Konzert: Menschmaschine

Ein Jazz-Quartett interpretiert die Musik von „Kraftwerk“! Computerliebe ohne Computer – kann das gut gehen? Die Schweizer Gruppe „Menschmaschine“ gastierte in der Fürther Kulturfabrik.

Zumindest der Auftritt von „Menschmaschine“ erinnert an die Deutschen Elektro-Pioniere. Vier Herren in schwarz stehen still auf der Bühne der Kulturfabrik und lassen sich von einer Computerstimme vom Band ansagen. „Guten Abend. Wir sind Menschmaschine. Wir spielen für sie heute Musik von Kraftwerk.“ Nur dass die Jungs eben nicht hinter dicken Synthesizern stehen, sondern an klassischen Jazz-Instrumenten: Piano, Bass, Drums und Saxophon.
Man darf gespannt sein, wie sie damit die Musik einer Gruppe interpretieren wollen, die in 40 Jahren Bandgeschichte kein einziges Saxophon-Solo aufgenommen hat. Oder mehr gemacht als per Knopfdruck das Abspielen eines Samples ausgelöst.
Zur Erinnerung: Kraftwerk sind eine handvoll Herren aus Düsseldorf, die Anfang der 70er  ihre Instrumente gegen Synthesizer tauschten und mit Songs wie „Autobahn“ oder „Das Model“ zu den Vätern der elektronischen Musik wurden. Mit ihren minimalistischen Melodien, gesampelten Geräuschen und ihrem bewusst roboterhaften Auftreten hatten sie immensen Einfluss auf Techno, HipHop und Elektropop. Aber Jazz?
Gleich der erste Song von „Menschmaschine“ zeigt dann auch, dass man an diesem Abend die Nostalgie-Brille besser gar nicht erst aufsetzt. Es gibt zwar eine handvoll aus der Erinnerung gespeister Gänsehautmomente – etwa wenn Oli Kuster die ersten drei Noten von „AU-TO-BAHN“ in sein Piano hämmert und der Bass die berühmte Melodie übernimmt – aber sie sind rar. Denn ohne den markanten Sprechgesang und die epische Monotonie der Kraftwerk-Loops ist der Wiedererkennungswert gering. Vor allem Saxophonist Domenic Landolf nutzt die Autobahn nur als Startrampe zum Abheben in sein ganz eigenes, etwas gehetztes Jazz-Universum.


Insgesamt wird nicht ganz klar wo die Jungs hinwollen: Eine Verbeugung vor dem Original? Eine Parodie? Oder ein Trick um über den berühmten Namen frickeligen Jazz unters Volk zu bringen?
Unbestreitbar dagegen die Leistung von Drummer Kevin Chesham und Christoph Utzinger am Bass. Wo Kraftwerk nur auf eine Taste drücken um einen komplexen Rhythmus abzufeuern, leisten diese beiden Präzisionsarbeit in der handwerklichen Umsetzung und finden trotzdem noch Zeit für entspannte und spielerische Solo-Ausflüge.
Alles in allem entsteht so ein durchaus gelungenes Jazzkonzert – bei dem der Rückbezug auf Kraftwerk aber immer irgendwie halbherzig bleibt.

Veranstaltungen, bei denen ich froh bin, nicht zur Zielgruppe zu gehören (Teil 1)

“Ladies-After-Work-Party. Powered by CSU”

Neuer Film!

So… nach drei Jahren Sendepause hab ich endlich auch mal wieder einen Film auf youtube eingestellt. Hoffe er gefällt.

 

Ein paar Worte zu Sarrazin & Co.

Was ich glaube:

Dass es uns Menschen besser gehen würde,
wenn wir das Konzept “Ausländer” gar nicht erst erfunden hätten.

Verbietokratie

Man soll ja nicht nachkarteln.

Aber ich muss zugeben, dass es mich schon ein wenig wundert, wie sehr momentan öffentlich gegen das Zigarettenrauchen gekämpft wird – als wäre die Kippe und nicht die Karre die gefährlichste Waffe in den Händen des Kleinbürgers.

