jimmy – er hat ein Messer!”  Zu spät. Der schwarze schneidet Hot Dog in den Arm. Rennt wieder. Die zwei hinterher. Santa verliert im Laufen seinen Hut. ENDE

WERTUNG + + +

Ein sehr schöner Anfang: Alles wirkt total authenthisch, als hätte jemand die Kamera irgendwo aufgestellt, wo diese Dinge passieren. Aber was für Dinge! Der Mord kommt sehr unerwartet, der abrupte Schauplatzwechsel auch. Die zweite Szene ist noch nicht genau durchschaubar – wer fandet hier undercover? Wie hängt das zusammen? Macht definitiv Lust auf mehr!

Ein Film von 1971

MGM-Löwe. UA-Logo. Dann Einblendungen, weiß auf schwarz: DIE REVOLUTION IST KEINE ABENDGESELLSCHAFT, KEIN LITERATUREREIGNIS, KEIN GEMÄLDE UND KEINE STICKEREI. SIE FUNKTIONIERT NICHT MIT ELEGANZ UND HÖFLICHKEIT. DIE REVOLUTION IST EIN AKT DER GEWALT. Mao Tse Tung.” Das Geräusch von Zikaden aus der Stille. Schnitt auf Ameisen, die auf einem Baumstamm krabbeln. Jemand pinkelt drauf. Zu schnarrender elektronischer Musik fährt die Kamera zu den nackten Füßen dessen, der sich hier grad erleichtert und seinen Körper hoch. Schwarze Stoffhose mit weißen Streifen. Er knöpft gerade den Latz zu. Streifenhemd. Jackettjacke. Bärtiges Gesicht. Schwarzer Cowboy-Hut. Das Geräusch einer Explosion. Der bärtige sieht auf und blickt suchend herum. Als er sich umdreht gibt er den Blick auf eine … großartige Eröffnungstotale einer Westerlandschaft mit Ruinen im Vordergrund. In der Ferne Rauch. Stimmen beginnen etwas zu singen was wie “Schong Schon Schong” klingt. Der Rauch kommt von einer Lasterartigen Kutsche mit bewaffneten drauf. Während sie heranfahren Titel in einem schönen, brökeligen Font. Die Musik wird elegisch während sich der Zehnspänner durch den Staub arbeitet. Unser bärtiger geht an die Kreuzung, wo hoch an einem Fahnenmast anscheinend eine alte Jacke baumelt. Er lehnt sich dagegen, putzt seine dreckigen Füße. Dann tritt er in die Mitte der Straße und versucht die Kutsche mit seinem Hut zu stoppen. Doch die 10-PS düsen vorbei und lassen ihn noch staubiger zurück. Erst an einem nahen Brunnen stoppt die Riesenkutsche. Der bärtige grinst und rennt auf das Gefährt zu: “Senor! Senor! Ich muss nach San Felipe! Meine Mutter ist tot!” “Einfach die Straße lang, etwa 50 Meilen”, meint der Kutscher uninteressiert. Der bärtige tatscht ihm auf die Schulter, sieht ihn flehend an. “Jak – Mach dass du wegkommst!” Der Kutscher schupst den Bärtigen weg. Wimmernd und sich am Popo kratzend geht er davon. Da stoppt ihn der Kutscher: “Hey – Amigo – Komm mal her!” ENDE

WERTUNG + +

Sicher nicht der stärkste Anfang des italienischen Löwen, das Zitat ist sehr länglich und umständlich, das mit dem Pinkeln zu bewusst auf provokant gemacht. Aber immerhin: Der typische überkandibelte Stil dieses Regie/Musik-Duos verheisst auch hier wieder ein total eigenartiges Westernabenteuer und die Figuren kommen einem mit einem Minimum an Dialog nahe.

