Weil ich heute „10 Fragen an den Dalai Lama“ besprechen darf, schmökere ich vorher noch in der Autobiographie des Mannes und gucke – glaub ich zum fünften mal – „Kundun“ von 1997 in dem Martin Scorsese die Jugend des Dalai Lama von der Entdeckung in einem abgelegenen Bauerndorf bis zum Exil in Indien erzählt.
„Kundun“ ist einer der Fälle, wo Scorsese sein Millieu der ‘Americana’ verlässt und etwas völlig anderes wagt. Heraus kam sein wohl sanftester und ruhigster Film – der bei jedem sehen aber neue Aspekte offenbart. Diesmal fällt mir besonders auf, wie genau er den Worten der Autobiographie folgt, viele bisher unverständliche Szenen erkären sich in Zusammenhang mit dem Buch.
Umso witziger die Entdeckung, dass der Film damals viel Schelte wegen seiner „platten Dialoge“ bekam. Die stammen meist wörtlich aus dem Buch, also vom Dalai Lama selber (einem Menschen, der von frühster Kindheit an in der Kunst der Argumentation und Rhetorik ausgebildet wurde) – sind also eher ein Beispiel von Verknappung, Präzisierung – und Bescheidenheit – denn von Banalität.
Was dem Film dagegen ein bischen fehlt ist das typische Scorsese-Feuer (man denke nur an seinen Jesus-Film, wo es an allen Ecken und Enden lodert und brennt), sein pausenloses Suchen, Fragen, Ausprobieren. Alles wirkt hier gedämpft durch den Filter des Respekts, den der Regisseur dem Dalai Lama und der untergehenden tibetischen Kultur entgegenbringt. Dadurch wirkt er stellenweise fast zu glatt und klar und gerät in die Nähe eines opulenten Bilderbuches in dem gut und böse erstaunlich eindeutig verteilt sind.
WERTUNG: 1