Rechtfertigt die verschwindend kleine Zahl der Passivrauch-Toten wirklich ein staatliches “Design”-Verbot von Verpackungen? Brauchen wir wirklich eklige Bilder auf Zigarettenschachteln zur Abschreckung? Gibt es nicht wirklich viel, viel gefährlichere Dinge in diesem Land, gegen die es sich wirklich anzugehen lohnt? (Atomkraft, Materialismus, Westerwelle…)

Irgendwie gruselt mir seit den letzten Volksentscheiden etwas vor der Demokratie: Nein zum Rauchen in Bayern, Nein zur Schulreform in Hamburg, Nein zu Minaretten in der Schweiz, nein zur Verschleierung… natürlich kann man das nicht alles in einen Topf werfen. Aber die Tendenz erschreckt mich eben einfach.

Für mich bedeutet Demokratie immer “pro choice” wie die Amis sagen. Also für eine möglichst große Wahlfreiheit der mündigen Bürger. Deswegen habe ich ja als Nichtraucher gegen das Rauchverbot gestimmt (auch wenn ich weiss, dass viele meiner Freunde, nette und intelligente Leute, aus guten Gründen dafür gestimmt haben.)

Aber nochmal: Mich erschreckt es zu sehen, dass die Demokratie scheinbar einen leichten Sieg für Interessengruppen verspricht, die gut organisiert GEGEN etwas sind. Und GEGEN WAS sind so viele in diesem Land: All die Anwohner und Nachbarn die grad mal bis knapp über ihren Gartenzaun gucken. Wenns nach denen ging gäbs Volksentscheide gegen Kindergärten, Jugendhäuser und Behinderteneinrichtungen (zumindest ausserhalb dafür ausgewiesener Slums).

Ich bin gerne FÜR die Freiheit, die Liberalität und, immer noch, tapfer für die Demokratie. Aber ich fürchte diese Staatsform braucht verdammt viel Mut, Intelligenz und Toleranz. Und dass nicht nur von wenigen, sondern sogar von einer Mehrheit. Puh. Da kann man wohl nur beten.

“Mundstuhl” im Serenadenhof

Der erste Witz steht bereits auf der Eintrittskarte: “Mundstuhl- Bestuhlt – Freie Platzwahl” – ob das so einladend ist? Für mich waren die Hessen bisher immer irgendwie als Komiker aus der zweiten Reihe abgespeichert – mal sehen, ob das sich an diesem Abend ändert.

Der wichtigste Mann des Abends kommt gleich zu Beginn auf die Bühne: Ein Roadie, welcher sorgfältig Zettel mit der Abfolge der Witze auf den Boden klebt.

Die haben Lars Niedereichholz und Ande Werner alias „Mundstuhl“ auch bitter nötig: „Wir haben übern Sommer nix getan – wir hätten echt mehr üben sollen“, verkünden die hessischen Komiker, als sie schon nach wenigen Minuten anfangen, die Reihenfolge ihrer Gags zu verwechseln: „Ich hab Sehnenscheidenentzündung“ „Nein, die hast Du erst in einer Stunde.“

Ist das echt oder nur gut gespielt? Egal! Den Fans machts jedenfalls Freude die beiden großen kleinen Jungs wiederzusehen, die schwer in den 90ern steckengeblieben sind: Günter Strack, Tina Turner und AC/DC sind Fixpunkte des Programms „Sonderschüler“, das sich vornehmlich um die Ärgernisse des Schulalltags dreht…

Moment! Schulalltag? Von 40-jährigen? „Mundstuhl“ machens mit Selbstironie: „Du bist garantiert älter als die anderen Schüler an deiner Schule!“ „Schüler? Ich bin sogar älter als die Lehrer!“

Für den Nicht-Fan ist diese Show im gut besuchten Serenadenhof ein durchaus gemischtes Vergnügen: Da gibt es gefühlt endlose Passagen in denen Lars und Ande unermüdlich das erschreckend weite Feld der latent ekligen Unterleibskomik beackern: „Ich lutsch den Löffel vom Fernsehkoch…“ gehört da noch zum subtilen Teil.