Ein Film von 1971

Das Warner-Schild. Mit einem gruseligen “Dong!” wird das Bild blutrot. Aus dem fortgesetzten Gedonge erheben sich Synthie-Fanfaren. Jetzt weiße Titel auf dem Rot. Der Hintergrund wechselt zu blau beim Regiecredit, dann wieder zu rot beim Hauptitel. Dann das Gesicht eines jungen Mannes mit Hut der uns direkt ansieht. Sein rechtes Auge hat falsche Wimpern. Er hat lange Haare und weiße Kleidung. Langsam fährt die Kamera zurück. Er hebt ein Glas Milch. Neben ihm drei weitere solche Jungs. Manche haben rote Flecken in den weißen Klamotten. Ihre Füße liegen auf Schaufensterpuppen nackter Frauen. An der Wand über ihnen steht verschnörkelt: “Moloko Vellocet”. Als die Kamera weiter zurück fährt und uns mehr Schaufensterpuppen und Leute zeigt beginnt ein Off-Erzähler zu sprechen. “Da bin ich. Also: Alex – und meine drei Droogs. Also: Pet, Georgie und Dim. Und wir saßen in der Corova Milchbar…” Der Erzähler sagt uns welche Milchsorten es in der sterilen Milchbar mit den sterilen Gästen und Wachen gibt, durch die die Kamera noch immer davon fährt während die Syntheakkorde auf Unheil deuten. “…das machte dich wach und bereit für ein bischen Ultra-Violence.” BANG! Schnitt auf eine dreckige Hand mit Alkflasche, irgendwo auf dem Boden. Wieder fährt die Kamera zurück. Es ist ein Penner in einem Tunnel. Er singt “In Dublins Fair City…” Schritte und lange Schatten kommen näher. Es sind die vier Jungs aus der Bar. “Betrunkene Stinker, die die dreckigen Songs ihrer Väter heulen konnte ich noch nie leiden…”, meint der Off-Erzähler. Die vier Droogs halten bei dem Penner und applaudieren ihm schelmisch, als er sein Lied beendet. Sie tragen Schlagstöcke. Mit einem Reim bittet der Penner sie um Kleingeld und bekommt stattdessen einen Stock in den Magen. Er greif ihn und ruft: “Nur zu! Macht mich fertig ihr Feiglinge! Ich will eh nicht mehr Leben! Nicht in so einer stinkigen Welt, wie dieser!”. Das Gesicht von Alex ganz nah, der auf sein Opfer herunterblickt: “Oh – und was ist daran so stinkig?”  “Sie stinkt weil Recht und Ordnung fehlen! Weil die Jungen die Alten fertig machen, so wie ihr! Was ist das für eine Welt?! Menschen auf dem Mond!! Menschen die um die Erde fliegen?! Und niemand kümmert sich um Gesetz und Ordnung!!” Er beginnt wieder zu singen, als Alex seinen Schlagstock wegzieht: “Oh dear land… i fought for thee…” Jetzt beginnen sie ihn zu prügeln und zu treten. Fröhliche klassische Musik setzt ein und wir schauen auf die Stuckmalerei einer Blumenvase. Wieder beginnt die Kamera nach hinten zu fahren und gibt den Blick frei: Die Malerei ist oberhalb einer Theaterbühne. Über der lieblichen Musik die entsetzten Schrei einer Frau. Auf der Bühne Gerümpel, Masken, Matratzen. Viel rosa. Darin etwa fünf jungs in Army-Klamotten, die an einer halb ausgezogenen Frau zerren. “Billy Boy und seine vier Droogs in dem aufgelassenen Casino”, stellt der Erzähler sie uns vor. “Sie machten sich bereit das alte rein-raus rein-raus mit einer greinenden jungen Devotschka zu spielen….” ENDE.

WERTUNG: + + +

Bei diesem Film erübrigt sich wohl das Ratespiel. Entweder man erkennt ihn an den ersten Sätzen – oder man hat ihn noch nicht gesehen. Die Stimmung ist unglaublich intensiv und düster, jedes Bild, jede Kamerabewegung, jeder Schnitt, jeder Musikeinsatz, jede Aktion der Schauspieler wirkt genaustens geplant und ausgeführt. Ein meisterhaft scheußlicher Anfang für das scheußlichste Meisterwerk dieses Regisseurs. Makes you sharp and ready for the old Ultra-Violence.

Da müssen wir doch glatt noch mal was nettes nachschieben:

Ein Film von 1971

Aufblende zu Geigenmusik: Die Titel stehen in blau über Buchrücken. Es ist acht mal das gleiche Buch, das den Titel des Films trägt. Wir sehen Kapitelüberschriften und handschriftliche Notizen an den Rändern, während die Titel weitergehen. Die Musik wechselt von düster über sanft-klagend zu hoffnungsfroh. Dann ein Erzähler: “Heute nacht habe ich unsere Geschichte wieder in allen Einzelheiten durchlebt! Ich werde ein Buch darüber schreiben. Muriel meint, ein Bericht über unsere Schwierigkeiten könnte anderen helfen…” Aufblende zu einer Frau -Muriel? – in altmodischen Kleid in einem Korbstuhl. Sie liest in einer Zeitschrift. Kinderlachen lässt sie zur Schaukel blicken wo vier Kinder einen Mann anfeuern: “Los! Jetzt ohne Hände!” Er hängt an einem Seil und baumelt Kopfüber herunter… das Seil beginnt zu reissen. Er stürzt! Die Kinder schreien! Muriel springt auf. Er hält sich sein Bein. Rasend schnelle Cuts zwischen den einzelnen Protagonisten der Szene, dann der Vogelblick von oben. Abblende. Aufblende: Ein edles Treppenhaus, roter Teppich auf den Stufen, schweres Holzgeländer, dicke Vase. Der Mann kommt an Krücken die Treppe herunter. Er will ins Zimmer – kehrt dann aber um: “Mama!” “Claude?” “Ich habe auf dich gewartet”. “Aber du bist doch alt genug um dich alleine vorzustellen!” Hm. Claude geht wieder Richtung Zimmer. Dort wartet eine junge Frau auf ihn (sehen alle gleich aus in diesen 19. Jahrhundert-Kleidern mit Hut. Keine Ahnung ob das jetzt Muriel ist oder wer). Sie scheint Engländerin zu sein, denn er spricht sie mit “How do you do” an und redet dann extra-deutliches Französisch: “Wie gefällt es ihnen in Paris?” “Sehr. Ich mag die Menschen.” “Und die Menschen in England?” “Nun – die sind nicht so offen und lebhaft. Aber sie sind logisch und fantasievoll – auf ihre Art.” “Sind sie nicht schokiert von den französischen Umgangsformen?” “Schokiert? Nein. Aber überrascht. Franzosen lügen mehr, aber wenn man das weis stört es nicht.” Er grinst. Die Mama kommt herein (ah das ist die Dame aus der ersten Szene, gut) : “Claude kann ihnen leider noch nicht Paris zeigen – er muss noch liegen.” Sie streichelt matriarchalisch den Kopf ihres Sonnes, woraufhin die Besucherin noch verwirrter guckt: “Sie sollten Englisch mit ihm reden. Das ist gut für ihn.” Die Engländerin hebt ihren Schleier. Der Off-Erzähler sagt dazu: “Als sie ihren Schleier hob hatte Claude den Eindruck einer keuschen und angenehmen Nacktheit…” Schnitt zu Claude und dem Mädchen unterwegs in einer Säulenhalle mit Büsten. “Anne Brown war die Tochter einer Jugendfreundin seiner Mutter. Sie besuchte den jungen Franzosen oft und sie setzten ihr Gespräch dort fort, wo sie es unterbrochen hatten. Anne fühlte sich zur Bildhauerei berufen. Nach kurzem Wiederstand begeisterte sie sich für Auguste Rodin, der in England noch unbekannt war. Eines Tages eröffnete sie Claude, dass sie eine jüngere Schwester hätte – Muriel.” Sie zeigt Claude und uns ein Kinderfoto von Muriel. Der Erzähler beschreibt es und sagt auch was Anne sagt: ‘Besuchen sie sie, ich möchte sie beide reden hören’. Sie selbst sagt: “Den Stock brauchen sie nicht mehr. Geben sie her!” Er gibt ihr seinen Gehstock und macht ein paar Schritte alleine durch die Skulpturengalerie, nicht ohne sich den Bobbers zu halten. Als sie ihm folgt wird die lieblich Geigenmusik wieder düster… “Claude wollte seine Ferien bei der Familie Brown verbringen. Seine Mutter (Schnitt auf die Mutter) hatte nichts gegen die Reise (Doppelbelichtung Zug über dem Gesicht der Mutter). ENDE

WERTUNG: + +

Argh! Und da soll noch mal sagen das Videozeitalter sei ultra-beschleunigt. So rasend schnell wie dieser olle Franzos’ ist heute glaub ich nichts mehr. Ständig passieren mindestens drei Dinge gleichzeitig: Ultra-Schnelle, ultra-detailreiche off-Erzählung. Schnelle, assoziative Montage, Text, Subtext, Hypertext. Ja lecks mich am… Zum mitschreiben eine Katastrophe – als merkwürdiges Hybrid-Kunstwerk zwischen Film und Literatur aber interessant inszeniert.

Zwischenstopp 1971 – Wo ist der Zuschauer?

Die beiden letzten Filme sind ein gutes Beispiel dafür, wie unterschiedliche Stile von Regisseuren sich auswirken: Beides sind Literaturverfilmungen, beide haben einen Off-Erzähler, beide arbeiten sehr bewusst mit allen Elementen des Films, beide wirken auf ihre Art abstossend und anziehend zugleich. Und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein.

Den Inszenierungsstil von “Clockwork Orange” authoritär zu nennen ist noch geschmeichelt: Jedes Bild, jeder Ton scheint dem Zuschauer ganz genau vorschreiben zu wollen, was er jetzt fühlen soll. Wir nehmen das hin (auch wenn die Gefühle nicht schön sind) weil Kubrick damit unserer Eitelkeit schmeichelt: Im Zentrum von “Clockwork Orange” stehen nicht Alex und seine Droogs – sondern wir, die Zuschauer. Jeder Moment zielt direkt auf uns – wie der Blick von Alex in die Kamera zu Beginn. Alles passiert nur für uns und deswegen wendet Kubrick auch in jeder Sekunde seine ganze genialische Kraft auf um die Zuschauer bei der Stange zu halten: Sehen wir nur einen Moment weg verliert der Film sein Zentrum. Und stirbt.

Ganz anders dagegen “Les Deux Anglaises”. Dieser Film könnte problemlos weitergehen auch wenn keiner ihn guckt! Denn wir Zuschauer sind nicht sein Zentrum – wir sind nur dabei. Wir werden nicht gelenkt – aber auch nicht betütelt: Wer wissen will worum es geht (wer Muriel ist) und welche der vielen, vielen Audio- und Bildinformationen für uns wichtig ist – das müssen wir selber rausfinden. Einerseits ist das frustierend: Das Zuschauerkind steht in der Ecke, sieht zu wie Truffaut “mit schönen Frauen schöne Dinge tut” und wünscht sich heimlich den Papa Kubrick, der es an die Hand nimmt und in die Mitte zurückführt.

Andererseits kann es auch sein, dass ein solcher Film uns einen ganz anderen Spielplatz bietet, eben einen auf dem wir uns die Abenteuer selbst suchen können.

Truffaut bietet uns zwei Möglichkeiten, so scheint mir: Entweder wir schauen passiv den rasenden Informationen zu wie einer Landschaft aus dem Zugfenster – oder wir fangen wirklich an unseren eigenen Film aus dem gebotenen herauszuarbeiten. Ob der Film dann ein Zentrum hat – oder braucht – ist unsere Entscheidung.

Schlicht gesagt: Was Kubrick uns anbietet ist Geborgenheit, Truffaut Freiheit. Beides ist dubios.