Dazwischen gibt’s aber immer wieder überraschend starke Pointen und wirklich furiose Wortgefechte. Etwa wenn die zwei sich ereifern, wer von ihnen der mutigere oder der ärmere (!) ist.

Den Ruf, irgendwie Komiker aus der zweiten Reihe zu sein werden die Frankfurter also auch an diesem Abend nicht ganz los. Standen sie früher im Schatten von „Badesalz“ (auch Hessen) oder „Erkan und Stefan“ (auch Kanak-Sprak), so sind es heute etwa Mambo Kurt (auch AC/DC auf der Orgel) oder „Eure Mütter“ (auch so’n Poster), die das alles einen Tick besser machen.

Aber gerade das schräge, selbstgebastelte und offenherzig dilletantische ist es, was „Mundstuhl“ letztlich die Sympathien der Zuschauer einbringt. Streber gibt’s schon genug! Also genießt die Sommerferien, Jungs!

Alles wieder normal!

Liebe Abendzeitung!

Gestern hast Du mich so sehr erschreckt, dass ich gar nicht zum Schreiben kam!
Ich laufe nämlich jeden Morgen an Deinem Zeitungsautomaten vorbei. Und SEIT MONATEN las ich dort – egal was sonst in der Welt passiert – IMMER eine SCHLAGZEILE über den CLUB.

Weltmeisterschaft in Afrika? Pff! Bundespräsidentenwahl? Pah!  Waldbrand? Vergiff ef! Es regiert der FCN!! Selbst wenn ausnahmsweise einmal die Große Headline nicht für den Club reserviert war, so mogelte er sich doch in die Unterzeile.

Doch gestern das: Trainer (NICHT vom FCN!!) als Misbraucher in Verdacht. Unterzeile: “Unsere Rentner werden immer ärmer!”.

Allerdings! Schließlich fehlt ihnen nicht nur die Rente, sondern auch die tägliche Club-Schlagzeile! Gerade wollte ich schon meine Sachen packen und ins Kloster gehen, da komme ich an der heutigen Schlagzeile vorbei: “Bader: …”

Den Rest les ich schon gar nicht mehr. Nur eines zählt: Die  Club-Headline  ist wieder da!

Juhu! Vielen Dank für dieses Stückchen Stabilität in meinem Leben, liebe AZ.

Merke: In wilden Zeiten braucht man etwas, auf das man sich verlassen kann.

4th of July

Wird die Welt wirklich besser?

Koch weg.

Pauli weg.

…Guido? Guido!

Lesenswert: Zwei feine Blogs

So, zur Abwechslung gibt’s heute mal nix über Kino, sondern Hinweise auf zwei andere Blogs, die es in meine Favoriten-Liste geschafft haben:

Zum einen ist da Radiokollegin Bettina Blume seit kurzem in der Blogosphere unterwegs. Auf ihrem Blog “Text + Ton” gibt es – wie der Name schon andeutet – Interviews mit Musikern im O-Ton, die für den Rundfunk entstanden sind und Hintergrundgeschichten dazu, wie eigentlich Radio gemacht wird, bzw. wie es Journalisten bei der Begegnung mit (Semi-)Promis so ergeht. Den Anfang im Interview-Reigen machen Sven Regener von Element of Crime und die Aeronauten.

Sehr puristisch sieht es auf dem Blog von Filmkritiker-Gott Georg Seeßlen aus. Schon erstaunlich, dass der Typ neben all den dicken Filmbüchern und Rezensionen die er schreibt auch noch Zeit und Muse zum bloggen hat.

Auf “Das schönste an Deutschland ist die Autobahn” gibt es dann aber auch nur wenige Artikel über Kino und viele über Politik, Gesellschaft und andere Dinge, die wohl nur Semiotik-Professoren verstehen.  So sind manche Einträge auch recht anstrengend fürs Hirn, wecken aber den Wunsch, irgendwann wenn ich groß bin, auch mal so klug zu sein. Umso schöner, wenns dann ins polemische abdriftet wie in der dreiteiligen Betrachtung über das Verhalten eines gewissen Guido W. unter dem sprechenden Titel: “Der Idiot der Familie“.

Viel Spaz beim Lesen!

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