Ein Film von 1972

Stille. Keine Logos. Weisse, fein geschwungene Titel auf Schwarz. Langsam blenden leise Gespräche ein. Auch ein Bild taucht langsam auf – zuerst sind es nur graue Flecken im schwarz. Die Gespräche und das Lachen sind nun lauter. Ab und zu hört man Gläser klirren. Die grauen Flecken formen einen Blick auf einen undeutlichen Raum – wie durch ein Glas gesehen. Ein Mann im Anzug bewegt sich darin. Jetzt setzt eine Jazz-Band ein, sie spielt sich warm. Langsam kommt Farbe ins immer noch unscharfe Schwarz-Weiss-Bild. Ein Trommelwirbel! Eine Frau in Rot im Unscharfen. Einblendung: “BERLIN 1931″. Mit dem finalen PATSCH des Trommelwirbels taucht ein weißgeschminktes Männergesicht hinter dem Glas auf. Er trägt Fliege & Anzug & grinst. Die Musik hebt jetzt richtig an. Die Kamera fährt zurück – bisher blickten wir in einen Zerrspiegel. Now we see Face to Face: Der Mann sieht uns an. Wieder falsche Wimpern. Er singt: “Willkommen, bienvenue, welcome…” Er beginnt einen Tanz auf einer mit rotem Samt umrahmten Bühne. Starre Zuschauerfiguren mit absonderlichen Frisuren und Kleidungen beobachten ihn. Während der Mann weiter singt sehen wir plötzlich einen Zug der in einen Bahnhof fährt. Ein junger Mann mit spießigem Scheitel und Krawatte öffnet das Zugfenster und blickt erwartungsvoll auf das Schild “Berlin Anhalter Bhf.”  “Ich bin euer Conferencier”, sagt der Mann vom Anfang darüber, der nun wieder ins Bild kommt: “I am your Host!” Er tanzt weiter über die Bühne, auf der sich nun der Zerrspiegel hebt und einen schwarzen Vorhang dahinter sehen lässt: “Leave your troubles outside – in here, Life is beautiful! (Schnitt auf starre Zuschauer)The Girls are Beautiful!” (Schnitt in die Garderobe, wo jemand sich eine blonde Perücke aufsetzt) “Even the Orchestra is beautiful”. Der Conferencier öffnet den Vorhang. Dahinter ein Damenorchester das als Silhoutte sichtbar auf einer kleinen Fahrbühne auf uns zurollt. Während sie das “Willkommen”-Thema übernehmen sehen wir wieder den Scheitelmann grinsend, mit dem Koffer in der Hand, über den Bahnsteig gehen. Schnelle Cuts zu (viel lebendigeren, echteren) Menschen auf dem Bahnsteig. Auf der Bühne steckt der MC seinen Stock ins Saxophon einer der Musikerinnen und beginnt etwas Klavier zu spielen. Sein Solo endet damit, dass er sich auf die Tasten setzt und ein Lachen erntet. Dann stellt er die Mädchen des Etablisments vor, die nun leicht bekleidet auf die Bühne kommen: “Heidi, Christine, Marlie, Helga, Betty – und Inge. Each & Everyone – a virgin!” (Ein Zuschauergesicht, Mann mit Schnauzer der Luft holt) You don’t believe me? (Publikum schüttelt den Kopf und lacht) “Well, do not take my word for it. Go ahead (er gibt einer Dame einen Klaps auf den Hintern) – ask Helga!” Helga wackelt zur Antwort mit dem Po. Das Publikum lacht. “Outside it is windy. But in here – it is so hot!” Die Girls beginnen aufreizend zu tanzen: “Every night we have the battle, to keep the girls from taking of all their clothing…”…ENDE

WERTUNG + + +

Ach schade! Das schluckt das strenge 5 Minuten Limit gleich eine schöne Pointe. Ein sehr schöner Anfang: Der ganze Film tanzt und hat dazu noch Tiefe: Der wahrhaft biblische Anfang (“Now we see through a glass darkly, but then we shall see face to face”), die Anspielungen auf Otto Dix Gemälde und natürlich der brilliante Song von Kander/Ebb der einen perfekt in die Epoche bringt. Und Liza Minelli kommt auch nicht vor! Super!

Ein Film von 1972

Einblendung: “Ouvertüre”. Diese ist ein schmackiges Westernthema, das nach einer Minute etwas nach ‘Star Trek’-Fanfaren klingt, dann lyrisch vor sich hin schwelgt und schließlich mit Pauken und Trompeten endet. Das Warner Schild. Schwarz. Geräusche von Pferden – wiehern und Hufe. Langsame Aufblende. In der Dämmerung kommt eine Herde Pferde auf uns zu galoppiert. Cowboys reiten drum herum. Darüber die Titel. Orchestereinsatz: BLAMM! Main Title auf Schwarz. Jetzt Split-Screen! Das Herdentreiben geht in kleinen Fenstern weiter, während nebendran die Titel weitergehen. Jetzt sind die Pferde schon in einem Pferch. Cowboys versuchen sie zu reiten und werden abgeworfen. Jetzt galoppieren sie durch einen Canyon. Ein Cowboy den man schon von weitem erkennt reitet um sie herum. Helikopterflug über galoppierende Pferde, diesmal mit Titeln im selben Split-Screen-Frame. Mehr Rodeo-Szenen mit wilden Pferden im Pferch. Die Split-Frames werden größer. Die Galopp-Herde kommt auch beim Pferch an. ENDE

WERTUNG: /

Wieher. Die Musik ist nett, aber die Split-Screens machen es sehr distanziert, abstrakt & unemotional. Inhaltlich? Ausser Gäulen nix gesehen! Nur für Pferdefans einladend.

Ein Film von 1972

Melancholische Trompetenstöße über dem Paramount-Berg (Animiert – neu?!). Kurze weiße Titel auf schwarz. Dann eine Stimme: “Ich glaube an Amerika.” Langsame Aufblende zum Gesicht eines Mannes mit dünnem Oberlippenbart: “Amerika hat mich reich gemacht.” Er spricht italienischen Akzent. “…und ich habe meine Tochter nach amerikanischer Art aufgezogen.” langsam fährt die Kamera weg. “Ich gab ihr Freiheit, aber ich brachte ihr bei niemals ihre Familie zu entehren.” Der Mann erzählt weiter von seiner Tochter und wie zwei Jungs versuchten sie zu vergewaltigen: “Sie widerstand – sie behielt ihre Ehre. Also schlugen sie Sie – wie ein Tier. Und brachen ihre Nase!” Die Kamera fährt immer weiter zurück. Unser Sprecher sitzt in absolutem, tiefen Schwarz. Langsam gibt die Dunkelheit einen Schreibtisch frei, vor dem der Erzähler sitzt, der jetzt vor Gram hüstelt. Von hinter dem Schreibtisch gibt eine Hand ein Winkzeichen. Ein dritter Mann, von dem wir auch nur den Arm sehen, gibt dem Erzähler ein Glas Wasser. Über die Schulter des Mannes hinterm Schreibtisch hören wir zu, wie der Mann weiter erzählt: “Ich ging zur Polizei – wie ein guter Amerikaner. Aber der Richter setzte die Strafe aus – sie kamen noch am selben Tag frei! Ich stand im Gerichtssaal wie ein Idiot – und diese beiden Bastarde grinsten mich an! Da sagte ich zu meiner Frau: Um Gerechtigkeit zu bekommen, muss ich zu Don Corleone gehen.” Die Kamera hat ihre Rückwärtsfahrt beendet. Der Mann hinterm Schreibtisch nimmt die Hand vom Kinn und ruckt in seinem Stuhl. Mit rauchiger Stimme sagt er: “Warum bist du zur Polizei gegangen? Warum kamst du nicht gleich zu mir?” “Ich tue was ihr wollt, aber erfüllt meine Bitte!” “Welche Bitte?” Der Erzähler erhebt sich und geht um den Schreibtisch herum. Er neigt seinen Kopf zu Corleone – zwei Dunkle schatten: “Ich will sie tot”, haucht er. Schnitt: Der Mann hinter dem Schreibtisch von vorn. Ein grauhaariger Mann mit Fliege und dem selben Bart. Don Corleone. Er grübelt, kratzt sich am Kinn: “Das – kann ich nicht tun.” Schnitt. Totale. Ein großes, dunkles Büro mit viel Holz. Neben Corleone und dem Bittsteller noch zwei weitere Männer. “Ich gebe euch alles was ihr verlangt!” Jetzt wieder näher zu Corleone, der eine Katze im Schos hat. “…dies ist das erste mal, das du mich um Rat oder Hilfe bittest. Ich kann mich nicht erinnern, wann du mich das letzte mal zu einer Tasse Kaffee eingeladen hast…du wolltest nie meine Freundschaft und hattest Angst davor in meiner Schuld zu stehen.” “Ich wollte keinen Ärger.” “Ich verstehe – du hast in Amerika das Paradies gefunden. Polizei und Gerichte beschützten dich und du brauchtest keinen Freund wie mich. Aber jetzt kommst du zu mir und sagst: ‘Don Corleone, gibt mir Gerechtigkeit’. Aber du fragst ohne Respekt! Du bietest mir keine Freundschaft an. Nennst mich nicht mal……………. Statt dessen kommst du in mein Haus am Hochzeitstag meiner Tochter und bittest mich zu morden. Für Geld.” “Ich bitte um Gerechtigkeit!” “Das ist keine Gerechtigkeit – deine Tochter lebt noch…” ENDE

WERTUNG: + + +

Was soll man da noch sagen: Zurecht einer der berühmtesten Anfänge der Filmgeschichte – in diesen fünf Minuten entsteht eine Welt! Der Dialog ist rasiermesserscharf, die Schauspielerleistungen hynotisch, die Kameraarbeit (dieses Dunkel!!) brilliant. Macht Lust den Rest zu sehen – sind ja auch nur noch 168 Minuten.

Ein Film von 1973

Eine Einblendung weiß auf rot: “Nach der Eroberung und Ausplünderung des Inkareiches durch die Spanier erfanden die Indianer in ihrer Not die Fabel vom Goldland El Dorado… Ende 1560 brach zum ersten mal eine Expedition spanischer Abenteurer unter Gonzalo Pizarro dahin auf…das einzige Zeugnis das wir von dieser verschollenen Expedition haben ist das Tagebuch des Mönchs Gaspar de Carvajal.”  Aufblende zu nebelverhangenen Berggipfeln. Esoterische Synthie-Musik. Wir zoomen von hoch oben auf einen steilen Berghang, den eine lange Schlange Menschen herabsteigt. Sie tragen Helme und Fahnen. Nun kommt ein Erzähler: “Am Weihnachtstag 1560 erreichten wir die letzte Anhöhe des Andengebirges und sahen zum ersten mal in den gelobten Urwald hinab. Am Morgen las ich die Messe, dann stiegen wir durch die Wolken hinab.” Klein wie Ameisen kriechen die Menschen weiter die Serpentinen herunter. Der Nebel hängt dicht und undurchschaubar neben dem Berg. Langsam ziehen sie an der Kamera vorbei, als sie den nächsten Berg erklimmen: Eingeborene mit Ponchos und Kopftüchern, Spanier mit Gewehren und Helebarden. Eine Kiste mit Hühnern fällt den Abhang herunter und zerschellt. Auch Lamas sind bei den Treck dabei. Angekettete Menschen mit Sandalen, dann eine Sänfte, darüber der Titel. Eine Frau in nicht sehr bergtauglichem blauen Kleid mit Riesenrüschenkragen folgt der Sänfte. Der Name des Regisseurs verdeckt unschön ihr Gesicht. Ein Indio trägt ein schweres Wagenrad. Zwei andere, ohne Schuhe, tragen eine weitere Hühnerkiste, andere treiben Schweine vor sich her. Ein weiterer schleppt eine Madonnenstatue den schmalen Weg entlang. Ihr folgt der Mönch Gaspar, der sehr ungeschickt läuft und sich am Fels festhalten muss. Noch eine Dame, diesmal in einem roten Kleid, noch unpraktischer als das blaue für diese Gegend. Sie wird von einem langhaarigen Blondling mit Helm geführt. Ein dicker mit gezogenem Säbel, dann zwei welche ein Kanonenrohr (!) schleppen. Die Synthie-Musik geht ununterbrochen weiter, bis eine Kanone vom Abhang stürzt und im Dschungel explodiert. ENDE

WERTUNG: + +

Sehr stimmungsvoll! Man kann sich gut vorstellen, dass diese Expedition (bis auf ein paar recht theatermäßig wirkende Spanier) wirklich so ausgesehen hat. Unschön dagegen die Art, wie die Titel ziemlich respektlos mitten ins Bild gekleistert werden (eine typische Marotte dieses Regisseurs).

Ein Film von 1973

Das abstrahierte Warner-Logo. Orchestermusik, sanft, spieluhrmäßig. Aufblende zu einem dunklen Raum. Ein Mädchen (Claudia?) und ihr Hund sitzen im Bett. “Meine Mutter starb an Lungenentzündung als ich noch ein kleines Kind war”, sagt die Erzählerin, während die Kamera anmutig um das Bett herumfährt in dem das Mädchen den Hund streichelt. “Mein Vater hob ihren Hochzeitskuchen im Kühlschrank auf. Zehn Jahre lang….irgendwann zogen wir von Texas nach Fort Dupre, South Dakota” Aufblende zu einer gammeligen Straße mit Palmen und Mülltonnen. Zikaden. Ein Auto, dass entweder verbeult ist oder einen ungewöhnlichen Heckspoiler hat. Ein Müllfahrzeug zwischen den weißen Vororthäusern. An jeder Seite hängt je ein Müllmann. Behandschuhte Hände an Hebeln. Die Mechanik des Wagens. Der jüngere Müllmann kniend beim herumliegenden Hund. Tot? “Ich geb dir nen Dollar, wenn du diesen Collie aufisst” ruft er seinem älteren Kollegen zu. Der schüttelt den Kopf: “Für nen Dollar ess ich das nich… Ich glaub auch nicht, dass es n Collie is’. N’ Hund ja, ” Sie steigen wieder auf. Bei einem Ast muss sich der ältere ducken. “Hey Woodie”, sagt der jüngere zum Fahrer “gib mir ne Zigarette!” Woodie fährt nur weiter. “Woodie gibt mir keine Zigarette”, beschwert sich der jüngere, während er eine Tonne in die Ecke knallt. “Schon mal aufgefallen, dass er kaum was redet?” “Ja, er ist nicht so gesprächig, hast recht.” Schnitt auf das rothaarige Mädchen, dass jetzt mit einer Art Cheerleader-Stecken auf der Straße tanzt. “Ich konnte kaum ahnen, dass das, was in jenen Seitenstraßen begann in der Einöde von Montana enden würde.” Zurück zu den Müllmännern. Der Junge versucht Woodie Schuhe zu verkaufen, die er gefunden hat – für nen Dollar! – der winkt ab. “Die kosten 20 neu…” Er wirft sie achtlos dem älteren hin. Ein anderer Hund bellt und bekommt von ihm einem Apfel zugeworfen. Gewühle in Mülltonnen: “Diese Lady zahlt niemals ihre Rechnungen. Sie wird Ärger bekommen, wenn sie nicht aufpasst.” Der Ältere hört nicht zu. Auch er haut jetzt eine leere Mülltonne hin: BLAMM. Synchron dazu der erste Titel. Gelb im Bild. “Ich hab jetzt genug Müll rumgeworfen, Cato. Bis morgen!”, meint der Junge und geht davon. “Fang!” ruft Cato und wirft ihm irgendeinen Dreck nach (Zweiter Titel). “Was?” Spielerisch wirft er den Müll zurück. Cato lacht. Überblendung zur Straße vom Anfang. Der Junge mit einem Wischmob den er auf der Hand balanciert (weiter Titel) Er raucht, spielt mit Dosen Fußball. (Erstaunlich: Der Kasch am linken Billschirmrand hat ein Loch!! Sowas hab ich noch nie gesehen! Egal – zurück zum Müllmann) Er kommt bei dem Mädchen an, das immer noch vor dem Haus rumhüpft. MAIN TITLE. Dazu fröhliche Orf-Musik. Er spricht sie an: “Hi. Ich bin Kit. Hoffe ich halt dich nicht bei was wichtigem auf?” “Nö” “Ich dachte ich komm mal rüber und sag hallo. Ich probiers halt mal aus…” Sie schaut sommersprossig. “Wie heißt du? Ich habs auch gesagt…” “Holly”. Grins. “Ok, Holly”. Verlegen. “Willst du…äh…n bischen mit mir spazierengehen?” “Wozu?” “Oh, ich hab Zeug zum erzählen. Da hab ich Glück. Die meisten Leute haben nämlich nichts zu sagen, nix im Hirn, oder?”. Sie schaut interessiert. Schnitt. Sie gehen nebeneinander die Straße lang. “Übrigens”, sagt Kit. “Mit Nachnamen heiss ich ‘Carruthers’. Klingt ein bischen zu sehr nach ‘Druthers’ ” “Schon ok.” “Nun, ich wurde nicht gefragt, sie haben ihn mir einfach gegeben.” ENDE

WERTUNG: +

Naja, schwer zu sagen, viel Inhalt gab’s ja noch nicht. Dennoch bringt diese Low-Down-Natürlichkeit frischen Wind, das ganze wirkt über weite Strecken wie eine Doku, wäre da nicht der geradezu lyrische Off-Kommentar. Noch ist nicht abzusehen, wo die Reise hingeht.

Ein Film von 1973

Das Warner-Schild. Titel weiß auf schwarz in schörkeligem Font. Aufblende zum Griff eines Degens. Eine Hand kommt und zieht ihn (mit total übertriebenem Geräusch) aus der Scheide. Unter dem Geräusch schiebt sich die Musik herein: Schwere, sich steigernde Akkorde. Weiter Titel. Fanfarenstoss. Zwei Degen die gekreuzt werden. Anscheinend eine Fecht-Übungsstunde, da beide Kämpfer (von denen wir nur Arme sehen) Handschuhe tragen und sich sehr vorsichtig bewegen. Main Title in Rot. Jetzt die Kämpfer. Ein junger, muskulöser ohne Hemd und ein Alter. Gefilmt mit einem merkwürdigen Nachzieh-Filter, der dem Kampf etwas entrückt tänzerisches gibt. Sching! Tata! Schang! BABA!! Plap! Swushishsush. Ein abstraktes Ballett aus Sounds, Musik, Bewegungen. Jetzt sehen wir auch den Hintergrund: Eine Scheune. Die Bewegungen werden realistischer. Der junge trägt ein Silberkreuz um den Hals. Der Alte – er haut den jungen mit dem Kopf gegen einen Scheunenbalken. Wirft ihn zu Boden. Der rappelt sich wieder auf – sie greifen wieder zu den Waffen. Der Kampf verliert nun die Anmut. Der junge kickt den alten – der rollt sich geschickt ab und endet mit der Klinge am Hals des Jungen. Er hat gewonnen, obwohl er am Boden kniet:  “Gut! Benutze dein Schwert nur als letzte Möglichkeit, wenn alles andere versagt hat.”, meint der alte und wirft seine Waffe weg. Der junge hilft ihm auf. Beide sind sehr verschwitzt. “Das hat mir gute Dienste geleistet”. “Ja, Vater. – Wollen sie sich nicht setzen?” “Nein, die Zeit wird knapp. Du musst los. Puh! Ich hab dir meinen geheimen Angriff gegeben – jetzt geb ich dir 15 Kronen. Und das hier ” – er reicht ihm den Degen. “Dein Großvater kaufte ihn für die Schlacht von Lepanto. Es wird dir Türen öffnen. Du bist jung, ein Gascon und ein D’Artagnan.” Sie verlassen die Scheune. Der Vater gibt weiter Tipps: “Kämpfe wann immer du kannst! Nimm keine Beleidigungen hin – ausser vom König oder vom Kardinal Richelieu. Sei Vorsichtig mit dem Kardinal – er ist der wahre Herrscher hinter dem König. Aber du bist ein Diener des Königs – und der Königin. Also…” Der Vater küsst seinen Sohn.”Und nun verabschiede dich von deiner Mutter.” Vor dem Stall. Der Sohn zu Pferde, Vater und Mutter an der Seite. Auch sie gibt Ratschläge: “…reib Salbe auf die Kratzer. Und halte deinen Umhang und deine Schuhe trocken” “Ja, Mama.” “Verkauf das Pferd nicht! Lass ihn ehrenhaft an Altersschwäche sterben!”, ruft der Vater ihm nach. “Und KÄMPFE!” Dann leiser zu sich: “Pass auf dich auf.”  Schnitt zu drei Pappfiguren von Mädchen in vornehmen Kleidern. Ein Stutzer mit rosa Federbüschel am Hut und Augenklappe macht Zielwerfen mit Bällen auf sie. D’Artagnan kommt auf seinem großen Bauernpferd geritten. “Da reitet jemand auf einer Butterblume”, witzelt der Stutzer und seine Kollegen lachen fies. “Erzählen sie mir, worüber sie lachen, Sir und wir können gemeinsam lachen.” meint D’Artagnan. Doch der Stutzer dreht sich nicht mal um. “Würden sie mit mir sprechen?” “Wenn sie ein Gentleman wären würde ich mit ihnen sprechen – ich würde sie ANsprechen, Sir.” “Aber ich spreche doch schon mit ihnen!” ENDE

WERTUNG: + +

Sehr cool, die Mischung aus Manowar-Helden-Epik und dem bodenständig-dreckigen Szenario. Ausserdem ein exquisistes Sound-Design.Nur die längliche Expositions-Laberei des Vaters gefällt mir nicht so, das hätte man sicher auch beiläufiger machen können.

Ein Film von 1973

DEFA-Logos in Weiß. Wackelig. Eine Widmung in Rot. Harter Schnitt zu einem alten grauen Haus am Rand einer grauen Straße. BOOOM. Das Haus explodiert. Über dem Rauch die Titel in Rot. Teils statisch, teils rollend wie bei einem Abspann. Rauschen, Vogelzwitschern, Hupen, Stimmen in der Ferne. Dann deutliche Piano-Akkzente darüber plus Gesang: “Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt/sagt die Welt, dass er zu früh geht/wenn ein Mensch lange Zeit lebt/sagt die Welt:’Es ist Zeit’” Der Rauch steigt weiter. Meine Freundin ist schön/weckt sie nicht bis sie sich regt/ich hab mich in ihren Schatten gelegt. Ein eingekeiltes Fenster in einem grauen Haus. Ein junger Mann wirft Möbel und Porzelan-Geschirr heraus, das unten auf einem Haufen Sperrmüll zerschellt. jegliches hat seine Zeit/Bäume pflanzen Bäume abhauen. Wieder ein leeres Haus mit toten Fensteraugenhöhlen. Wenn ein Mensch kurze Zeit le—BOOOM. — Mehr Titel. —Wenn ein Mensch lange Zeit lebt…sagt die Welt ‘Es ist Zeit, dass er geht’. Eine lachende Menschenmenge, Männer mit Bauhelmen, Kinder in Lederhosen. Der Mann vom Fenster. Er hält ein ovales Bild in der Hand dass ihn mit einer Frau zu zeigen scheint die gerade sein Hemd zerreist. Er verdeckt ihr Gesicht mit der Hand gibt es aber dann frei. Eine lachende Brünette. Darüber der Main Title Weckt sie nicht bis sie selber sich regt Wir fahren ganz nah heran an das Schwarzweißfoto und dann – swush! Sind wir bei der echten Frau, die lässig, mit Blümchenhemd durch den Staub auf uns zukommt. Sie grinst. Er kommt aus einer Tür. Lederjacke, Zigarette. Er geht auf ihre Straßenseite, vor die “Elektra Lichtspiele”. Er: Tach. Sie: Tach. Er schleicht weiter. Zoom rauswärts. “Hochzeitsnacht im Regen” steht auf dem Kinoaushang. Ein graues Auto hält davor. Ein älterer Herr mit Lederhut, -jacke und -handschuhen steigt aus: “Guten Tag Frau Paula! Na wie wär’s mit einer Fahrt in den Frühling?” “Geht nicht, Herr Saft. Die Kleine muss ins Bett.”  “Vielleicht ein andermal.” Er hilft ihr etwas aufzuheben, was ihr herunterfällt. “Saft ist immer für sie da.” Er lüpft seinen Hut. “Ich empfehle mich!” QUIEKhaha. Plötzlich sind wir mit Paula am Bett ihrer Tochter, die offensichtlich noch gar nicht müde ist. Sie rangeln, haben Spaß. Wir sehen das Gesicht des kleinen Mädchens: “Schlaf jetzt!!” “Nain! Waaharumm soll ich imma slafn?” “Damit du groß und schön wirst!” “Wahum soll ich denn groz und sön weddn?” “Damit du einen Mann kriegst, später…” “Wahum sollich denn n Mann kiegn?” “Warum? Warum warum warumistdiebananekrummundDU SCHLÄFST JETZT!” Paula steht auf, leicht genervt aber noch immer freundlich und liebevoll blickt sie von der Tür zurück: “Pass auf, du schläfst jetzt und wenn du morgen früh wach wirst, dann kommst du ganz schnell in Muttis Bett…Bpf!” Die Tür geht zu, die Tochter beginnt zu schl… singen: “Heute wird Musik gemacht….”. Paula vor dem Spiegel, sie richtet ihre Frisur. Inzwischen hat sie eine andere orangene Bluse mit Tapentenmuster an. Jetzt ist der Lidschatten drann. ENDE

WERTUNG: + +

Hm das ist ein bischen gemein, weil es der einzige DDR-Film in der Sammlung ist und deshalb kaum mit was vergleichbar. Er lebt von Kontrastem: Dem grau der Häuser, Paulas Orange, dem lyrischen Song und der brachialen Zerstörung. Insgesamt sehr starke, ungewöhnliche Kameraarbeit die zwischen Nahaufnahme und Totale, sowie zwischen Orten und Zeitpunkten dermaßen herumspringt, dass man glaubt sie würde gar keinem Plan folgen, bis man zu ahnen beginnt, dass womöglich genau dass Gegenteil der Fall ist! Aber da sind die fünf Minuten leider auch schon wieder vorbei.

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